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Schwinger Club Vol. 19

Eric Koston

31.08.2015 | Von David Luther, Fotos: Tino Dertz/ZWEI:D

Unzählige Male haben wir sein Pixel-Alter-Ego auf der PlayStation über Rampen gejagt, seine Schuhe getragen und Videos bestaunt und nun sind wir tatsächlich mit ihm auf die Runde gegangen. Herzlich willkommen im ,,Schwinger Club'', Eric Koston!

Die durchschnittliche Lebensdauer eines Profi-Skateboarders beträgt irgendwas zwischen fünf und zehn Jahren. Natürlich fällt man danach nicht tot um, aber um einen auch nur annähernd so profunden und langfristigen Einfluss auf die Skate-Szene zu haben, wie ihn zum Beispiel ein Eric Koston hat, da muss schon einiges passieren. Auf diesem Niveau ist die Luft sehr, sehr dünn. Bei Koston ist, seit er 1989 mit eindeutig riesengroßem Potenzial vom damaligen Superstar Eddie "El Gato" Elguera in die Welt der gesponserten Skater gehievt wurde, jedoch einiges passiert; Erics Können und Style dienen seit über 20 Jahren als Messlatte in Sachen Street Skating, sein Sinn für Innovation sucht seinesgleichen, seine Video-Parts sprengen regelmäßig Grenzen und seine Spürnase hat der Skateboard-Welt atemberaubende Talente - wie Paul Rodriguez, den Nike immerhin "zum neuen Michael Jordan aufbauen" will - beschert.

Wäre der Titel nicht schon längst vergeben, man müsste ihn fast den Tony Hawk des Skateboardings nennen; aber Tony ist Tony, Schnaps ist Schnaps und überhaupt hat Eric bei Weitem nicht so eine Welle gemacht wie Tony Hawk. Im Gegenteil. Der gebürtige Thailänder mit teils schwedischen Wurzeln hat sich in seiner Karriere immer auf Skateboarding beschränkt und keinerlei Ausflüge in die Welt der Videospiele unternommen, sieht man mal davon ab, dass man in Hawks Konsolenspaß die digital aufbereiteten Spots dieser Welt auch als Eric Koston bearbeiten kann. Sonst: Teilhaber einer Firma für Skate-Klamotten (Fourstar), die ein paar der anderen besten Skater der Welt wie zum Beispiel Mark Gonzales, Mike Carroll und Ishod Wair sponsert, Gründungsmitglied der mittlerweile wohl erfolgreichsten Website mit Skateboard-Bezug (TheBerrics.com), Gewinner aller wichtigen Wettbewerbe von Tampa Pro bis X Games, Skater of the Year (1996) - und inzwischen passionierter, durchaus brauchbarer Golfer.

Es gibt eine ganze Menge Skateboarder, die auf dem Golfplatz einen Score irgendwo zwischen 80 und 90 spielen können. Aber dann gibt es eben noch Eric Koston, dessen Lieblingsgeräusch nach eigenen Angaben "der Klang eines perfekt getroffenen Drives" ist. Seit mittlerweile zehn Jahren zockt Eric bei seinem eigenen Golfturnier in Kalifornien seine Kollegen ab. Gespielt wird nur noch zum Spaß, der Sieger steht schließlich schon im Voraus fest.

Schwinger Club Vol. 19: Alte NVA-Bestände: Tarnfarben sind im Osten der RennerSchwinger Club Vol. 19: Alte NVA-Bestände: Tarnfarben sind im Osten der Renner
Alte NVA-Bestände: Tarnfarben sind im Osten der Renner

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IM WERBE-SPOT ZU ERICS ZWEITEM NIKE-SCHUH TAUCHT KEIN GERINGERER ALS TIGER WOODS HÖCHSTPERSÖNLICH AUF.
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Dass Eric Koston irgendwann den Weg auf den Golfplatz gefunden hat und ernsthaft anfing, den Sport zu betreiben, liegt nicht zuletzt an seinen Sponsoren Nike und Oakley, die schließlich beide Big Player im Golf-Business sind. Im Werbe-Spot zu Erics zweitem Nike-Schuh taucht deshalb sogar Tiger Woods höchstpersönlich auf und hält mit seinem Respekt für den Über-Skater nicht hinterm Berg. "Auch ich bin als Kind in Pools und Halfpipes geskatet. Die große Parallele zwischen Golf und Skateboarding ist Balance. Kraft und das Verständnis für die eigene Bewegung im Raum sind wichtige Voraussetzungen und Eric hat sie drauf."

Wenn Tiger Woods in einem deiner Werbe-Spots auftaucht, ist es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis Nike dir auch einen Golfschuh entwirft. Bei Eric war es 2013 so weit. Es blieb aber nicht nur beim bislang wahrscheinlich coolsten Schuh der Golfszene, sondern Eric bekam im "The Oven", Nikes Golfschlägerlabor in Texas, auch gleich noch einen Putter gebaut. Damit war die Bescherung von Nike allerdings noch nicht beendet, denn ein paar Tickets zum Masters 2013 gab es für Eric als Bonus noch dazu, der es sich nicht nehmen ließ, seinen Pro-Skateboarder-Kollegen Eric Staba mit an die Magnolia Lane zu nehmen.

Die Wege von Eric Koston und GolfPunk kreuzten sich zum ersten Mal in diesem Jahr beim King of Greens in Bad Saarow, wo sich ein Feld aus Actionsportlern auf dem Nick Faldo Course ein Duell lieferte. Die Konkurrenz aus europäischen Snowboardern und Surfern scheint jedoch härter zu sein als die der Skater aus Südkalifornien, denn gegen Cracks wie Alex Tank und Konstantin Schad, ebenfalls Mitglied im "Schwinger Club", zieht Eric an diesem Tag den Kürzeren.

Who cares? Die Jungs sind schließlich nach Berlin gekommen, um Spaß zu haben. "Ich mag die Stadt sehr, vor allem den ,Civilist'-Store' in Mitte. Und auch die Drinks in der ,Odessa Bar' sind gut", erzählt uns Eric nach der Runde. "1997 hatte ich zum ersten Mal einen Golfschläger in der Hand. Mein Kumpel Tim Gavin fragte mich eines Tages aus heiterem Himmel, ob ich ich Lust hätte, mit zum Golfen zu kommen. Ich dachte: 'Klingt langweilig, aber was soll's?', und wir sind zu einem Pitch-und-Putt-Platz gefahren. Als ich an diesem Tag den ersten Ball geschlagen habe und die Flugbahn beobachten konnte, hing ich am Haken."

Schwinger Club Vol. 19: Sinnlos: Fechten ohne Gegner
Sinnlos: Fechten ohne Gegner
Seine Karriere auf dem Skateboard hat Eric Koston Millionen aufs Konto gespült und mit der Rolex, die er am Arm trägt, könnte er auch bei einem Profigolfturnier punkten, doch wie es sich für einen Street Skater gehört, ist er alles andere als ein Country-Club-Typ. "Mein Lieblingsplatz zu Hause in Los Angeles ist der Roosevelt Golf Course. Das ist ein öffentlicher Neunlochplatz im Griffith Park. Dort habe ich Golfen gelernt und dieser Platz ist immer noch eine große Herausforderung, auch wenn es nur ein schrabbeliger öffentlicher Neunlochplatz ist."

Die Zeiten, in denen man sich als Skateboard-Profi bei den Kollegen besser bedeckt hielt, was die eigene Golfleidenschaft angeht, sind übrigens längst vorbei. "Es gibt kein Tabu oder so etwas, wenn es in der Szene um Golf geht", erzählte Skin Phillips, Chefredakteur von "Transworld Skateboarding", kürzlich dem "Golf Magazine". "Viele Skater sehen Golf heute als eine großartige Möglichkeit, Freizeit mit Freunden zu verbringen und zu entspannen, und längst nicht mehr als spießigen Sport."

Schwinger Club Vol. 19:
Wagt man eine Prognose zu Erics Golfzukunft, so liegt der Schluss nahe, dass er einen ähnlichen Einfluss auf Golf haben könnte, wie er ihn auf Skateboarding hat. Nicht unbedingt auf das Profigolf, versteht sich, sondern vielmehr auf die überall auf der Welt angestrengten und durchaus krampfhaften Versuche, Golf nicht nur zum Volkssport, sondern vor allem für jüngere Spieler attraktiver zu machen. Eric Koston hat die Credibility dazu und ist exakt deswegen seit unserem ersten Zusammentreffen "Schwinger Club"-Mitglied. Sein Können stand ohnehin nie zur Diskussion. Die Tatsache, dass es für ihn nie besonders wichtig zu sein schien, welcher Fuß bei ihm ursprünglich mal vorne stand - Skateboarding unterscheidet zwischen Goofy- und Regular-Footer, also rechter oder linker Fuß vorne, und Eric kann prinzipiell beides -, lässt darauf schließen, dass er Ähnliches in sein Golfspiel überträgt. Das heißt: je nach Tageslaune entweder als Rechts- oder als Linkshänder zum ersten Tee schlendern, ohne dabei Leistungseinbußen verzeichnen zu müssen. Nur der Chronistenpflicht halber: Eric ist eigentlich Goofy-Footer.

Man nennt ihn "Froston" oder auch "Sparkles" - weil er keinen Trick machen kann, ohne dass 1.000 Blitze funkeln. Und für ihn ist das alles nur Spaß. Egal ob auf Asphalt, Beton, Treppengeländern oder auf dem Grün, egal ob Goofy, Switch Stance oder Fakie. Verdammte Skateboarder, irgendwie wirkt es immer, als müssten die sich für ein angenehmes Leben nicht anstrengen. Wir wissen wohl, dass das so nicht stimmen kann, aber verdammt, verdammt, verdammt...




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