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von Tim Southwell
An der Seite Europas hat Sam Torrance achtmal im Ryder Cup den Amerikanern die Stirn geboten und sich dabei als mindestens so siegreich wie trinkfest erwiesen. Mit seiner Meinung hält er auch nicht hinterm Berg – optimale Bedingungen für ein Gespräch an der Bar.

Was ist mit Tiger los?
Ich würde ihn gerne wieder an der Spitze sehen. Er ist das Beste, was Golf seit Jack Nicklaus und Seve passiert ist. Er muss einfach zur Ruhe kommen.
Wenn du Tiger wärst, würdest du die Zeit bis zum nächsten Major abschreiben und versuchen, den Kopf erst wieder freizubekommen?
Nein, auf keinen Fall. Er hat sich meiner Meinung nach schon zu viel Zeit abseits der Tour gegönnt. Er muss weiterhin Turniere versemmeln, um daraus zu lernen, wie er das Versemmeln verhindern kann und das Gefühl eines Gewinners zurückbekommt. Wir alle wissen ja, dass er es kann. Man muss sich nur die Wettquoten anschauen, die er im Moment bekommt: 25 :1. Vor drei Jahren war es noch 6 : 4! Hätte man damals darauf gewettet, dass Tiger heute nicht mehr in den Top 20 der Welt ist, die Quote wäre wahrscheinlich eine Million zu eins gewesen.
Wie gehst du mit ungünstigen Platzbedingungen um? Rory McIlroy meinte kürzlich, dass sein Spiel mehr für die Plätze in den Staaten als in Europa geeignet wäre...
Es hat mich nie interessiert, ob ein Platz nun besser zu meinem Spiel passt oder nicht. Man sollte immer positiv an einen Golfplatz herangehen. Wenn Rory so etwas sagt, klingt das für mich unglaubwürdig: ein 22-Jähriger, der in Irland und den dort herrschenden Bedingungen aufgewachsen ist und dann behauptet, er wäre diese Bedingungen nicht gewohnt... das ist doch Schwachsinn! Mir hat auch nicht gefallen, was er während der Open gesagt hat: „Nun, dieses Turnier ist nur einmal im Jahr...“ Das war kindisch. Er hätte nur sagen müssen: „Ja, ich hatte wirklich Probleme, meinen Ballflug flach zu halten“, oder etwas in dieser Richtung. Was er aber sagte, klang erniedrigend. Und er sprach über die Open! Aber trotzdem: Er ist phänomenal und die European Tour wird ihn vermissen.
Rory hat sich auch öffentlich mit Kommentator Jay Townshend angelegt...
Ja, und das war völlig gestört – von Jay Townshend. Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung und Jay wird dafür bezahlt, seine Meinung zu sagen: im TV, nicht auf Twitter, wo so etwas viel schneller seine Kreise zieht. Rory ist 22, er hat in Europa und in den USA gewonnen! Hey, der Junge ist ein absoluter Superstar!
Hast du dir die Open in diesem Jahr angeschaut?
Ja – mit einem weinenden Auge, weil ich nicht in der Kommentatorenkabine sass. Das Turnier war fantastisch. Darren ist ein guter Freund von mir und es hat mich so gefreut, dass er vier Tage lang grossartiges Golf spielen konnte. Ich hätte gerne in Darrens Kopf geblickt, als er nur wenige Meter entfernt beobachten konnte, wie Dustin Johnson auf der 14 sein Eisen 2 ins Aus gedroschen hat. Er muss gedacht haben: „Oh mein Gott, ich kann nicht glauben, dass er das wirklich getan hat!“
Dustin Johnson konnte einem Leid tun nach allem, was ihm bei der PGA Championship widerfahren ist...
Er ist damit vorbildlich umgegangen. Er hätte wissen müssen, dass es ein Bunker war. In Kiawah Island war es umgekehrt. Dort ist alles Wasteland. Man kann den Schläger aufsetzen und nichts passiert. Keine Strafe, denn es ist ja erlaubt. Tragischerweise für Dustin Johnson ist es das nicht in Whistling Straits.
Der Platz sah auf der Mattscheibe unglaublich aus.
Er ist unglaublich. Ich wurde Fünfter dort bei den US Senior Open. Der erste Abschlag ist verdammt schwer. Als ich nach einem guten Abschlag losmarschierte, meinte ich zu einem USGA-Offiziellen: „Ich bin erleichtert; das ist ein sehr kniffliger Abschlag.“ Er erwiderte: „Ja, das sagen hier alle.“ Ich fragte ihn warum und er meinte: „Weil er am weitesten von der Bar entfernt ist.“ Das fand ich grossartig.
Was sind deine zehn Lieblingsplätze weltweit?
1. Sunningdale, 2. Castle Stewart – seit 30 Jahren hat mich kein neuer Platz mehr so beeindruckt –, 3. Muirfield, 4. Old Course, 5. Loch Lomond, 6. Fairmont, St. Andrews, 7. Royal Birkdale, 8. Pebble Beach, 9. The Belfry, 10. Royal Melbourne. Der beste Platz der Welt ist also... Sunningdale. Die Umgebung ist grandios und die Qualität beider 18-Loch-Plätze steht ihr in nichts nach. Muss ich noch mehr sagen? Nirgendwo auf der Welt fühle ich mich wohler... ausser neben meiner Frau im Bett.
Was macht einen guten Golfplatz aus?
Ich mag es fair. Diese „vergrabene Elefanten“, wie Tony Johnstone es nannte, verabscheue ich. Man kommt zum Grün und denkt, darunter sei ein Elefant vergraben, so onduliert ist es. Für mich geht es beim Golf darum, das Fairway und das Grün zu treffen und dann zum Birdie zu putten. Darüber hinaus liebe ich die Vielfalt von Linksplätzen. Liegt man auf einem Linksplatz 150 Meter vom Grün entfernt, gibt es eine ganze Hand voll Schläge, die in Frage kommen, auf einem Parklandplatz dagegen nur einer.
Warum haben viele Amateure Probleme, wenn sie im Ausland spielen?
Das liegt an den unterschiedlichen Grassorten. Das macht das Chippen oft recht schwierig. Die Richtung, in welcher das Gras auf den Grüns wächst, ist sehr schwierig zu bestimmen. Deshalb sind die Südafrikaner auch so gut im kurzen Spiel: Sie haben von Anfang an mit harten Bedingungen zu kämpfen.
Was bringt dich auf die Palme?
Leute, die auf der falschen Seite überholen. Und beim Golf: Werbeunterbrechungen.
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