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Top Ten

Fiktive Golfer

08.08.2016 | Von Jan Langenbein, Fotos: Tino Dertz/ZweiD

Um zu wissen, wer der beste Profigolfer ist, genügt ein Blick auf die Weltrangliste. Ein Vergleich der vielen Golfer, die unsere Lieblingsfilme und TV-Serien bevölkern, ist deutlich komplizierter. Nach hitzigen Redaktionsdebatten sind dies unsere definitiven Top Ten.

10: Al Oliver – Golfpunks (1998)
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Al Oliver

Golfpunks (1998)

Seien wir ehrlich: Dass dieses Komödchen aus dem Jahre 1998 weder einen Oscar noch eine lobende Erwähnung im Filmseminar der örtlichen Volkshochschule erhalten hat, geht vollkommen in Ordnung. "Roseanne"-Star Tom Arnold versucht als längst gescheiterter Profigolfer Al Oliver, einer Bande Kids das Golfen beizubringen. Al Oliver trägt Hawaiihemden, die Magnum neidisch machen könnten, raucht mehr Zigarren als Darren Clarke, versucht aber, seine Schützlinge vor Schlimmerem zu bewahren: "Golf ist eine furchtbare Angewohnheit. Es ist frustrierend, teuer und macht abhängig. Wenn ihr nach einer gesunden Art und Weise sucht, einen warmen Sommernachmittag zu verbringen, dann rate ich euch, mit dem Rauchen anzufangen." Immerhin.

09: Joe Anthony – The Caddy (1953)
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Joe Anthony

The Caddy (1953)

Caddie an der Tasche nicht nur sein erstes Profiturnier überhaupt, um sich für ein epochales Duell mit Ben Hogan, Sam Snead und Konsorten auf Monterey zu messen, er kann auch eine Stimme sein Eigen nennen, die sich regelmäßig als veritabler Schlüpferstürmer entpuppt. Kein Wunder, dass Joe mehr Frauen rumkriegt als Tiger, und als letzte Trumpfkarte über den größten realen Golfer aller Zeiten schafft er es nach einer dank seines hyperaktiven Caddies abrupt beendeten Golfkarriere immerhin noch an den Broadway, wo weitaus größerer Starruhm auf ihn wartet.

08: Happy Gilmore – Happy Gilmore (1996)
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Thomas Crown

Crown Affair (1968)

Nicht nur vertreibt sich Thomas Crown, der sein absurd großes Vermögen als Wall-Street-Finanzier gemacht hat, die durch Wohl standsverwahrlosung einschleichende Langeweile mit dem Diebstahl unbezahlbarer Monet-Gemälde, er nimmt im Country Club auch Golfwetten an, die nicht mal er gewinnen kann. Sich von aufgeblasenen Golfschnöseln im piekfeinen Club die 1.000-Dollar-Scheine aus der Tasche ziehen zu lassen ist eigentlich ein Disqualifikationskriterium für diese Liste. Wer aber wie Thomas Crown in den Jahren 1968 und 1999 gleich zwei mal auf Zelluloid gebannt wird und dabei von Steve McQueen und Pierce Brosnan verkörpert wird, kann sich alles erlauben. Cooler als Bullitt und James Bond geht es nun wirklich nicht.

07: Happy Gilmore – Happy Gilmore (1996)
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Happy Gilmore

Happy Gilmore (1996)

Will man eigentlich Eishockeyprofi werden, muss eine erzwungene Zweitkarriere als Profigolfer die Hölle sein. Trotzdem schaffte es Happy Gilmore, einen ganz eigenen Drive zu entwickeln, den heute noch unzählige Golfneulinge nach ihrer ersten Trainerstunde zu kopieren versuchen, um recht bald einzusehen, dass das alles keinen Sinn ergibt. In der Fantasiewelt reicht dieser eingesprungene Abschlag selbstverständlich nicht nur für Drives bis zum Mond, sondern auch um Oberschmierlappen Shooter McGavin in die Knie zu zwingen. Shooter McGavin hätte eigentlich seinen eigenen Platz in diesen Top Ten verdient, allein die Gedankenspiele, welcher Tour-Pro die Drehbuchschreiber zu diesem Vogel inspirierte, füllen ganze Kneipenabende.

06: Augie – Squeezy (2015)
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Augie

Squeezy (2015)

Und schon wieder taucht Shooter McGavin, genauer gesagt Schauspieler Christopher McDonald, auf. Dieses Mal als noch schmierigerer Halsabschneider, der das sagenhafte Golftalent Augie dazu überredet, in Zocker-Matches anzutreten, bei denen man schnell etwas mehr als nur sein Geld verlieren kann, etwa Finger, Zehen oder das Leben. Augie gewann gerade mit einer 63er-Runde und einem Vorsprung von 15 Schlägen ein Turnier auf dem örtlichen öffentlichen Golfplatz, bevor er in die Fänge von Shooter gerät. Lee Trevino beschrieb echten Druck auf dem Golfplatz einst als ein "Fünf-Dollar-Nassau mit nur zwei Dollar in der Tasche." Am Ende des Films im Zockerparadies Las Vegas angekommen, lernt Augie auf die harte Tour, wie viel Wahrheit in dieser Zeile steckt.

05: Ty & Al – Caddyshack (1980)
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Ty & Al

Caddyshack (1980)

Solange Team USA beim Ryder Cup kein Duo vom Schlag Al Czervik/Ty Webb aufstellt, müssen wir uns als Fans von Team Europa keine Sorgen machen. Ein solches Spektakel verfolgen zu dürfen sollte uns allerdings eine einmalige Niederlage unseres Teams wert sein. So viel steht fest: Mit Ty & Al im Team wären Teamabende noch explosiver als Tom Watson und Phil Mickelson in Gleneagles, das Gamesmanship würde auf ein Level gehoben, von dem Seve Ballesteros noch nicht einmal zu träumen wagte, und Fotografen auf dem ersten Abschlag würden sich sicher zweimal überlegen, ob sie den Auslöser zu früh drücken möchten. Al Czervik hätte die passende Standpauke parat: "Was soll das? Häng'n da de Titten von de Bäume oder was fotografier'n Sie da?"

04: R. Junuh – Bagger Vance (2000)
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R. Junuh

Bagger Vance (2000)

Krieg und Suff haben dem ehemaligen Golf-Champion Rannulph Junuh übel mitgespielt. Eigentlich komplett ungeeignet, die Ehre seiner Heimatstadt Savannah in einem nie dagewesenen Golf-Match gegen die Götter Walter Hagen und Bobby Jones zu vertreten, kämpft sich der Außenseiter in spektakulärer Art und Weise zurück ins Match: Er schlägt ein Hole-in-one. Dass Rannulph Junuh mit seinem späteren Sieg die Abschiedsparty des besten Amateurs aller Zeiten, Bobby Jones, versaut, sollte man ihm nicht ankreiden, schließlich hat er nicht nur mit verstörenden Weltkriegs-Flashbacks zu kämpfen, ihm macht gleichzeitig noch eine viel zu attraktive Exfreundin während (!) der Turnierrunde die Hölle heiß. Wer könnte sich da noch auf die Etikette konzentrieren?

03: James Bond – Goldfinger (1969)
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James Bond

Goldfinger (1969)

Ein Gegner wie Goldfinger hat nicht nur die unangenehme Angewohnheit, mit Goldschmuggel das internationale Währungssystem ins Wanken zu bringen, er quatscht seinen Gegenspielern auch in den Rückschwung und bescheißt, wo er nur kann. Es braucht daher einen Golfer mit der Lizenz zum Noch-unverfrorener-Bescheißen, um diesem Psychopathen die Grenzen aufzuzeigen, und der begegnet Goldfinger in Person von James Bond. Selbstverständlich spielen Golfer vom Schlag eines James Bond und Auric Goldfinger nicht um schnödes Geld, sondern um 1944 verschwundenes Nazigold, und die Tatsache, dass es sich beim bis auf die Knochen Blamierten um den Clubbesitzer handelt, erhöht den Coolness-Faktor dieses Regelbruchs noch einmal zusätzlich.

02: Roy & David – Tin Cup (1995)
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Roy & David

Tin Cup (1995)

Man muss den Hut vor David Simms ziehen, der sich selbst von einem 227 Yard langen Eisen 7 seines Kontrahenten Tin Cup nicht entmutigen lässt und mit demselben Schläger einfach die Straße hinunter pitcht, um in einem für Clubhausterrassen nicht untypischen Penisvergleich als Alphatier vom Platz zu gehen. Dass er noch Tin Cups Herzensdame mit nach Hause nimmt, ist des Guten zwar etwas zu viel, aber wir sind schließlich in Amerika: The winner takes it all. Roy McAvoy gebührt die Ehre, ein Major noch grandioser weggeworfen zu haben als Jean van de Velde. Die bereits erwähnte Herzensdame Dr. Molly Griswold entscheidet sich am Ende immerhin noch für Tin Cup, womit alle glücklich und zwei der besten fiktiven Golfer aller Zeiten geboren wären.

01: Homer & Mr. Burns –
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Homer & Mr. Burns

Mister Burns ist der beste Golfer der Welt, da er "nie daneben schlägt", und weil Homer Simpson seinen Boss bei einem Golf-Match schlägt, indem er dessen Caddie Waylon Smithers beim Betrügen erwischt, besteht kein Zweifel, dass es sich bei den beiden Einwohnern Springfields um die besten fiktiven Golfer der Film- und Fernsehgeschichte handelt. Homer Simpson ist allerdings nicht nur auf dem Fairway ein Ass, auch beim Toilettengolf macht ihm kein Angestellter des Kernkraftwerks etwas vor und auch von scharfem Chili ausgelöste Drogentrips sind im Springfield Glen Country Club keine Seltenheit. Es wird ohnehin auffällig viel Golf gespielt in Springfield, lediglich beim Videospiel "Lee Carvallo's Putting Challenge" drücken die Simpsons schnell auf "off".



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