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Top Ten

Extreme Grüns

11.07.2016 | Von Rüdiger Meyer

Gibt es in deinem Heimatclub ein Grün, dessen Breaks dich schon seit Jahren zur Verzweiflung treiben? Heul doch! Diese zehn Grüns sind unter Garantie aus einem ganz anderen Holz geschnitzt.

10: Selfridges –
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Selfridges

Das "Selfridges" in der Oxford Street ist eines der ältesten und bekanntesten Kaufhäuser Londons - und sogar Star einer TV-Serie: "Mr. Selfridge". In den 30er-Jahren hatte das Shoppingcenter zur Kundenbindung eine Minigolf-Anlage auf dem Dach errichtet. Im Mai 2012 besann man sich auf diese Historie zurück und er richtete für den Sommer erneut ein Minigolf- Projekt auf dem Dach mit neun Löchern, die britische Wahrzeichen darstellten (von der Tower Bridge über den Buckingham Palace und die Gherkin bis zur St. Paul's Cathedral) und aussahen, als seien sie gigantische Torten. Verantwortlich für das Projekt waren die Food-Künstler von Sam Bompas und Harry Parr, die dem visuellen Leckerbissen auch noch einen olfaktorischen hinzufügten: Über dem gesamten Minigolfplatz schwebte der Geruch von Bakewell-Pudding.

09: Punchbowl –
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Punchbowl

Mike Keiser hat sich vorgenommen, mit Bandon Dunes das beste Golf-Resort der Welt zu schaffen. Schließlich muss man dem Golfer auch etwas bieten, um ihn in den abgelegenen Bundesstaat Oregon zu locken. Mit vier vollwertigen Golfplätzen, einem Par-3-Platz und dem in der Nähe gelegenen Querfeldeinplatz Sheep Ranch hat er schon ein kleines Golf-Mekka geschaffen, immerhin ist Bandon Dunes das einzige Golf-Resort in den Vereinigten Staaten, das wirklich echtes Links-Golf anbieten kann. Alles, was ihm zur perfekten Golfpilgerstätte noch fehlte, war das coolste Putting-Grün der Welt. Also heuerte er mit Tom Doak einen seiner Leib-und-Magen-Architekten an, dessen Angestellter Jim Urbina auf 8.100 Quadratmetern zwei wild ondulierte 18-Loch- Runden schuf, die man nur mit dem Putter bewältigen kann. Die Benutzung des Punchbowl ist tatsächlich kostenfrei und soll für diejenigen sein, die keine zweite Startzeit auf den belebten Plätzen bekommen haben.

08: Parking Skill Golf –
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Thistle Dhu

North Carolina beansprucht für sich, die Heimat des ersten echten Minigolfplatzes zu sein. 1919 errichtete der gebürtige Engländer James Wells Barber mithilfe von Edward Wiswell auf seinem Anwesen in Pinehurst einen 18-Loch-Minigolfplatz. Als sie ihr fertiges Werk bestaunten, seufzte einer von ihnen zufrieden: "This'll do" - "Das reicht". Ein Satz, der dank Südstaaten-Slang zum Namen des Platzes verballhornt wurde: "Thistle Dhu". Als das Pine hurst Resort im Anschluss an die Restauration ihres # 2-Juwels ein riesiges Putting-Grün errichtete, erinnerte man sich an den alten Platz in der Nachbarschaft zurück und taufte es ebenfalls "Thistle Dhu". Das 1.400 Quadratmeter große Grün von Toby Cobb und Dave Axland wird als 18-Loch-Platz gesteckt und steht allen Resort-Gästen zur freien Benutzung zur Verfügung.

07

Parking Skill Golf

In Lincolnshire 50 Kilometer nördlich von Chicago beendet sich einer der originellsten Minigolfplätze der USA. Bereits seit über 60 Jahren existiert das "Taj Mahal des Minigolfs", wie es angeblich mal genannt wurde. Entstanden ist es als Ablenkung für Familien, deren Oberhäupter sich auf der Driving Range nebenan vergnügten. Zu den abgefahrenen Löchern gehören eine Achterbahn, ein Karussell, Clown, ein Space Shuttle, Mount Rushmore und der Sears Tower darf in der "Windy City" selbstverständlich ebenfalls nicht fehlen. Lediglich eine Hommage an Michael Jordan sucht man vergebens.

06: Kiss Monster Golf –
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Kiss Monster Golf

Minigolf unter Schwarzlicht ist gerade schwer in Mode. In ganz Deutschland gibt es solche Anlagen, aber mit diesem Unikat in Las Vegas können sie nicht mithalten. Im März 2012 eröffneten die Herren Simmons, Stanley, Thayer und Singer medienwirksam ihre Hochzeitskapelle, bei der man nach dem Jawort unter Schwarzlicht gepflegt einlochen kann. Offenbar haben die Kiss-Jungs mit der Anlage und dem angeschlossenen Souvenirshop eine Goldgrube entdeckt. Zumindest hatten sie es seit der Eröffnung nicht mehr nötig, ein neues Album herauszubringen und auch Gene Simmons' 200-Millionen-Dollar-Angebot an Robert Plant konnte ausgeschlagen werden.

05

Himalayas Putting Green

Die Mutter aller Putting-Grüns existiert seit 1867. Weil die Damen auf den richtigen Plätzen von St. Andrews nicht gerne gesehen waren, sollte für sie ein "Miniature Links" zum Zeitvertreib gebaut werden. Kein Geringerer als Old Tom Morris gestaltete die ersten neun Löcher, die zur Heimat des St. Andrews Ladies Putting Club wurden. In seiner Hochzeit zählte der Club 600 Mitglieder, heute sind es noch 200. Spielen kann den Kurs für gerade einmal 3 Pfund jeder, der möchte - und das sogar am Sonntag. Nur abends wird er geschlossen und zur Auslaufwiese für Spaziergänger und Hunde.

04

Augusta National No. 13

Kaum ein Grün ist bekannter und schrieb mehr Geschichten als die 13 von Augusta National. Das riesige Grün mit seiner extremen Neigung von links nach rechts hat schon so manches Eagle, aber dank Rae's Creek auch so manches Doppel-Bogey gesehen. Das 43 Yard breite Schmuckstück von Alister MacKenzie wurde Zeuge von Phil Mickelsons Glanzschlag aus den Piniennadeln, aber noch unvergesslicher war die Eröffnungsrunde 2005, als ein Hacker zum Eagle lag - und vom Grün ins Wasser puttete. Sein Name: Tiger Woods.

03: Doug Fishbone –
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Doug Fishbone

Der Bildhauer Doug Fishbone ist der Godfather der Minigolf-Kunst. Bei der venezianischen Biennale 2015 stellte er Kunstwerke vor, die sich als Minigolfbahnen spielen ließen - sei es ein Modell der gekenterten "Costa Concordia" oder das Bildnis eines hockenden Menschen, in dessen Mund man puttet, um den Ball durch den Anus wieder herauskommen zu sehen. Wer das schon für provokant hält, kennt allerdings noch nicht die Frühwerke von Fishbone. In seiner Installation Doug Fishbone and Friends Adventureland Golf puttet man nicht durch Windmühlen, stattdessen begegnet man einer Statue von Saddam Hussein, die bei Bewältigung des Lochs vom Sockel fällt, sowie dem Torso von Adolf Hitler, der nach Passieren den rechten Arm zum Gruß nach oben streckt und nach dem Einlochen "Nein! Nein! Nein! Nein!" von sich gibt.

02: Concorde –
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Concorde

Normalerweise messen die Spezialisten von ShotLink, aus welcher Distanz ein Putt gelocht wurde. Im Fall von José María Ola zábal brauchte es aber schwerere Geschütze: Fluglotsen und Radarexperten von der Air Traf. c Control. Denn der Spanier absolvierte auf dem Weg zum Ryder Cup 1999 seinen Putt in der 50 Meter langen Kabine der Concorde. Weil das Überschallflugzeug aber schon in der Luft war und sich mit einer Geschwindigkeit von 2.043 km/h bewegte, errechneten die Fachleute, dass der Putt in den 26 Sekunden eine effektive Entfernung von 14,8 Kilometern zurückgelegt hatte. Damit brach Olazábal den alten Rekord von Brad Faxon um 1,1 Kilometer. Und zumindest auf absehbare Zeit dürfte ihn keiner mehr übertreffen. Schließlich hat die Concorde seit November 2003 ihren Dienst eingestellt, und bis wir den ersten Putt in Richard Bransons Virgin-Galactic-Raumschiffs sehen, dürfte noch eine Menge Wasser die Themse hinunterfließen.

01: TPC Scottsdale No. 16 –
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TPC Scottsdale No. 16

"The Greatest Show on Turf" - so wurde einst die rekordträchtige Offensive des NFL-Teams der St. Louis Rams bezeichnet. Doch mittlerweile wurde der Spitzname auf ein Golfturnier übertragen: die Waste Management Phoenix Open. Dank der Studenten von der Arizona State University ist es nicht nur regelmäßig das bestbesuchte Turnier des Jahres, sondern auch das lauteste. Und das trifft vor allen Dingen auf Loch 16 zu. Das von Zuschauertribünen komplett eingeschlossene Par 3 hat ein wenig was vom römischen panem et circenses: Das Publikum wird mit Geschenken ruhiggestellt und darf anschließend seine Meinung über die Kombattanten kundtun. Zwar nicht mit Daumen rauf oder runter, aber immerhin mit Buhrufen oder Applaus - und mit cleveren, teils zynischen Sprüchen. Manch ein Profi wird mit dem Namen seines Haustiers begrüßt, Roberto Castro erhielt "Fidel"-Chöre, und als der mit Marihuana erwischte Matt Every antrat, empfangen ihn die Studenten mit dem Folksong "Puff the Magic Dragon". Auf diese Weise kann man sogar ein recht gewöhnliches Grün in eine echte Herausforderung verwandeln.



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