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Top Ten

Open bizarr

11.07.2015 | Von Rüdiger Meyer, Fotos: Getty Images

Selbst ein Regeln liebendes und Etikette atmendes Volk wie den Briten passiert ab und an mal ein Lapsus. Sogar auf der größten Bühne des Golfsports. Wir präsentieren: die zehn merkwürdigsten Open-Championship-Momente.

10: 2005 – Der Fehlkauf
10

2005

Der Fehlkauf

Den passenden Käufernamen hatte er schon mal: 2005 ersteigerte der britische Banker Stephen Bridle, Ebay- Name "looperboy", für 20.699 US-Dollar die Chance, dem Australier David Diaz das Handtäschchen zu tragen. Bridle wuchtete das 20 Kilo schwere Bag die Fairways von St. Andrews rauf und runter - und stand am Ende mit leeren Händen da: Diaz verpasste als 114. sang- und klanglos den Cut. Ein Trost für Bridle: Das Geld brachte Diaz auch nichts. Er verkauft heute wegen Erfolglosigkeit Immobilien.

09

1888

Der Verzähler

1967 baute Jack Kilby den ersten Taschenrechner. 1888 wurde noch mit dem Kopf addiert - und es wäre Jack Burns beinahe zum Verhängnis geworden. Bei heftigem Wind hatte er nach Runden von 87 und 85 Schlägen Ben Sayers und David Anderson jr. geteilt, als ein R&A-Mitglied im Clubhaus noch einmal die Scorekarten überflog. Er rechnete und rechnete und kam in Burns' erster Runde immer wieder auf einen Schlag weniger. Da richtiges Addieren in die Verantwortung der Turnierleitung fällt, wurde das Play-off abgesagt und Burns die Claret Jug verliehen.

08: 1876 – Der Schmollende
08

1978

Das Sandmännchen

Jeder kennt den berühmten Road-Hole-Bunker an Loch 17 des Old Course von St. Andrews. Doch seit 1978 hat er einen Spitznamen: the Sands of Nakajima. In Führung liegend puttete "Tommy" Nakajima in der dritten Runde vom Grün in den Bunker hinein. Innerhalb von 30 Sekunden hämmerte der Japaner den ersten Schlag in die Bunkerwand, ließ den zweiten zu kurz, sah den dritten vom Grün in den Bunker zurückrollen und den vierten sechs Meter hinter der Fahne landen. Am Ende notierte er eine Neun auf der Scorekarte und hatte die Open Championship verloren.

07

1876

Der Schmollende

Eine Startzeit auf dem Old Course zu bekommen ist nicht leicht. Das mussten 1876 auch die Teilnehmer der Open Championship erfahren: Die Organisatoren hatten vergessen, den Platz zu buchen. Also starteten die 34 Teilnehmer inmitten von Freizeithackern. Das wurde David Strath zum Verhängnis. Genervt vom Warten spielte er ins Grün der 17, als die Gruppe vor ihm noch nicht ganz runter war - und traf jemanden. Als er schlaggleich mit Bob Martin ins Clubhaus kam, trudelte schnell ein Protest ein. Weil die R&A sich weigerte, vor dem Play-off zu entscheiden, zog Strath zurück und überließ Martin die Claret Jug.

06: 1983 – Der Luftschlag
06

1983

Der Luftschlag

Einen Airball kennt man eigentlich nur vom Basketball. Aber Hale Irwin schaffte so etwas tatsächlich bei der Open Championship. Auf dem 14. Grün von Royal Birkdale hatte der Amerikaner seinen ersten Putt fünf Zentimeter ans Loch gelegt. Völlig entspannt wollte der 38-Jährige den Tap-in mit der Rückseite einlochen. Zu entspannt: Er zog den Putter über den Ball und erwischte ihn erst beim zweiten Versuch. Keiner hatte es gesehen, aber Irwin stand zu seinem Missgeschick. Er zählte den Luftschlag - der ihn am Ende vom Play-off trennte.

05: 1957 – Der Regelbrüchige
05

1957

Der Regelbrüchige

Was gab es für einen Aufruhr, als Tiger Woods nach seinem fragwürdigen Drop beim Masters nicht disqualifiziert wurde! Wie gut, dass es 1957 noch kein Twitter gab. Auf dem letzten Grün vergaß der überlegen führende Bobby Locke, seine Marke zurückzulegen. Ein Fernsehzuschauer sah den Verstoß und meldete ihn - in jener Ära vermutlich per Brieftaube. Erst nach der Pokalübergabe traf die Beschwerde ein. Um ihr Gesicht nicht zu verlieren, entschied die R&A, von einer Disqualifizierung abzusehen. Begründung: Locke habe schließlich mit drei Schlägen Vorsprung gewonnen und sein Regelverstoß hätte nur zwei Strafschläge bedeutet.

04

2003

Die Vertauschten

Man stelle sich vor, Deutschland wäre nach dem 7: 1 gegen Brasilien aus der WM ausgeschlossen worden, weil Philipp Lahm vor der Partie nicht den Wimpel getauscht hätte. So in etwa muss sich Mark Roe vorgekommen sein, als ihn nach seiner 67 in der dritten Runde die Disqualifikation ereilte. Er und Spielpartner Jesper Parnevik hatten vergessen, die Scorekarten zu tauschen, und ihr Ergebnis damit falsch eingetragen. Das Bizarre daran: Keinem Offiziellen im Scorer-Zelt fiel der Fehler vor der Unterschrift auf - dabei hatte Parnevik eine 81 gemurmelt.

03: 2007 – Die zweite Chance
03

2007

Die zweite Chance

Das Open-Qualifying in Sunningdale war etwas für "Upps! Die Pannenshow". Auf dem vierten Loch hagelte es Vier- und Fünf-Putts. Als Brett Rumford schließlich aus 60 Zentimetern zwölf Meter über das Loch puttete, erkannte Turnierchef Martin Kippax, dass die Fahne eher suboptimal steckte. Er setzte die Fahne neu und ließ acht Spieler nur dieses Loch wiederholen. Für die meisten ein Segen - nur nicht für Fredrik Andersson Hed. Der Schwede hatte plötzlich statt Par ein Doppelbogey auf der Karte und musste bis spät am Abend zittern, ob er in die Open kommt.

02: 1949 – Die Flasche
02

1949

Die Flasche

Glasflaschen sind verpönt, weil man sie als Wurfgeschosse missbrauchen kann. Doch Harry Bradshaw entdeckte in Royal St. George's ein weiteres Risiko. In der zweiten Runde landete sein Abschlag an Loch 5 mitten in einer zerbrochenen Flasche. Bradshaw wusste nicht, wie zu verfahren ist, und spielte den Ball, wie er lag. Das Beste war, dass kein Splitter seine Halsschlagader traf. Das Schlechte, dass die Runde im Eimer war. Süffisanter Kommentar des Iren nach der Runde: "Wenn es doch nur eine Guinness-Flasche gewesen wäre! Dann hätte ich es nicht übers Herz gebracht zu schlagen."

01: 1985 – Der Tackle
01

1985

Der Tackle

Ein Flitzer bei der Open Championship ist so ungewöhnlich wie Wind und Regen. Und dennoch sorgte einer 1985 für den bizarrsten Open-Moment. Auf dem 18. Grün entwischte der Nackte immer wieder einem Bobby. Dann kam der Auftritt von Peter Jacobsen: "Ich stellte mich ihm in den Weg, drehte meinen Kopf, schloss die Augen und vor allen Dingen meinen Mund und ging tief." Nach dem perfekten Tackle sprang Jacobsen in die Höhe wie Phil Mickelson nach seinem ersten Masters-Sieg. Es gab nur ein Problem: Er musste noch einen Putt versenken. Dafür dass er verfehlte, hatte der Amerikaner später eine schlagfertige Ausrede: "Es waren die Abdrücke von zwei Arschbacken in meiner Putt-Linie."



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