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Schwinger Club Vol. 7

Samuel L. Jackson

22.04.2013 | Von Jan Langenbein, Fotos: Hamish Brown/Contour by Getty Images, Actionpress

Seine Filme haben mehr als 7,5 Milliarden Dollar eingespielt und er hat beinahe so viele klassische Filmzitate geliefert. Willkommen im Schwinger Club, Samuel L. Jackson!

Zwei Zahlen sollte man über Samuel L. Jacksons Karrieren (als Schauspieler und als Golfer) wissen: Der Mann hat bisher in mehr als 130 Filmen mitgewirkt und er spielt ein Handicap von etwa 5. Was schließen wir daraus? An Talent zum Golfspielen mangelt es nicht (das Schauspieltalent steht außer Frage), denn allzu viel Zeit, um Golf zu spielen, kann er bei diesem Arbeitspensum nicht haben.

"Spielt man gerne Golf, dann ist Schauspieler der beste Beruf der Welt. Ist man während der Umbaupausen auf dem Golfplatz, dann sind der Regisseur und das ganze Team glücklich, schließlich wissen sie, wo man ist. Als ich ,Die Hard 2' drehte, haben sich die Leute im Team darum gerissen, mich während der Drehpausen zum Golfplatz zu fahren. Denn wer mich fahren durfte, der konnte auch Golf spielen, wenn ich mit meinen blutverschmierten Filmklamotten Richtung Abschlag marschiert bin."Bill Murrays berühmte Golfszene in "Lost in Translation", ein Film, der nichts anderes als das Alltagsleben eines Hollywood-Stars in allen Absurditäten und Banalitäten portraitiert, bestätigt Samuels Schilderung. Ein Großteil des Schauspielerberufs besteht aus Warten. Warum also nicht mit einem Golfbag im Gepäck zum Drehort reisen? Wenn einem Beruf und Starstatus dann noch erlauben, in Klamotten abzuschlagen, die normalerweise kein Starter durchgehen lassen würde, umso besser.

Und es blieb nicht bei blutverschmierten Klamotten. Als Jackson vier Jahre nach "Die Hard 2" in Australien "Star War: Episode I" drehte, nahm er sein Laser-Schwert mit auf den Golfplatz. "Ich habe das Lichtschwert ins Bag gesteckt, da ich üben musste. Es gab schließlich 109 verschiedene Bewegungen zu lernen. Wann immer wir am Abschlag warten mussten, habe ich das Laser-Schwert ausgepackt und die Bewegungsabläufe meiner Kampfszenen geübt. Meine Mitspieler fanden das alle sehr cool."

Nachvollziehbar, schließlich ist eine Golfrunde mit Samuel L. Jackson auch ohne Lichtschwert auf der Liste der coolsten Dinge überhaupt sehr hoch angesiedelt. Unwahrscheinlich, dass einer der Mitspieler es wagen würde zu bescheißen - wer will sich schließlich mit einem Mann anlegen, dessen wohl berühmtestes Zitat "Sag noch einmal: ,Was?'! Sag noch einmal: ,Was?'! Ich warne dich! Ich warne dich doppelt, du kleiner Schwanzlutscher. Wage es, auch nur noch ein einziges Mal ,Was?' zu sagen..." lautet und mit dem abrupten Ableben des Empfängers dieser Ansprache endet? Nein, man sollte es sich nicht mit Samuel L. Jackson verscherzen, auch nicht auf dem Golfplatz. Aggressionsprobleme wie Auftrags-Killer Jules Winnfield in "Pulp Fiction" hat Samuel auf dem Golfplatz aber nicht. "Ich drehe beim Golf nicht durch. Auch am übelsten Tag ist mir klar, dass das nur eine Momentaufnahme ist und ich morgen an gleicher Stelle stehen und eine 76 schießen kann." Die einzige Parallele zu seiner berühmtesten Rolle ist der übermäßige Gebrauch des F-Worts und damit macht er überall auf der Welt Golf-Nerds glücklich. "Von meinen mehr als 100 Filmen werde ich auf ,Pulp Fiction' am häufigsten angesprochen. Mindestens acht Mal pro Woche werde ich gefragt: 'Weißt du, wie die 'nen Quarterpounder mit Käse in Paris nennen?' oder 'Sag mal Ezechiel 25:17 auf!'"

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WANN IMMER WIR WARTEN MUSSTEN, HABE ICH DAS LASERSCHWERT AUSGEPACKT UND DIE BEWEGUNGSABLÄUFE MEINER KAMPFSZENEN GEÜBT
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Als Schauspieler kann man Samuel L. Jackson getrost als Spätzünder, aber auch als Goldesel bezeichnen. Spätzünder, weil er seine erste größere Rolle in einem Kinofilm erst im Alter von 40 Jahren spielte. Spike Lee engagierte ihn 1991 für seinen ersten Kinohit "Jungle Fever", in dem Jackson einen Crack-Süchtigen spielte. Für die Rolle erhielt er beim Film-Festival in Cannes den Preis als bester Nebendarsteller, ein Preis, der in Cannes zuvor noch nie verliehen wurde. Der Grund, warum er in diesem Film so überzeugte, war die Tatsache, dass er auf eigene Erfahrungen zurückgreifen konnte. Er war erst wenige Wochen vor Drehbeginn aus der Entziehungsklinik entlassen worden. Und Goldesel, weil es keinen Schauspieler gibt, dessen Filme zusammengenommen den Studios mehr Geld eingebracht hätten: Satte 7,5 Milliarden (!) Dollar haben Filme, in denen Samuel L. Jacksons Name im Abspann auftaucht, an den Kinokassen bislang eingespielt. Natürlich hat die Tatsache, dass er in einigen Blockbustern wie "Star Wars" oder "Jurassic Park" mitspielte, einen gehörigen Anteil daran, er ist aber zu Recht stolz darauf, während seiner gesamten Karriere nur in Filmen mitgespielt zu haben, in denen er auch wirklich mitspielen wollte.

Mit der Golfkarriere ging es noch später los. 50 war der heute 64-Jährige, als er erstmals einen Golfschläger in der Hand hielt. Freunde in Los Angeles schleppten ihn damals mit auf einen Golfplatz. "Es musste von Anfang an gewettet werden. Ich glaube, es ging um 25 Cent pro Loch. Natürlich verlor ich jedes Loch und es machte mich überhaupt nicht glücklich, dass diese unsportlichen Typen mich in etwas schlugen, obwohl eigentlich ich sie hätte schlagen müssen." Untypischerweise war es dann seine Frau, die Samuel das erste Set Golfschläger kaufte. Dabei ist es nicht lange geblieben und nach eigenen Angaben sieht die Garage der Jackson-Residenz heute aus wie das Innere eines Pro-Shops. "Ich habe mindestens 15 Eisensätze in meiner Garage, die alle gespielt werden", die Zahl der Driver und Fairwayhölzer lässt sich also erahnen.

Nach seinem ersten Jahr als Golfer hatte sich Samuel bereits ein Handicap von 16 erspielt und das Spiel war ein täglicher Fixpunkt in seinem vollen Terminkalender geworden. Wie so viele erfolgreiche Persönlichkeiten schätzte er von Beginn an den Wettkampfcharakter und die Möglichkeit, sich mit Gegnern zu messen. Dass er es auch als Golfer zu etwas gebracht hätte, wäre er nicht erst mit 50 auf dieses Spiel gestoßen, dessen ist er sich sicher. "Hätte ich die Möglichkeit gehabt, dann hätte ich auch im Golf so erfolgreich werden können wie mit der Schauspielerei. Ich wäre wahrscheinlich nicht Tiger Woods geworden, aber ich hätte mir einen Namen gemacht. Ich war immer schon athletisch und es fiel mir stets leicht, mich zu konzentrieren. Die Sache ist: Es war einfach nicht meine Bestimmung. Ich wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Tennessee auf. Wir benutzten in Zeitungspapier eingewickelte Steine als Baseballs. An Golfspielen war nicht zu denken, obwohl es einen Golfplatz in der Nähe gab. Was passiert wäre, wenn ich 40 Jahre früher mit Golf begonnen hätte? Wer weiß?"

Zum Glück hat Samuel L. Jackson erst mit 50 angefangen zu golfen. Wie viele geniale Kinoabende wären uns vorenthalten geblieben, hätte er tatsächlich den Weg eines Profigolfers eingeschlagen! Das hat schon alles seine Richtigkeit und als regelmäßiger Gast bei der Dunhill Links Championship in Schottland oder dem Pebble Beach National Pro-Am in Kalifornien hat er den Weg auf die Profitour ja auch mehr oder weniger geschafft und zumindest bewiesen, dass er mit dem Druck umgehen kann, vor laufenden Fernsehkameras spielen zu müssen. An der Seite von Tiger Woods spielte er eine 78 auf dem Old Course in St. Andrews - eine reife Leistung, auf die er zu Recht heute noch stolz ist.

Pro-Ams in Schottland oder in Pebble Beach sind für einen Weltstar wie Jackson selbstverständlich nur die Spitze des Eisbergs. Einladungen zu Charity-Turnieren und Pro-Ams auf den feinsten Plätzen dieser Erde sind an der Tagesordnung und als einer der bestbezahlten Schauspieler überhaupt könnte er sich auch die Mitgliedschaft in den elitärsten Country Clubs der Vereinigten Staaten leisten, ausgenommen die Hand voll Ewiggestriger in den Südstaaten, die bis heute keine Afroamerikaner als Mitglieder aufnehmen vielleicht. Und trotzdem spielt Samuel L. Jackson seine Golfrunden regelmäßig auf öffentlichen Plätzen in Los Angeles, die nicht von hohen Mauern und Stacheldraht umgeben sind. "Ich liebe es, öffentliche Plätze in Los Angeles zu spielen. Ich trage meinen Namen auf die Warteliste ein und bin gespannt, mit wem ich in einen Flight gesteckt werde. So habe ich das Golfspielen gelernt - auf öffentlichen Par-3-Plätzen. Und ich liebe es, wenn man den Leuten ansieht, dass sie gerade denken: 'Den Typen kenne ich doch irgendwoher...'"




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