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Max Kieffer

Vier Golfrunden und ein Todesfall

08.09.2015 | Von Jan Langenbein, Fotos: Mike Meyer

Ist das noch ein Profigolfer oder schon ein Geldautomat? Max Kieffer schaffte als einziger Spieler auf der European Tour in dieser Saison jeden Cut. Grund genug, ihn im Büro zu besuchen.

Die Aussicht auf die Bergspitzen des Wallis vor den Fenstern ist fantastisch, doch dafür hat Max Kieffer in diesem Moment keine Augen. Es ist der Mittwoch der Omega-European-Masters-Woche in Crans-Montana und nach gespielter Pro-Am-Runde schaut er sich nun Poloshirts, Hosen und Jacken an, die eine ganze Abordnung seines Bekleidungsausstatters Kjus mit ins Clubhaus des Golf Club Crans-sur-Sierre gebracht hat. Hier geht es nicht nur um die Outfits für die kommenden vier Tage, sondern um Max' Arbeitskleidung der kommenden Monate. Umkleidekabinen? Fehlanzeige. Und so hat auch eine Handvoll älterer Damen zwei Tische weiter plötzlich keinen Blick mehr für das sagenhafte Bergpanorama, schließlich hat man es nicht alle Tage, dass ein Profisportler nebenan blankzieht. Obenrum zumindest.

Ihr wollt eine Behind-the-Scenes-Story machen? Gute Idee, aber ich denke, ihr kommt dafür zu spät. Alles wirklich Interessante ist bereits vorbei." - "Wie sollen wir das denn verstehen? Das Turnier hat doch noch gar nicht begonnen?" - "Ab jetzt ist es nur noch Business as usual. Die zwei Pro-Am-Runden und die Trainingseinheiten, um sich an die Höhe zu gewöhnen, sind in der Schweiz das Außergewöhnliche." Wenn er sich da mal nicht täuscht. Kurz darauf auf der Driving Range verheißen die schwarzen Wolken über den Gipfeln um uns herum nichts Gutes. Max hat immer noch keinen Sinn für das Panorama und baut seinen TrackMan auf. Anfang des letzten Jahrhunderts wandelten ein Schweizer und ein Brite hier auf 1.500 Metern Höhe eine bankrotte Klinik in ein Luxushotel um, und wo Engländer Urlaub machen, da darf ein Golfplatz nicht fehlen. 110 Jahre später macht die Höhenlage auch den besten Golfern des Kontinents zu schaffen. "Die Bälle fliegen hier im Durchschnitt etwa zehn Prozent weiter. Da kommt man um einige Sessions mit dem TrackMan vor dem Turnier nicht herum", erklärt Max zwischen zwei Wedge-Schlägen. Plötzlich lässt ein Donnergrollen die Berge erzittern. "Das wird hier gleich ungemütlich. Ich gehe noch kurz in den Physio-Truck und lasse mich durchkneten. Wir sehen uns beim Abendessen."

RUNDENVERPFLEGUNG

"Ich nehme einen Pizza Margherita", diktiert Max dem Kellner einer der zahlreichen italienischen Touristenfallen im Ortskern von Crans in den Block. "Das ist die Vorspeise. Als Hauptgang hätte ich dann gerne Scaloppine al limone. Mit der Dessert-Entscheidung warte ich bis nach dem Essen." Der Kellner zieht die Augenbrauen hoch.

Max Kieffer: Backstage beim Musikantenstadl: Das sollen Lederhosen sein?Max Kieffer: Backstage beim Musikantenstadl: Das sollen Lederhosen sein?
Backstage beim Musikantenstadl: Das sollen Lederhosen sein?

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KAFFEE AM MORGEN EINES TURNIERTAGES? 'NEIN, EINMAL MIT DEM WASCHLAPPEN DURCHS GESICHT, DUSCHEN UND DANN GEHT'S LOS.'
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Eine ausgewachsene Pizza als Vorspeise ist auch für uns Neuland. "Ich hatte immer schon einen guten Appetit. Außerdem brauche ich genügend Energie für morgen." Bereits beim Training erzählte er, wie zufrieden er zurzeit mit seinem Golfspiel ist und dass er deshalb mit großen Hoffnungen für diese Woche in die Schweiz anreiste. Bestens ausgeruht noch dazu, schließlich hatte Max in der Woche zuvor spielfrei. Zeit, in der er in seiner Heimat Düsseldorf einen Tag lang die Füsse hochlegen konnte, dann aber doch jeden Tag wieder auf den Golfplatz zum Training marschiert ist. "Während einer freien Woche trainiere ich zwar nicht so viel wie im Winter, aber ich versuche trotzdem, nicht aus dem Schwung zu kommen. Das Wetter war optimal, deshalb bot sich auch noch die Möglichkeit für eine Zockerrunde mit meinen Kumpels."

In die Schweiz ging es mit Manager Christian am Montagvormittag per Flugzeug, denn schon am Nachmittag stand die erste Pro-Am-Runde auf dem Plan. Kollege Marcel Siem packte die ganze Familie ins Auto und fuhr den Weg von Düsseldorf nach Crans-Montana. Diese Art der Anreise wählten auch Max' Eltern, die an diesem Abend zu uns stoßen und ihren Sohn bei fünf bis sechs Turnieren während der Saison begleiten. "Wentworth zum Beispiel, weil es so schön einfach zu erreichen ist. Bei der BMW International Open sind wir natürlich auch und bei noch ein paar weiteren Turnieren. Überall, wo es schön ist", erklärt Vater Walther Kieffer, während Max sich nach Scaloppine al limone gegen einen Nachtisch entscheidet. Nach stundenlangem Warten auf das Essen ist es spät geworden und er möchte ins Bett. Am morgigen Donnerstag ist die Startzeit zwar erst am Nachmittag, genügend Nachtruhe ist für einen Profigolfer jedoch absolute Pflicht. Auch die Frage nach einem Feierabendbierchen verneint Max und macht sich auf den Weg ins Hotel "Bella Lui", seinem Basislager für die Woche, in dem er sich mit Manager Christian ein Zimmer teilt.

Max Kieffer: Tierschützer laufen Sturm: Almabtrieb brutal
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In die Schweiz ging es mit Manager Christian am Montagvormittag per Flugzeug, denn schon am Nachmittag stand die erste Pro-Am-Runde auf dem Plan. Kollege Marcel Siem packte die ganze Familie ins Auto und fuhr den Weg von Düsseldorf nach Crans-Montana. Diese Art der Anreise wählten auch Max' Eltern, die an diesem Abend zu uns stoßen und ihren Sohn bei fünf bis sechs Turnieren während der Saison begleiten. "Wentworth zum Beispiel, weil es so schön einfach zu erreichen ist. Bei der BMW International Open sind wir natürlich auch und bei noch ein paar weiteren Turnieren. Überall, wo es schön ist", erklärt Vater Walther Kieffer, während Max sich nach Scaloppine al limone gegen einen Nachtisch entscheidet. Nach stundenlangem Warten auf das Essen ist es spät geworden und er möchte ins Bett. Am morgigen Donnerstag ist die Startzeit zwar erst am Nachmittag, genügend Nachtruhe ist für einen Profigolfer jedoch absolute Pflicht. Auch die Frage nach einem Feierabendbierchen verneint Max und macht sich auf den Weg ins Hotel "Bella Lui", seinem Basislager für die Woche, in dem er sich mit Manager Christian ein Zimmer teilt.

Max Kieffer: Digitalisierung in der Schweiz auch analogMax Kieffer: Digitalisierung in der Schweiz auch analog
Digitalisierung in der Schweiz auch analog
Profigolf-Glamour hatten wir uns anders vorgestellt, als wir am nächsten Morgen im Frühstücksraum des "Bella Lui" auf einen ausgeschlafenen Max treffen, der sich gerade ein Brötchen schmiert und unsere Einschätzung ("Das ist doch ein Altersheim!") nicht teilen will.

UNTER RENTNERN

"Alle anderen Gäste sind hier zwar weit jenseits der 70, aber was glaubt ihr, wie ruhig es hier bereits um 21 Uhr ist", lacht er und klatscht in die Hände: "Los geht's! Aktivierung!"




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