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Quick-Interview

Erik Compton

21.06.2016 | Von Rüdiger Meyer, Fotos: Getty Images

Das Leben auf der PGA Tour ist kein Ponyhof, besonders nicht wenn man sich in einer Formkrise befindet. Keiner weiß das besser als Erik Compton, der aber auch sehr gut weiß, dass Birdies und Bogeys nicht alles sind.

GP: Wenn du wie diese Woche kein Turnier hast, verfolgst du die PGA Tour trotzdem?
EC: Ich schaue mir die Ergebnisse an, aber nur einmal am Tag. Wenn die Runde vorbei ist, gucke ich manchmal die Highlights an.

GP: Du hast dein erstes PGA-Tour-Turnier in Doral gespielt. Was sagst du dazu, dass die Tour von dort weggeht?
EC: Es ist traurig. Miami ist eine tolle, internationale Stadt und wir haben viele Menschen, die Golf lieben. Hoffentlich wird es in den kommenden Jahren ein Ersatzturnier geben. Es gibt immer viele Zuschauer, tolle Partys und das Turnier hat großartige Sieger hervorgebracht: Tiger, Phil, Greg Norman... Es ist einfach schade.

GP: Andererseits soll das Turnier nach Mexiko wandern, wo du schon große Erfolge hattest.
EC: Erst mal muss ich meinen Hintern hoch- kriegen und gutes Golf spielen, um mich zu qualifizieren. [lacht] Aber es stimmt, in Mexiko habe ich immer Erfolg gehabt, sowohl auf der Canadian als auch auf der Web.com Tour.

GP: Du hast selber gerade angedeutet, dass der Erfolg in den letzten zwei Jahren etwas gefehlt hat. Wenn man um die Tourkarte kämpft, muss man dann mehr Turniere spielen, als es einem lieb ist?
EC: Nicht unbedingt. Auch wenn ich die letzten beiden Wochen nicht spielen konnte, weil es Einladungsturniere waren, gab es in diesem Jahr nur sehr wenige Turniere, in die ich nicht hineingekommen bin. Ich habe letztes Jahr gar nicht so schlecht gespielt. Ich denke, wann immer man es schafft, die Tourkarte zu verteidigen, hatte man eine gute Saison. Ich habe jetzt das fünfte Jahr in Folge die Tourkarte und dieses Jahr war der Kalender etwas ungewöhnlich und ich habe nicht mein bestes Golf gespielt. Aber es gibt noch viele Turniere. Das Ziel ist zu gewinnen.

Quick-Interview:

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WENN MAN KOPFSCHMERZEN HAT, IST ES SCHWIERIG, GRÜNS ZU LESEN.
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GP: Woran mangelt es in deinem Spiel im Moment?
EC: Ich denke, es fehlt vor allem Konstanz. Dieses Jahr war ich körperlich nicht immer auf der Höhe. Ich hatte Probleme mit Allergien und anderen Dingen im Verlauf der Saison. Das schlägt sich im Eisenspiel nieder und mein Putten war nicht so gut wie in der Vergangenheit. Wenn man Kopfschmerzen hat, ist es schwierig, Grüns zu lesen.

GP: Das ist interessant, weil ich mich gefragt habe, warum deine Putting-Statistiken dieses Jahr schlechter sind. Ich dachte, du hättest vielleicht deinen Putter gewechselt.
EC: Ich benutze seit dem Beginn dieser Saison tatsächlich einen neuen Putter. Ich überlege gerade, ob ich zu meinem alten Putter zurückkehren sollte. Was meinst du?

GP: Meiner Erfahrung nach klappt es für zwei, drei Wochen exzellent, wenn man den Putter gewechselt hat, aber danach ist alles beim Alten.
EC: [lacht] Um auf die Statistiken zurückzukommen: Mit den Strokes Gained Putting ist das so eine Sache. Wenn du zwei Achtmeter-Putts lochst und einen aus einem Meter verschiebst, sind deine Werte gut. Wenn man alles aus einem Meter locht, aber keiner aus acht Metern fällt, sind deine Werte schlecht. Aber während der letzten Jahre hat sich mein Putten stark verbessert und das hat damit zu tun, wie man sich fühlt. Wenn man sich gut fühlt und die Linie sieht, macht das einen Riesenunterschied.

GP: Wenn du antrittst, gehst du dann immer noch mit dem Selbstbewusstsein an den Start, diese Woche gewinnen zu können? Oder setzt man sich kleinere Ziele, wenn es in einer Phase nicht so läuft?
EC: Immer wenn man spielt, versucht man, Dinge abzustellen, die nicht so gut funktionieren. Das macht einen Profigolfer aus: die Fähigkeit sich anzupassen. Es gibt Turniere, bei denen ich merke, dass ich nicht in der Lage bin, mein Optimum zu bringen, und dann versuche ich, irgendwie eine Top 20 oder Top 30 nach Hause zu bringen. Aber es gab in den letzten acht Monaten durchaus Turniere, bei denen ich das Gefühl hatte, ich könnte gewinnen, habe es aber nicht auf die Reihe bekommen, weil ich zum falschen Zeitpunkt einen schlechten Schlag gemacht habe. Aber Gewinnen ist Gewohnheitssache und es gibt Leute, die gut spielen und irgendwann lernen, wie man gewinnt. Man kann seine Karriere nicht an sechs Monaten festmachen. Wenn man für ein halbes Jahr in einer Krise steckt, kann man nicht sagen, ich gebe jetzt auf. Denn ich bin hier, um zu bleiben. Ich will spielen, bis ich 50 bin. Und ich gebe mein Bestes, um mein Equipment zu optimieren und mein Spiel zu verbessern. Und manchmal - sogar Martin Kaymer hat das gesagt - muss man einen Schritt zurück machen, um besser zu werden.

GP: Du hast die doppelte Staatsbürgerschaft und hättest für Norwegen bei Olympia antreten können. Warum hast du dich dagegen entschieden?
EC: 2014 nach der US Open hatte ich sehr viele Ryder-Cup-Punkte. Und Tom Watson hatte mich auf dem Zettel als möglichen Captain's Pick. Damals musste ich mich entscheiden, und wenn ich mich für Norwegen entschieden hätte, hätte ich nicht mehr für die USA im Ryder Cup antreten dürfen. Das wäre ein wenig irreführend gewesen, wenn man bedenkt, dass ich die meiste Zeit meines Lebens in den USA gelebt habe, als Amateur im Walker Cup für die USA gespielt habe und meine beiden Herztransplantationen hier hatte. Es ist schade, zumal viele Jungs jetzt versuchen, aus den Olympischen Spielen rauszukommen. [lacht]

GP: Nach deiner zweiten Transplantation hast du eine Ausnahmegenehmigung bekommen, ein Cart zu benutzen. Ich glaube, abgesehen von der Q-School hast du diese Option nie genutzt. Aber wäre dies theoretisch noch möglich?
EC: Ich bin mir nicht sicher, ob das noch gilt. Ich habe es einmal bei der Children's Miracle Network Classic 2008 gemacht, das war mein erstes Turnier nach der Transplantation. Aber meine Gesundheit ist gut. Ich bin vermutlich fitter als so manch Kerngesunder auf der Tour. Es ist natürlich anstrengend, eine komplette Saison zu spielen. Ich spiele am Montag die US-Open-Qualifikation über 36 Löcher und das ist hart für meinen Körper bei der Hitze. Aber für mich ist das ultimative Ziel, so zu gewinnen wie jeder andere auch.

GP: Du hast eine Stiftung. Welche Ziele verfolgst du damit?
EC: Ich habe mich mit meinem Sponsor Genentech zusammengetan, um Geld für die Transplantationsforschung zu sammeln. Außerdem engagiere ich mich über The First Tee Miami für Nachwuchsgolfer, weil mir das sehr wichtig ist. Ich habe als Kind während meiner Genesung sehr viel Zeit mit Golf verbracht und das war ein wichtiger Teil für mich. Schon damals war mein Ziel, mein Transplantat zu bekommen und Profigolfer zu werden.

 

Erik Harald Haie Compton

Alter: 36 Jahre
Wohnort: Miami, Florida
Profi seit: 2001
Charity: Erik Compton Foundation
Profisiege: 7
Erfolge:
2004 Hassan II Golf Trophy
2011 Mexico Open
2014 T2 US Open

GP: Du wirst dabei unter anderem von Hugo Boss unterstützt, oder?
EC: Ja. Ich bin Hugo Boss sehr dankbar, dass sie meiner Stiftung unter anderem Shirts zur Verfügung gestellt haben. Das ist großartig, denn das hätten sie als mein Sponsor nicht tun müssen. Überhaupt, dass sie jemanden wie mich, der eine Behinderung hatte, unterstützen. Hugo Boss lässt mich nicht nur gut aussehen, gemeinsam können wir durch die Charity auch viele Menschen erreichen. Und meine Stiftung wächst, wir haben viele weitere Botschafter wie Sergio Garcia, Rickie Fowler und Jim Furyk, die an den Turnieren meiner Stiftung teilnehmen, um Geld zu sammeln.

GP: Als Schirmherr einer Stiftung für Organtransplantation triffst du jedes Jahr viele Menschen, die auf ein Transplantat warten. Angesichts der derzeitigen Statistiken ist es klar, dass nicht alle eines bekommen. Wie sehr nimmt es dich mit, wenn du erfährst, dass jemand, den du getroffen hast, gestorben ist, bevor ihm geholfen werden konnte?
EC: Das ist das Leben. Es ist hart. Das ist der Grund, warum ich so viel dafür werbe, dass die Menschen Organspender werden. Denn ich weiß, dass nicht alle, die ich treffe, so viel Glück haben wie ich oder der nächste Patient, den ich treffe. Es ist schwer, wenn man dann am nächsten Tag ein Turnier spielen muss. Aber ich mache das, seit ich ein Jugendlicher gewesen bin.




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