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Gabriela und Julia

Lassen Sie uns durchspielen?

02.11.2010 | Von Jan Langenbein

Unsere Expertinnen, Gabriela und Julia, erklären die Regeln des Spiels.


Gabriela und Julia: Lassen Sie uns durchspielen?Gabriela und Julia: Lassen Sie uns durchspielen?
Alexander aus Bocholt fragt:
In privaten Golfrunden mit meinen Kumpels läuft es nach ein paar Löchern immer auf das gleiche Ziel heraus: Wer bekommt den meisten Spin auf seinen Ball. In der Regel bekämpften wir uns mit porentief reinen Schlagflächen, nagelneuen Wedges und Balata-Bällen. Letzte Woche jedoch kam einer meiner Kumpels auf die Idee, sein etwas älteres Sandwedge-Modell zu frisieren, indem er die Grooves des Schlägerblatts deutlich tiefer nachfräste. Der Sieg gehörte ganz klar ihm, aber ist das auch regelkonform?

Gabriela antwortet:
Hallo Alexander, eigentlich müsste man den Schläger etwas genauer unter die Lupe nehmen, um zu untersuchen, ob die Grooves in Sachen Tiefe und Abstand zueinander weiterhin zugelassen sind. Regel 4-1 besagt jedoch ganz klar, dass ein absichtlich verändertes Teil eines Schlägers dem Herstellermuster, das der R&A vorliegt, entsprechen muss. Da in diesem Fall die Schlagfläche scheinbar deutlich modifiziert wurde und man nicht von einem erlaubten Nachfräsen sprechen kann, ist der Schläger nicht mehr regelkonform.

Jens aus Homburg fragt:
Bei unseren diesjährigen Clubmeisterschaften ging es heiß her. In der Finalrunde war die Spannung deutlich spürbar und leider gingen an Loch 6 meine Nerven mit mir durch und nach einem misslungenen Abschlag musste mein Driver bzw. mein Golfbag dafür büßen, indem ich mein Holz 1 schwungvoll an meine Tasche donnerte. Am darauf folgenden Tee war mein Driverschaft Geschichte, denn er brach während meines Durchschwungs etwa in der Mitte durch. An Loch 10, das sich direkt am Pro Shop befindet, tauschte ich meinen zertrümmerten Driver gegen einen Testschläger und eilte, ohne das Spiel zu verzögern, zurück an den nächsten Abschlag. Trotzdem kam mein Ersatzdriver nicht mehr zum Einsatz, da mich ein Spielpartner mit der Begründung: "Das Holz 1 ist an deiner Tasche und nicht im normalen Spielverlauf zerbrochen", sonst disqualifiziert hätte. Hatte er damit recht oder habe ich mich auf den Arm nehmen lassen?

Gabriela antwortet:
Lieber Jens, wie sagt man unter Golfern: "In der Ruhe liegt die Kraft." In diesem Fall musst Du für dein überschäumendes Temperament selber geradestehen und die diesjährigen Clubmeisterschaften unter dem Kapitel "Erfahrungen" verbuchen, denn dein Flightpartner lag absolut richtig. Die Regel besagt: Wurde während einer festgesetzten Runde der Schläger eines Spielers im normalen Spielverlauf beschädigt, so hat der Spieler drei Möglichkeiten, nach Regel 4-3 zu verfahren. Da das Einprügeln auf ein Golfbag eher untypisch ist und nicht als normaler Spielverlauf gewertet werden kann, hast Du in diesem Fall leider schlechte Karten, zumal dein Schläge direkt am darauf folgenden Abschlag und auch noch mittig zerbrochen ist. Im Zweifel jedoch immer die Spielleitung konsultieren.

Gabriela und Julia: Lassen Sie uns durchspielen?Gabriela und Julia: Lassen Sie uns durchspielen?
Manfred aus Stuttgart fragt:
Einige Bunker besitzen sogenannte Grasinseln und mein Ball kam kürzlich auf solch einer Insel zur Ruhe. Ich sprach meinen Ball wie gewohnt an und platzierte diesen auf dem Grün. Dort angekommen meinte mein Spielpartner, ich solle mir zwei Strafschläge addieren, da ich meinen Schläger aufgesetzt hätte. Da die Insel vom Sandhindernis umgeben sei, gelten hier die gleichen Regeln wie im Bunker und man dürfe den Schläger in der Ansprechposition nicht aufsetzen. Wir gerieten in Streit, da ich diese Regel nicht kannte, und die Runde war beendet. Hatte er damit etwa recht und ich muss mich entschuldigen?

Julia antwortet:
Was macht Ihr im Schwabenland nur für Sachen? Da ich Euch Streithähne nicht zur Versöhnung zwingen kann, möchte ich wenigstens den Auslöser Eurer Meinungsverschiedenheit aufklären. Dein Kollege hatte natürlich Unrecht und Du hast keinen Regelverstoß begangen. Solange dein Ball nicht im Bunker liegt, gibt es in solchen Fällen keine Sonderregel. Mein Vorschlag: Vertragt Euch wieder und genießt die schönste Nebensache der Welt in Zukunft wieder gemeinsam. Ich denke, nach einem kühlen Bier und einem Teller Maultaschen, die selbstverständlich dein Kumpel zu zahlen hat, sieht die Golfwelt schon wieder freundlicher aus.

Stefanie aus Ulm fragt:
Beim letzten Damengolf ereignete sich eine Situation auf dem Grün, der der gesamte Flight regeltechnisch nicht gewachsen war. Eine Spielerin markierte auf unserem stark ondulierten Grün der 13. Spielbahn ihren Ball und platzierte diesen wenig später an gleicher Stelle. Sie ging in Spielrichtung hinter die Fahne, um sich noch einmal das Break zu betrachten. Beim Zurücklaufen rollte ihr Ball plötzlich einige Zentimeter in Richtung Loch. Wir haben uns schließlich dazu entschieden, ihren Ball an den Ausgangspunkt zurückzulegen und sie von dort putten zu lassen, um ihr keine Strafschläge anrechnen zu müssen, weil der Ball näher zur Fahne gerollt ist. War die Entscheidung richtig?

Gabriela antwortet:
Zwar hört sich Eure Entscheidung sehr plausibel an, dennoch ist Eure Vorgehensweise nicht korrekt. Da sich der Ball nicht beim Ansprechen oder Zurücklegen bewegt hat, darf die Spielerin den Ball von der Stelle, an der er zur Ruhe gekommen ist, weiterspielen, ohne sich dafür Strafschläge anrechnen zu müssen, obwohl der Ball näher zur Fahne gerollt ist.




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