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Made in Germany

Florian Fritsch

18.10.2016 | Von Jan Langenbein, Fotos: Tino Dertz/ZWEI:D

Der Mann, der zu jedem Turnier mit dem Auto anreist, hat nach einer durchwachsenen Saison im Hebst den Nachbrenner gezündet und überholt viele seiner Kollegen nun auf der Zielgerade. Florian Fritsch ist kurz davor, es Bernd und Alex gleichzutun und sich ebenfalls die Tourkarte für die European Tour zu sichern.

GP: Drei geteilte siebte Plätze auf der European Tour stehen für dich in den letzten Wochen zu Buche. Das ist beachtlich. Was hat es mit der Sieben auf sich?
FF: Absicht steckt keine dahinter, mein Fazit sieht allerdings so aus, dass ich vor Kurzem nicht gedacht hätte, dass ich mich in diese Richtung entwickeln kann. Beim Turnier in Bad Griesbach habe ich noch zu den Jungs gesagt: "Ich stehe für nächstes Jahr eigentlich mit nichts da. Ich habe weder eine ordentliche Kategorie auf der Challenge Tour noch mit der European Tour irgendetwas zu tun." Wenige Wochen später bin ich plötzlich besser in den Ranglisten als im vergangenen Jahr. Es hat sich sehr viel sehr schnell in eine angenehme Richtung verändert. Ich habe nun Chancen, mir die Karte für die European Tour zu sichern. Das ist sehr erfreulich.

GP: Kannst du mit dem Finger auf eine Veränderung zeigen, die diesen Erfolg möglich gemacht hat?
FF: Mein Spiel ist auf jeden Fall deutlich besser geworden. Mein Trainer Martin Hasenbein hat sich vor dem European Masters in Crans Montana entschlossen, mit zum Turnier zu kommen, denn er dachte, es wäre mal wieder Zeit, dass wir uns sehen. Dort haben wir sehr intensiv gearbeitet und sind prompt auf Rang sieben gelandet. Das haben wir dann in den folgenden Wochen fortgeführt und die Tatsache, dass er vor Ort war, war sicher mit ausschlaggebend.

GP: In dieser Saison hast du mehr Top Ten auf der European Tour als auf der Challenge Tour eingespielt. Das sagt doch klar aus, dass du ins Oberhaus gehörst, oder?
FF: Ich sehe das gerne ganz klassisch nach der Rangliste. Die sagt zurzeit aus, dass ich zur Hälfte auf die European Tour gehöre. Aus diesem Aspekt habe ich es also noch nicht ganz geschafft, mich auf der European Tour zu etablieren. Meine Top-Ten-Platzierungen sind ganz ordentlich, ich freue mich darüber und sie werden auch von den Kollegen wahrgenommen, aber ich gehöre anscheinend noch nicht voll und ganz dazu. Das muss ich mir noch erarbeiten.

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AUF DER CHALLENGE TOUR AM ENDE DES JAHRES UNTER DEN TOP 15 ZU SEIN IST VERDAMMT SCHWER.
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GP: Hätte dir am Finalsonntag der Dunhill Links Championship auf der 18 des Old Course ein Birdie für die Tourkarte 2017 gereicht?
FF: Ich glaube, es hätte sogar ein Par gereicht. Inga [Florians Frau und Caddie; Anm. d. Red.] und ich haben uns aber entschieden, auf Birdie zu spielen. Ich habe zwei sehr gute Schläge gemacht. Der Abschlag hat gepasst und auch der Wedge- Schlag war sehr gut, doch leider zwei bis drei Meter zu kurz. Der Ball kam direkt neben der Fahne auf und spinnte dann zurück ins Valley of Sin. Leider habe ich von dort unten dann drei Putts benötigt. Ich möchte es daran aber gar nicht aufhängen, denn so kann man jeden Schlagverlust der Woche verantwortlich machen. In Carnoustie habe ich zum Beispiel an Loch sieben völlig ohne Not ein Eisen 5 im Pot-Bunker geparkt und ebenfalls ein Bogey gespielt. Aussagen wie "Die 18 hat es mich gekostet" wären in diesem Fall darum einfach nicht richtig.

GP: Was zeigt denn der Kilometerstand deines BMW im Moment an?
FF: Knapp über 34.000 Kilometer im Moment. Das ist die Ausbeute der bisherigen Saison 2016.

GP: Solltest du die European-Tour-Karte noch schaffen, wird sich an deiner Reiseplanung etwas ändern oder bleibt alles beim Alten, was deine Road Trips angeht?
FF: Was meine Reiseplanung angeht, bleibt alles beim Alten. Der Turnierkalender würde dann wahrscheinlich sehr dem von 2015 gleichen.

GP: Wie beurteilst du die Saison 2016 aus deutscher Sicht?
FF: Ich finde es fantastisch, was Bernd und Alex dieses Jahr auf der Challenge Tour leisten. Für mich ist es ein großer Unterschied, ob sich jemand über die Challenge Tour oder die Qualifying School die Karte für die European Toru sichert. Auf der Challenge Tour am Ende des Jahres in den Top 15 zu sein ist verdammt schwer. Deshalb habe ich vor beiden Leistungen enormen Respekt. Ein zweiter Punkt ist, dass wir Profis aus der zweiten und der dritten Reihe in den letzten Jahren viel Kritik einstecken mussten. Ein Argument der Kritiker war, dass nichts nachkommen würde und Deutschland gemessen an der Größe im Golfsport ein Nichts sei. Vielleicht ist das numerisch gesehen tatsächlich so. Aber jetzt sehen wir, dass immer mehr Spieler nachkommen und nicht nur dabei sind, sondern auch gut mithalten können. Damit meine ich nicht nur Alex und Bernd, sondern auch Spieler wie Marcel Schneider oder Moritz Lampert, der gezeigt hat, dass er der Challenge Tour seinen Stempel aufdrücken kann. Philipp Mejow ist ebenfalls einer von ihnen. Das empfinde ich als gewisse Genugtuung gegenüber der Kritik.

GP: Was hältst du denn für eine realistische Zahl an deutschen Profis, die sich in den kommenden fünf Jahren auf der European Tour etablieren könnten?
FF: "Etablieren" ist das richtige Wort - wie es zum Beispiel Max Kieffer geschafft hat. Ich denke, dass wir pro Jahr einen weiteren Profi aus Deutschland auf der European Tour sehen könnten. In fünf Jahren könnten wir also mit Kaymer, Siem, Kieffer, Ritthammer und einigen mehr sieben bis acht Spieler haben, die sich auf der Tour etabliert haben.

 

Infobox

Alter: 31 Jahre
wohnort: Heidelberg
Profi seit: 2009
Lieblingsverein: FC Bayern München
Erfolge 2016:
T7. Alfred Dunhill Links Championship
T7. Porsche European Open
T7. Omega European Masters
T17. Made in Denmark Challenge (Challenge Tour)

GP: Das wäre stark und würde das TV-Schauen für uns Fans auch deutlich interessanter machen. Wenn die Saison nun ihrem Ende entgegengeht, hast du dann auch mal Zeit für Urlaub oder bleibst du im Training?
FF: Das Schöne an meiner Situation ist, dass ich im Winter und Frühjahr relative Ruhe habe. Ich mache den Dezember komplett frei und fange dann im Januar und Februar wieder an mit dem Training. Im März folgt mein Trainingslager in Spanien und im April geht es dann wieder los.




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