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Dustin Johnsons Albtraum: Schläger und Bag im Bunker

Schwinger Club Vol. 23

Denise van Outen

30.06.2016 | Von Jan Langenbein, Fotos: Karis Kennedy

Frühaufsteherin, Bühnenprofi und Name-Dropperin par excellence: Denise van Outen hat eine starke Bewerbung für die Aufnahme in unseren Schwinger Club abgeliefert. Wer könnte da schon Nein sagen?

The Grove im Norden von London ist ein genialer Ort. Als ich das letzte Mal hier war, gewann Tiger Woods bei der WGC-American Express Championship einen unverschämt dicken Scheck und machte sich dann mit seiner Frau Elin auf den Weg in die Londoner City, um in einem schnieken Restaurant die erfolgreiche Arbeitswoche ausklingen zu lassen. Das Ganze ist also schon eine Weile her und so folgt man selbstverständlich sofort einer Einladung der englischen Kollegen auf den piekfeinen Kyle-Phillips-Platz im Norden der englischen Hauptstadt.

Im Nachhinein ist es schwer zu sagen, was überwog: die Enttäuschung, an diesem Tag die 18 Löcher von The Grove nicht in Angriff nehmen zu können, oder die Freude, mit Schauspielerin/Sängerin/Moderation Denise van Outen ein neues Mitglied unseres Schwinger Club kennengelernt zu haben. Denn so viel Selbstkritik muss sein: Mit der Ausnahme von Annica Hansen war unser kleiner, aber feiner Club bislang ein ausgemachtes Wienerfest. Doch das ist nun Gott sei Dank Vergangenheit.

Dass Denise vor der Kamera ein absoluter Vollprofi ist, wird beim Fotoshooting mit den GolfPunk-Kollegen von der Insel schnell klar. Kein Wunder, schließlich moderierte sie jahrelang die englische Version des Frühstücksfernsehens und auch Lampenfieber sollte für eine Musical-Darstellerin, die im Londoner West End und am New Yorker Broadway bereits in "Chicago" auf der Bühne stand, eigentlich kein Problem sein, oder? "Machst du Witze?", lautet ihre Antwort auf diese lockere Einstiegsfrage. "Das erste Turnier überhaupt, bei dem ich angetreten bin, war Golf Rocks von Ex-Westlife-Sänger Brian McFadden. Ich musste vor einer riesigen Menge aufs Tee marschieren, denn sie haben mich zum Captain des Frauenteams auserkoren. Ronan Keating war da und natürlich Brian McFadden. Dazu kamen all die Boyzone- und Westlife-Fans, die nur gekommen waren, um die Jungs zu sehen. Das war wirklich nervenaufreibend, aber ich spielte einen guten Abschlag." Vor einer Horde in die Jahre gekommener Boygroup-Fans abzuschlagen klingt tatsächlich nach einer erhöhten Drucksituation, aber komm schon, das ist doch kein Vergleich zu einem voll besetzten Theater am Broadway! "Das stimmt schon. Aber ich springe nun mal gerne an der tiefsten Stelle ins Wasser.

Schwinger Club Vol. 23: Schwinger Club Vol. 23:

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GOLF IST SEXY. ES STECKT VOLLER VERSTECKTER ANSPIELUNGEN UND DAS IST GENAU MEIN DING. ICH BITTE DICH, BEI WELCHEM ANDEREN SPORT GIBT ES EIN HOLE-IN-ONE?
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Nach meiner Runde bei Golf Rocks wurde ich zu weiteren Charity-Turnieren eingeladen und seither ist das Spielen vor Publikum kein Problem mehr. Unter Druck bin ich meist richtig gut. Immerhin habe ich meine erste Runde Golf vor etwa 1.000 Zuschauern gespielt. Ich hatte vorher etwa zwei Monate Trainerstunden. Das war's." Besagte zwei Monate zuvor taten sich Denises Freunde zusammen und schenkten ihr zum 40. Geburtstag einen Satz Golfschläger. Selbstverständlich kann man keine Golfschläger besitzen und keinen Unterricht nehmen. Also ging es hier in The Grove los mit dem Training, schließlich warteten Golf Rocks und eine Horde ehemaliger Groupies.

In London machte es schnell die Runde, dass Denise nun zur Gruppe der Golfer gezählt werden konnte, und bei einem gewissen Ryder-Cup- und US-Open-Sieger kam diese Nachricht besonders gut an. "Justin Rose schrieb mir eine echt nette Nachricht, als er hörte, dass ich angefangen hatte, Golf zu spielen: 'Danke, dass du von nun an eine Botschafterin des Damengolfs sein kannst!'" Diese Nachricht hat Denise heute noch auf ihrem Smartphone gespeichert, ebenso wie jene von vor wenigen Wochen, in der Justin ihr einen Platz in seinem Pro-Am-Flight vor der BMW Championship in Wentworth anbot. "Ich sagte ihm: 'Hör mal, Justin, ich fühle mich sehr geehrt, aber ich glaube nicht, dass mein Spiel schon so weit ist und ich mich auf eine solch große Bühne trauen kann.' Es ist schließlich ein Unterschied, ob man vor 1.000 Leuten bei einem Wohltätigkeits-Event oder vor 15.000 Menschen zusammen mit Justin Rose in Wentworth abschlägt."

Die Sache mit dem Pro-Am wurde für dieses Jahr also noch einmal hintangestellt und so bleibt nun genug Zeit, um bis zu Roseys nächster Anfrage am Schwung zu feilen. Eine Tätigkeit, die hier in The Grove offensichtlich einfach von der Hand geht. "Ich finde es großartig, dass Golf kein Spiel für selbstsüchtige Egomanen ist. Jedenfalls habe ich schon oft die Erfahrung gemacht, dass viele Spieler zu mir kamen, wenn sie sehen konnten, dass ich Probleme im Bunker oder mit einem anderen Schlag hatte, und mir Hilfestellung gaben", lächelt sie und macht sich im grünen GolfPunk-Jackett auf den Weg zum Foto-Set. "Könnte aber auch sein, dass das nicht unbedingt mit Golf, sondern mit deiner Erscheinung zu tun hat", denke ich mir, als sie sich gekonnt vor der Kamera in Szene setzt. Doch es ist ja durchaus ein nobler Zug, zunächst einmal an das Gute im Menschen und meinetwegen auch im Golfer zu glauben.

Die Frage, wie oft Denise den dämlichen Spruch "Hast du noch Sex oder spielst du schon Golf?" bereits gehört hat, darf während so eines Shootings natürlich nicht fehlen und die Moderatorin hat dazu ihre ganz eigene Philosophie. "Als ich zum 40. Geburtstag die Golfausrüstung geschenkt bekam, war eine Karte dabei, auf der stand: 'Golf is clubbing for the middle aged', und das ist wahr. Alle meine Freunde, die einst echte Partytiere waren, spielen mittlerweile Golf. Freunde, mit denen ich früher oft nächtelang um die Häuser gezogen bin, treffe ich heute auf dem Golfplatz. Golf ist sexy. Es steckt voller versteckter Anspielungen und das ist genau mein Ding. Ich bitte dich, bei welchem anderen Sport gibt es ein Hole-in-one? Meiner Meinung nach gibt es wenige Dinge, die mehr Sexappeal haben als ein Mann oder eine Frau, die einen wirklich guten Golfschlag spielen. Wenn meine Freundin Rachel Drummond - sie ist Pro - einen Ball vom Tee schlägt, muss ich immer wieder staunen. Das ist eine unglaublich sexy Angelegenheit." In dieser Abteilung gibt es also keine Probleme und es ist erstaunlich, wie häufig Denise die Zeit findet, hierher rauszukommen, um mit Freunden eine Runde zu drehen. Schließlich hat sie eine sechs Jahre alte Tochter - Betsy hat mittlerweile ihre eigenen Schläger und spielt ebenfalls Golf - und arbeitet Vollzeit in einer äußerst aufreibenden Branche. "Ich habe das Gefühl, dass dieser Sport mir Geduld beibringt. Es fällt mir schwer, mich zu konzentrieren, egal bei was. Bei mir gibt es eigentlich nur Vollgas und Golf hilft dabei, etwas ruhiger zu werden. Vielleicht ist Golf mein Yoga", lacht sie und wir setzen das Licht für das letzte Foto des Tages. Das grüne Jackett wird erneut zurechtgezupft, und da wir zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung haben, dass Jordan Spieth in wenigen Tagen seine sicher geglaubte Titelverteidigung in Augusta am zwölften Loch im Wasser versenken wird, möchte ich wissen, was Denise von Jordan hält und wem sie bei Golfübertragungen im Fernsehen am liebsten zuschaut. "Natürlich ist Justin Rose mein Lieblingsspieler. Das liegt doch auf der Hand. Rory finde ich auch toll. Ich bin letztes Jahr bei der BMW Championship lange bei seiner Gruppe mitgelaufen. Es war unglaublich, wie gut er den Ball getroffen hat!"

Ein Vergleich mit Rory wäre natürlich vermessen, doch auch ihre eigenen Abschläge können sich mittlerweile, intensivem Training sei Dank, sehen lassen. Wenn alles glatt läuft, reichen sie inzwischen aus, um den eigenen Freund in die Schranken zu weisen, was dem verständlicherweise überhaupt nicht schmeckt. "In Dubai habe ich auf einem Par 3 meinen Abschlag zum ersten Mal näher an die Fahne geschlagen als Eddie, mein Freund. Vinnie ,die Axt' Jones spielte im Flight hinter uns und konnte alles beobachten. Der arme Eddie musste sich den ganzen Tag entmannende Sprüche anhören. Er wollte sich damit herausreden, dass es peinlich wäre, wenn man wie ich an einem Par 3 mit dem Driver abschlagen müsste, aber das perlte natürlich an mir ab."

Wenn das kein passender Schlusspunkt für einen großartigen Tag vor den Toren Londons ist, denn mit dieser Geschichte hat Denise für einen Horrorfilm in meinem Kopfkino gesorgt, den ich für Wochen nicht wieder loswerden sollte. Dessen grobe Zutaten: Vinnie Jones, ein Matchplay, rostige Blade-Eisen und jede Menge unflätiges Fluchen - herzallerliebst. Es wird Zeit, wieder nach Hause zu fliegen - herzlich willkommen im Schwinger Club, Denise van Outen!




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