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Keine Privatveranstaltung - wenn Facebook-Partys aus dem Ruder laufen

Masters 2016

Jordan Van De Velde

12.04.2016 | Von Jan Langenbein, Fotos: Getty Images

Hat Danny Willett das Masters 2016 gewonnen oder Jordan Spieth sein zweites Grünes Jackett in Rae's Creek versenkt? Diese Frage wird uns noch lange beschäftigen. Nun sollte aber erst mal ein fantastisches Major-Turnier gefeiert werden.

Kein Patron auf der Anlage und kein Fan vor den Flatscreens hätte sich nach dem Ende der ersten Runde vorstellen können, dass der Augusta National Golf Club in diesem Jahr einen noch schmerzhafteren Tritt in die Eier eines Profis in petto hätte als Ernie Els' Sechs-Putt am ersten Loch. Falsch gedacht, denn am Finalsonntag um 17:37 Uhr Ortszeit feuerte Jordan Spieth ein Eisen 9 in Richtung zwölftes Grün, und was folgte, waren elf Minuten blanker Horror, die den Titelverteidiger ins Pantheon der Einbrüche katapultierten. Dort warten bereits Jean van de Velde, Phil Mickelson und Greg Norman, denen bei der Open Championship 1999 in Carnoustie, der US Open 2006 in Winged Foot oder 1996 hier in Augusta ähnlich Traumatisches widerfahren ist. "Ich kann nicht glauben, dass ich das gerade getan habe. Ich bin solch ein Idiot", stammelte Mickelson damals, kurz nachdem er seine bisher beste Chance auf eine US-Open-Trophäe am finalen Loch weggeworfen hatte, und auch Spieth wusste bereits Sekunden nach seinem verhängnisvollen Quadrupel-Bogey an der teuflisch schönen 12, was die Stunde geschlagen hatte. "Buddy, es sieht so aus, als würden wir gerade einbrechen", flüsterte er seinem Caddie Michael Greller zu, als die beiden nach sieben Schlägen in die Magengrube in Richtung 13. Abschlag schlichen. Nach einem Eisen 9, das nach einem missglückten Cut zurück in Rae's Creek rollte, schlug Spieth nach dem fälligen Straf-Drop ein derart fettes Wedge, dass sein Divot weiter als der Ball flog, der erneut im Bach landete. "Ich habe keine Ahnung, was bei diesem Schlag passiert ist", gab er nach der Runde zu Protokoll. Diese Wissenslücke wird ihn wahrscheinlich noch lange verfolgen.

Masters 2016: Große Eile: im Arztkittel direkt aus dem OP an den Abschlag (l.) Hut ab, die Sticker leisteten ganze Arbeit.Masters 2016: Große Eile: im Arztkittel direkt aus dem OP an den Abschlag (l.) Hut ab, die Sticker leisteten ganze Arbeit.
Große Eile: im Arztkittel direkt aus dem OP an den Abschlag (l.) Hut ab, die Sticker leisteten ganze Arbeit.

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UM 17:37 UHR ORTSZEIT FEUERT JORDAN SPIETH EIN EISEN 9 IN RICHTUNG ZWÖLFTES GRÜN, UND WAS FOLGTE, WAREN ELF MINUTEN BLANKER HORROR.
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Zwar waren da noch sechs Löcher, darunter zwei Par 5, zu spielen, doch wohl nicht einmal Tiger Woods auf dem Höhepunkt seiner Kräfte hätte sich von solch einem Kollaps erholen können.

EINE ENGLISCHE 67


Ein Einbruch für die Ewigkeit, wie wir ihn beim Masters 2016 beobachten durften, hat den fahlen Beigeschmack, dass nicht der Gewinner, sondern der ohnehin schon gestrafte Verlierer in die Geschichtsbücher eingeht. Oder erinnert sich noch irgendwer an die Sieger von Carnoustie, Winged Foot oder dem '96er-Masters? Es waren Paul Lawrie, Geoff Ogilvy und Nick Faldo, der heute noch um Anerkennung für die Leistung buhlt, die ihm sein drittes Grünes Jackett bescherte. "Alle sprechen immer von Gregs Einbruch. Es brauchte aber auch jemanden, der eine 67 ins Clubhaus bringt, und ich habe das an diesem Sonntag 1996 getan", lautete seine heutige Einschätzung in einem Einspieler seines Arbeitgebers CBS. Auch Danny Willett spielte in der Finalrunde eine 67 und wurde damit zum zweiten Engländer in der Geschichte des Masters, der den Siegerscheck mit nach Hause nehmen darf.

Ohne ein einziges Bogey notieren zu müssen, navigierte Willett seinen Ball während der Finalrunde über Grüns, die nicht nur Dustin Johnson und Hideki Matsuyama zur Verzweiflung brachten, sondern auch Altmeister Bernhard Langer in seine Grenzen wiesen. Für sein viertes Birdie des Tages hätte Willett keinen besseren Zeitpunkt wählen können. Um 17:34 Uhr fischte er zufrieden grinsend seinen Ball aus dem Loch der 14, gerade rechtzeitig, um Jordan Spieth wissen zu lassen, dass es nun einen ernsthaften Verfolger gab, als dieser sich nach einem Bogey auf der Elf in Richtung zwölften Abschlag begab.

Masters 2016: Kompliment vom Caddie: Der Nacken ist sauber ausrasiert
Kompliment vom Caddie: Der Nacken ist sauber ausrasiert
Hier in der GolfPunk-Redaktion verwunderte dieser Killerinstinkt niemanden, schließlich hatten wir 2011 bereits das Vergnügen, gegen Danny in seinem gerade fertig gewordenen Junggesellenparadies im Billard, Dart, Tischtennis, Putten und Basketball anzutreten. Die Frage, wer damals gewann, erübrigt sich. Als er sein Siegerbierchen genoss, sprach uns Danny folgenden Satz ins Diktiergerät: "Ich versuche, der beste Golfer der Welt zu werden. Das ist mein Ziel und ich werde mir den Arsch aufreißen, um es auch zu erreichen." Und kurz darauf: "Ich sehe das so: Wenn Dustin, Rickie und Rory so weit kommen, kann ich das auch. Die Frage ist natürlich: Warum habe ich es noch nicht geschafft?" Diese Frage ist nun hinfällig, denn der beste Amateurgolfer von 2008 hat nun als Masters Champion auch den Thron der Profis bestiegen. Für ein paar Wochen zumindest.

RANDNOTIZEN


"Spannung" war während der 80. Auflage des Masters Tournament ein Fremdwort. Jordan Spieth begann das Turnier mit einer blitzsauberen 66, der besten Runde des Turniers, und schien bis zum späten Sonntagnachmittag auf einer Mission. Er schickte sich an, der erste Golfer in der Geschichte des Sports zu werden, der einen Major-Titel verteidigen konnte und dabei vom ersten Schlag bis zur Siegerehrung das Feld anführte. Wäre ihm das gelungen, hätte das Wort "Dominanz" neu definiert werden müssen.

Dass wir diese Aussage heute im Konjunktiv formulieren müssen, konnte während der ersten drei Runden niemand wissen und so musste man ähnlich wie in der Bundesliga die Spitze ignorieren, um Spannung auszumachen, die es auch vor Sonntag 17:37 Uhr gab.

Da war zum Beispiel Bernhard Langer, der nach drei Runden mit einem Ergebnis von -1 nur vier Schläge hinter dem Führenden lag. Jack Nicklaus gewann sein letztes Masters im Alter von 46 Jahren und noch heute werden deshalb Strassen nach ihm benannt. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte ein 58-jähriger Bernhard Langer tatsächlich den Sonntag seines Lebens gespielt. "Ich glaube, ich kann gewinnen. Natürlich liegt es daran, wie die anderen sich schlagen, und ich muss mein bestes Golf spielen", orakelte der zweifache Masters Champion nach Runde drei, wohl wissend, dass Jordan Spieth noch nicht einmal geboren war, als er selbst sein zweites Grünes Jackett gewann. Der zu dieser Zeit Führende erblickte erst drei Monate nach Langers Triumph von 1993 das Licht der Welt. Aus der erhofften besten Runde der Karriere wurde mit einer 79 allerdings ein Tag zum Vergessen.

Masters 2016: Spielchen am Rande:
Spielchen am Rande:
Für den Zeitvertreib bis zum Showdown auf den Back Nine sorgte am Sonntag das 166 Meter lange 16. Loch, wo zuerst Shane Lowry mit einem Eisen 8 Mass nahm, danach Davis Love III seinen Abschlag im Loch versenkte und zu guter Letzt Louis Oosthuizen das verrückteste Ass der letzten 20 Jahre spielte. Sein Eisen 7 landete an der optimalen Stelle im Grün und rollte Richtung Loch, doch dummerweise lag auf dieser Linie bereits der Ball von J.B. Holmes im Weg. "Verdammt, da verabschiedet sich meine Chance auf ein Ass!", dachte der Südafrikaner, während sein Ball auf Kollisionskurs mit dem Spielgerät seines Mitspielers ging, sich jedoch nicht beeindrucken liess und wie Richard Ashcroft im Video zu "Bitter Sweet Symphony" den Weg frei boxte zum wohl coolsten Ass in der Masters-Geschichte.

 

LEADERBOARD

PosNameLandR1R2R3R4TotalPar
1WILLETT, DannyEND70747267283-5
T2WESTWOOD, LeeENG71757169286-2
T2SPIETH, JordanUSA66747373286-2
T4CASEY, PaulENG69777467287-1
T4HOLMES, J. B.USA72737468287-1
T4JOHNSON, DustinUSA73717271287-1
T7FITZPATRICK, M.USA71767467288E
T7KJELDSEN, SørenDEN69747471288E
T7MATSUYAMA, H.JPN71727273288E
T10ROSE, JustinENG697773702891
T10BERGER, DanielUSA737174712891
T10MCILROY, RoryNIR707177712891
T10SNEDEKER, BrandtUSA717274722891
T10DAY, JasonAUS727371732891

Und so war die Bühne bereit für den finalen Showdown. Die Patrons auf der 16 hatten sich warm gejubelt, und als kurze Zeit später Danny Willett an gleicher Stelle sein fünftes Birdie des Tages spielte und mit drei Schlägen in Führung ging, gab es kein Halten mehr.

DOPPELTES GLÜCK


Aus Dannys Junggesellenparadies von 2011 ist mittlerweile ein Familienheim geworden. Zwölf Tage vor Willetts Triumph in Augusta kam sein Sohn Zachariah James Willett zur Welt. Der erwartete Geburtstermin wäre laut Ärzten eigentlich der 10. April 2016 gewesen: Masters-Sonntag. "Ich habe immer gesagt, dass ich nicht hierher kommen würde, wenn er noch nicht geboren worden wäre", erzählte Danny nach der Runde. "Glücklicherweise hat er meine Gebete erhört und sich entschlossen, etwas früher zu kommen. Das waren die überwältigendsten zwölf Tage meines Lebens. Worte können nicht beschreiben, was ich im Moment fühle, und sie können noch viel weniger das Gefühl vergangenen Dienstag beschreiben, als ich etwas in den Arm nehmen konnte, das meine Frau und ich geschaffen hatten. Es ist einfach unglaublich surreal."

Danny Willett war der letzte Spieler, der sich für das Masters 2016 anmeldete, und er war der letzte, der am Sonntag die Anlage verließ. Jordan Spieth bestieg bereits um 20:01 Uhr ein Mercedes SUV und wollte nur noch weg. "Das mit ansehen zu müssen war einfach scheiße", sagte sein Mitspieler Smylie Kaufman währenddessen und kein Amerikaner auf der Anlage wollte widersprechen.




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