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Golfpunks dieser Welt

Doug Sanders

31.08.2015 | Von Tim Southwell, Fotos: Getty Images

Ein verschobener Putt aus 90 Zentimetern kostete Doug Sanders 1970 den Sieg bei der Open Championship. Aber auch ohne die Weinkanne im Trophäenschrank hat der Pfau der Fairways mehr Anekdoten auf Lager als Bubba Watson, Jordan Spieth und Dustin Johnson zusammen.

Doug Sanders, du bist definitiv eine Legende: 23 Siege auf der Tour. Was denkst du rückblickend über deine Karriere?
Als Erstes muss ich wohl etwas klarstellen: Ich habe nur 20-mal auf der Tour gewonnen, aber darüber hinaus noch die World Seniors gewonnen. Aber wisst ihr, dass es nur drei Golfer auf der Welt gibt, die in den letzten 40 Jahren Pros geworden sind und mehr Turniere gewonnen haben als ich? Das sind Phil Mickelson, V.J. Singh und Tiger Woods. Palmer und die anderen älteren Pros sind nämlich vor 45 oder 50 Jahren Pro geworden.

Eine ganz schöne Leistung...
Klar, das ist das Positive. Das Negative ist, dass das Geld nicht ganz dasselbe war. Aber das Leben, das wir hatten, war auch anders. Das hast du nicht mit Geld kaufen können. Das, was es wirklich ausgemacht hat, waren Erlebnisse und Freunde. Menschen, die du liebst und mit denen du Zeit verbringt. Das ist etwas, was mehr als Geld wert ist: Freundschaft.

Früher war es sicher noch ein richtiges Abenteuer, auf die Tour zu gehen. Heutzutage gehen die Pros auf der Tour früh ins Bett, bleiben in ihren Zimmern und machen wenig untereinander. Früher war das anders, oder?
Ja. Wir wussten die Namen der Ehefrauen und wann die Kinder Geburtstag hatten. Wir feierten zusammen und aßen zusammen, wo auch immer wir waren. Wir haben einfach nicht so viel über Geld nachgedacht, wie die Pros das heute tun. Wir haben genug Geld verdient, um zu leben, zu überleben und eine schöne Zeit zu haben. Heute ist das Wichtigste, wie viel Geld du verdienen kannst. Ich habe beides gemacht: Geld verdient und dabei Spaß gehabt. Aber wirklich genossen habe ich die Zeit mit meinen Freunden. Das war das richtige Leben von Doug Sanders.

Wer waren deine Freunde damals? Mit wem hast du die meiste Zeit verbracht?
Ray Floyd und Arnold Palmer, die Jungs eben. Aber es waren auch einige Jungs, die auf die Tour gekommen sind wie "Dutch" Harrison und "Porky" Oliver, die heute kaum jemand mehr kennt. Als ich auf die Tour kam und mein erstes Profi-Turnier gespielt habe, war ich 22. Ich bin damals aufs College gegangen und habe viele Turniere gewonnen. Ich hatte einen Freund aus Kanada, Brad Street, und er wollte, dass ich als Amateur spiele, und lud mich nach Kanada ein. Er sagte: "Ich will, dass du hier das grösste Turnier spielst, das es gibt, die Canadian Open." Die Canadian Open? Ich meine, ich war 22 Jahre alt, hatte nie professionell Golf gespielt - und ich gewann das Ding! Das war der Startschuss für alles. Die Zeit danach war eigentlich die Beste in meinem Leben. Nachdem ich die Canadian Open gewonnen hatte, gab es ein Turnier mit dem Namen The Tournament Champions. Das war in Las Vegas und alle Stars wie Sinatra, Sammy Davis, Dean Martin oder Andy Williams waren da. Ich war dort und habe alle getroffen. Oh ja, wir haben getrunken und gefeiert und wir hatten eine großartige Zeit. Da hat mein Leben mit dem "Rat Pack" angefangen.

Hört sich furchtbar an!
Wir waren Freunde. Frank war bei mir zu Hause und ich stieg auch hin und wieder bei ihm ab. Dean Martin, Sammy Davis und Andy Williams - nenne mir einen Filmstar und ich bin mir ziemlich sicher, dass er auch bei mir zu Gast war. An einem Wochenende waren Bob Newhart und Ed McMahon in zwei unterschiedlichen Schlafzimmern da und eine Limousine hat sie morgens abgeholt und zum Flughafen gebracht. Meine Frau und ich sind zum anderen Flughafen gefahren und haben Al Roberts abgeholt, der für eine Woche bei uns gewohnt hat. Wenn das kein fliegender Wechsel ist?! Einmal bin ich zwei Stunden früher als geplant gekommen, weil ich einen früheren Flug erwischt habe. Ich kam also heim, öffnete die Tür und Phyllis Diller sass am Klavier, während Sammy Davis dazu getanzt hat. Ich hatte keine Ahnung, dass die beiden da waren. Das war mein Leben - ich danke Gott dafür, dass er mich damit gesegnet hat!

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Das ist wirklich unglaublich. Die Spieler heute werden so etwas niemals erreichen.
Oh nein. "Wie groß ist dein Flugzeug?", "Du hast noch keinen Helikopter?", "Willst du dir eine Jacht anschaffen?" Ja, sie leben ihr Leben so, wie sie es wollen, und es ist ihr Leben. Aber sie sind einfach etwas oberflächlicher. Es sind nette Menschen und nette Jungs, aber sie definieren sich über das, was sie haben. Das ist ihr Leben und ich verurteile sie nicht dafür. Ich habe 184 Briefe aus dem Weißen Haus von verschiedenen Präsidenten und deren Frauen. Ich habe die Raumanzüge, mit denen die Astronauten auf dem Mond waren. Ich habe die Golf Bags der letzten acht Präsidenten. Und das ist noch lange nicht alles. Man sagt, wenn man stirbt, ist das Einzige, was man mitnehmen kann, das, was man gegeben hat. Ich möchte der Welt alles Gute zurückgeben, was ich erlebt habe. Ich habe ein Junior-Golf-Programm gegründet und ich habe viele Leute wie Andy McGee, Billy Mayfair und Steve Elkington trainiert. Ich habe vielen Kindern Stipendien ermöglicht und habe so versucht, einfach in meinem Leben etwas zurückzugeben. Ich habe einen Traum: ein Museum aus sämtlichen Erinnerungsstücken und Fanartikeln. Mir würde es gefallen, wenn der Bürgermeister oder irgendjemand aus Georgia zu mir kommen und mit mir über meine ganzen Sachen sprechen würde.

Nicht nur über deine Golfsachen, sondern auch all die anderen Sachen, die "Rat Pack"-Fotos zum Beispiel?
Oh, ich habe tausende Fotos. Mein anderes Haus hat über 800 Quadratmeter und ich habe nicht genug Platz! Aber ich schaue mich nach einem Ort um, an dem ich alles unterbringe, und würde das auch bezahlen. Ich habe einen Versicherungsvertrag über 500.000 Dollar abgeschlossen, und wenn jemand aus Georgia oder Texas, irgendwo dort, mir das ermöglicht, wäre das wirklich das Grösste in meinem Leben. Also brauche ich jemanden, der mit mir Kontakt aufnimmt und dann zu allen Orten fährt, an denen ich meine Sachen aufbewahre.

Da wird sich doch jemand finden! Was war eigentlich ein grösstes Highlight deiner Karriere?
Gute Frage. Ich habe mit Andy Williams bei seinem Turnier Golf in San Diego gespielt. Neben dem Golfplatz gab es einen Militärflugplatz, vom dem ständig Kampfflugzeuge gestartet sind. Wir fingen gerade mit unserer Pro-Am-Runde an und sind in Richtung erstes Grün gelaufen, als ein Kampfflugzeug direkt über uns geflogen ist. Ich meinte: "Jungs, das sieht nach Spaß aus!" Und einer meiner Mitspieler meinte: "Doug, willst du das auch mal machen?" - "Ja, klar. Aber wie?" Darauf meinte er: "Ich bin dort Befehlshaber." Später sind wir zum Flugplatz gegangen, haben trainiert und dann haben wir es tatsächlich getan! Ich bin geflogen! Ich glaube, es war die Phantom 4. Später bin ich noch die F15, F16, F18, die F111, die B1, die U2 und die Nachbildung des Flugzeugs der Wright-Brüder geflogen. Ich war auch an Bord eines Atom-U-Boots. Das alles hat Golf mir ermöglicht.

Da war hoffentlich immer jemand bei dir und hat Fotos davon gemacht!
Klar, ich habe von allem Fotos. Aber die beste Sache, die ich erleben durfte, war, Golf in verschiedenen Ländern zu spielen. In Europa habe ich viele gute Freunde kennengelernt und wieder getroffen. Alle großen Golfer der Welt waren dort. Nicklaus hat mich mit einem Schlag bei der Open Championship - ich glaube, das war 1966 - besiegt. Ich weiß noch, dass es einen Schlag an Loch 11 gab, ein kurzes Par 4, abwärts und das Rough war hoch. Ich stand da und habe ein Eisen 6 genommen. Ich habe versucht, mich leicht rechts zu halten, doch der Ball ist nach links gegangen: Doppelbogey. Wenn ich Par gespielt hätte, hätte ich die Open gewonnen! Das sind Dinge, an die man sich erinnert, obwohl man nicht will. Wenn jemand sagt: "Doug, denkst du jemals über den Putt nach, den du verfehlt hast?", dann sage ich: "Nein, manchmal schaffe ich sogar ganze fünf Minuten, in denen ich nicht an diesen Putt denke." Das Außergewöhnliche daran ist aber, dass so viele Leute nicht wussten, wer mich in diesem Turnier besiegt hat. Ich meine, Jack Nicklaus, der grösste Spieler aller Zeiten, hat das Turnier in jenem Jahr gewonnen! Sie wussten nicht, dass es Jack war!

Das Beste an Golf ist, dass man seine Fehler und damit die Strafen selbst ansagt. Man hat keinen Schiedsrichter. Das verlangt eine Menge Disziplin und auch Aufrichtigkeit.
Klar, du bist da draußen und hast die Möglichkeit, den Ball besser zu legen - das ist deine Sache. Ich glaube nicht, dass es jemals ein Spiel geben wird, das mit Golf zu vergleichen ist. Ich habe mit 17 angefangen und eine 29 in einem High-School-Turnier gespielt. Ich hatte zwei Eisen, ein Wedge und ein Eisen 8 und ich habe mit zwei Eagles eine 29 gespielt. Und sie haben gewusst, dass ich spielen kann. Meine Mutter und mein Vater haben 100 Pfund Baumwolle für einen Dollar pflücken müssen, davon haben wir gelebt. Als mein Bruder vier war, hat er bei einer Kohlelieferung etwas gefunden, das er für eine Rakete gehalten hatte. Es war aber Dynamit, das in seiner Hand explodiert ist. Er hat dann alle Finger und sein Augenlicht verloren. Mein zweiter Bruder ist sehr früh gestorben. Ich fing an, Golfbälle für fünf Cent pro Stück zu suchen. Ich bin morgens zweieinhalb Meilen hingelaufen und nachts zweieinhalb Meilen zurück. Ich hatte keine Schuhe, bis ich zwölf Jahre alt war. Ich bin abends mit Klamotten ins Bett, um am nächsten Morgen wieder zum Golfplatz zu laufen. Irgendwann hatte ich es satt, pleite zu sein. Monatelang habe ich dann immer wieder Chippen und Putten geübt. Dann wurden wir Caddies und bekamen in einer Woche sogar einmal fünf Dollar. Für uns hat sich das angefühlt wie eine Million Dollar. Und ich sagte: "Hey, lass uns chippen und putten, wir haben das Geld sowieso nicht lange." Diese Nacht war eine der besten in meinem Leben. Ich bin die Strasse heimgelaufen und hatte vier Fünf-Dollar-Noten in meiner Tasche. Davon habe ich mir meine ersten Schuhe gekauft. Irgendwie ist dann der Pro auf mich aufmerksam geworden, als ich 15 war. Ich durfte am Fairwayrand mitlaufen und mit ihm auf der Driving Range üben. Dann bin ich nach Georgia, um mich für ein Turnier zu qualifizieren. Ich habe dort bei einem Freund geschlafen, weil ich kein Geld hatte. Das Finale war in North Carolina, aber ich wusste nicht, wie ich dort hinkommen sollte. Dann haben sich zehn Männer zusammengeschlossen und mir das bezahlt. Ich habe das Ding gewonnen! Ich stand da, habe den Pokal gehalten und dann kam Miss North Carolina und hat mich geküsst.

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Und das war der Anfang deines Playboy-Lebens?
So ist es. Das war der Startschuss. Alle Colleges wollten mich, weil sie wussten, dass ich gewinne. Also ging ich an die Universität von Florida und gewann die Canadian Open.

Dir wurde nachgesagt, dass du deinen Golfschwung in einer Telefonzelle machen könntest, weil du einen sehr kurzen Rückschwung hast. Stimmte das?
Ich hatte einen kurzen Rückschwung und einen breiten Stand, was zu sehr viel Power geführt hat. Rocky Marciano konnte mit seinem Six-Inch-Punch ein Pferd umhauen. Standen seine Füsse beieinander, konnte er allerdings niemandem die Nase brechen. Ein breiter Stand ist die Basis für viel Power. Ich glaube, das ist das Geheimnis meines Spiels gewesen. Ich habe den Ball aber auch kerzengerade geschlagen. Das Fairway verließ ich nur, wenn ich die Nummer eines Mädchens unter den Zuschauern haben wollte.

Deine Schlägerkopfgeschwindigkeit war immens, oder?
Oh ja - weil mein Schwung nie die optimale Ebene verlassen hat. Viele Coaches meinten damals: "Du musst drehen! Drehen!" Aber ich hatte meinen eigenen Weg. Einen Dart wirft man schließlich auch nicht, indem man sich nach rechts dreht. Man geht gerade vor.

Dein Spitzname war "der Pfau der Fairways" - und du bist es auch immer noch. Was denkst du über Jungs wie Poulter oder Rickie Fowler?
Ich denke, dass die alle gut aussehen. Sie haben mich Pfau genannt, weil ich immer so viele Farben getragen habe. Ich wünsche mir eine eigene Klamottenlinie: die Doug Sanders und Lady Sanders Linie. Ich glaube, dass das die Leute auch kaufen würden. Männer und Frauen zusammen, ein Pärchen, das dieselben Klamotten trägt.

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Wer würde dich in einem Film spielen?
Okay, dazu muss ich dir etwas erklären. Kevin Costner kam mal zu mir und sagte: "Sanders, du bist der Einzige, den ich völlig umsonst in einem Film spielen würde. Immerhin würde ich so die Möglichkeit bekommen, der echte Doug Sanders zu sein." Dann sagte ich: "Wenn du das machst, werden wir beide erschossen." Aber ich habe viel Golf mit Kevin gespielt, er ist großartig. Ich würde mich geehrt fühlen, wenn mich Kevin Costner spielen würde. Aber ich glaube, da sind einige, die meine Geschichte spielen könnten.

Du hast erzählt, dass du mit einigen Präsidenten Golf gespielt hast.
Oh ja, mit vielen habe ich gespielt. An einem Tag habe ich eine Runde mit drei ehemaligen Präsidenten gespielt. Aber insgesamt habe ich mit zehn gespielt.

Wer war der Beste? Wer konnte richtig spielen?
Der Beste war eigentlich kein Präsident, sondern der Vizepräsident Dan Quayle. Präsident Bush senior hat einen sehr eleganten Schwung. Er war ein guter Golfer, als er jünger war. Mit ihm habe ich auch gespielt. Als ich das allererste Mal mit Präsident Ford bei der Bob Hope Classic gespielt habe, schlug er am ersten Loch seinen Ball über die Ropes auf den Cartweg. Sein Caddie gab ihm ein Holz 3 und ich schlenderte mit Barbara Eden, der Schönheitskönigin, auf der anderen Seite des Fairways. Ford hatte keine Ahnung, dass er den Ball vom Cartweg droppen durfte, und spielte ihn, wie er lag. Er traf mich am Kopf und ich blutete wie verrückt. Das hat mich aus den Schuhen gehauen. Wann immer Präsident Ford aufteete, gab es Platzwunden.

Ich hoffe, er hat dir danach einen Drink spendiert!
Oh ja, er und ich haben viel Zeit miteinander verbracht und Golf gespielt. Ich war oft im Weißen Haus und in Camp David. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ein Junge aus einer Kleinstadt einmal solche Persönlichkeiten treffen könnte. In Marokko habe ich mit König Hassan Golf gespielt.

Danke, Doug Sanders! Es war uns ein Vergnügen, dich treffen zu dürfen!
Danke auch von meiner Seite! Und noch einmal möchte ich mich bei allen in Europa bedanken, die uns beim Spielen zugesehen haben. Ich liebe euch wirklich alle. Danke!




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