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Quick-Interview

Alexander Knappe

21.08.2017 | Von Jan Langenbein

Nach acht verpassten Cuts in Folge fand Alex Knappe in Hamburg wieder in die Spur. Zeit für ein Gespräch über Bälle, Blutwurst und den BVB.

GolfPunk: Nach einigen verpassten Cuts hast du bei den Porsche European Open in Hamburg dein bisher bestes Saisonergebnis nach Hause gebracht. Woran lag es?
Alexander Knappe: In jeder Runde lief ein Aspekt meines Spiels richtig gut. In Runde eins waren die Drives super, in der zweiten Runde habe ich sehr gut gekämpft, in der dritten Runde war eigentlich alles okay [lacht] und am Sonntag waren die Schläge ins Grün extrem gut. Für meinen Geschmack habe ich in Hamburg immer noch nicht supergut gespielt, aber auf jeden Fall besser als in den Wochen davor.

GP: War deine Durststrecke ein klassisches Beispiel von "gut gespielt, aber schlecht gescoret"?
AK: Ja genau, ich habe nicht so schlecht gespielt, wie es die verpassten Cuts vermuten lassen, aber einfach keine guten Scores zustande bekommen. Solche Phasen gibt es leider ab und zu.

GP: Gibt es in solchen Phasen Mechanismen, auf die man zurückgreifen kann, um sich daraus zu befreien?
AK: Durch eine solche Durststrecke muss man durch und einfach weiter konzentriert arbeiten. Oft zerbricht man sich zu sehr den Kopf, denn wenn man einige Runden lang nicht gut scoret, liegt es eigentlich selten am Spiel, sondern meistens an der Birne. Ein bisschen Ruhe und Abstand können da sehr helfen.

GP: 2017 ist deine erste volle Saison auf der European Tour. Was sind nach deiner Erfahrung die größten Unterschiede zur Challenge Tour?
AK: Auf der European Tour gibt es nicht nur bessere Spieler, sondern auch mehr davon. Besonders im hinteren Teil des Felds sind die Spieler auf der Challenge Tour bei Weitem nicht so gut wie auf der European Tour. Dort kann eigentlich jeder Spieler, der antritt, das Turnier auch gewinnen. Das macht die Leistungsdichte viel größer. Stimmt die eigene Leistung nicht, landet man auf der European Tour deshalb auch schnell viel weiter hinten.

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RICKIE MEINTE: 'MACH EINFACH WEITER WIE BISHER. DEIN SPIEL IST GUT GENUG, UM VORNE MITMISCHEN ZU KÖNNEN.'
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GP: Merkt man im Umgang der Spieler untereinander, dass es jetzt um mehr Geld geht und jeder Konkurrent einen damit auch mehr Geld kosten kann?
AK: Nein, überhaupt nicht. Ich finde es in dieser Hinsicht auf der European Tour eher angenehmer. Die Kollegen sind viel entspannter.

GP: Das könnte damit zusammenhängen, dass auf der European Tour für die meisten Spieler weniger finanzieller Druck herrscht...
AK: Das ist, glaube ich, nicht der Punkt. Im Golf ist es wichtig, dass man locker und auf sich selbst fokussiert sein kann. Alle Weltklassespieler haben genau diese Eigenschaft. Sie konzentrieren sich auf sich selbst und haben eine große Fairness den Mitspielern gegenüber.

GP: Vergleicht man die Turnierstandorte, die du in diesem Jahr bereits gesehen hast: Wo gibt es deiner Meinung nach das beste Essen?
AK: Das ist schwer zu sagen. Hamburg war wirklich sehr gut. Ich mag das englische Frühstück allerdings auch sehr gerne.

GP: Wow, Hamburg und England bei der lokalen Küche hervorzuheben ist exotisch.
AK: [lacht] Ja, genau. Auch der Black Pudding, diese Blutwurst... lecker!

GP: Nike war dein Ausstatter in den letzten Jahren. Was hast du seit Nikes Ausstieg im Bag?
AK: Ich spiele immer noch mit 13 Schlägern von Nike im Bag. Nur den Driver habe ich mittlerweile ausgetauscht. Ich wollte die Saison mit Material, das mir vertraut ist, beginnen und sehen, wie ich auf der Tour klarkomme. Jetzt möchte ich zunächst einmal alle möglichen Firmen kennenlernen. Ich habe mir natürlich schon Schläger einiger Marken besorgt, um sie zu testen, und bei den Bällen habe ich alle Modelle bereits ausgiebig getestet. Es ist allerdings auch wichtig, die Leute, die hinter den Marken stehen, kennenzulernen, denn ich möchte auf jeden Fall wieder einen langfristigen Equipment-Partner finden.

GP: Wie bist du vorgegangen bei deinen Balltests? Schaust du auf die TrackMan-Daten oder steht das haptische Feedback im Vordergrund?
AK: Der TrackMan ist ein wichtiges Hilfsmittel, man kann bei Balltests daran allerdings außer der Spin-Rate und der Länge der Schläge nicht allzu viel ablesen. Natürlich sind die se Daten relevant, aber bei den Bällen ist das eigene Gefühl ebenfalls enorm wichtig. Speziell bei den langen Schlägen muss man sehen, wie die einzelnen Ballmodelle durch den Wind gehen. Da gibt es große Unterschiede. Bei der Spin-Rate unterscheiden sich die Bälle der großen Marken zum Beispiel kaum, der Ballflug im Wind ist jedoch von Modell zu Modell komplett anders. So etwas kann man nur bei Tests im Freien herausfinden. Ich finde, bei einem Materialwechsel sollte man mit dem Ball anfangen, denn er sollte passen, was das Gefühl und den Sound angeht. Auf diese Wahl kann man dann die Schläger aufbauen. In Schottland hatte ich Zeit, den neuen Driver zu testen, und habe schnell gemerkt, dass er konstantere Ergebnisse liefert als mein alter Schläger.

GP: Dann war also auch ein kleiner Materialwechsel für die guten Ergebnisse bei den Scottish und den European Open verantwortlich?
AK: Ja, denn in Hamburg war ich nach der ersten Runde nicht nur im Durchschnitt der Längste vom Tee, sondern hatte auch den längsten Drive des Tages geschlagen. In Schottland habe ich während der Finalrunde mit Rickie Fowler gespielt und war im Schnitt 25 Meter länger als er - dabei waren die Bälle nicht alle gut getroffen. Der Driver ist einfach fehlertoleranter und das hilft.

 

STECKBRIEF

Alter: 28 Jahre
Profi seit: 2011
Wohnort: Paderborn
Lieblingsverein: Borussia Dortmund
Erfolge:
2014 Adamstal Open (EPD Tour)
2016 Swiss Channel (Challenge Tour)
2016 Hainan Open (Challenge Tour)
T12 2017 Porsche European Open

GP: Hut ab! Gab es da ab und an ein anerkennendes Nicken von Rickie in deine Richtung?
AK: Rickie ist nun nicht der Längste auf der Tour, aber wenn man einen solchen Spieler 25 Meter kurz lässt, ist das natürlich ein nettes Gefühl. Ich kenne Rickie noch recht gut aus Amateurzeiten und nach der Runde haben wir uns länger unterhalten. Rickie meinte: "Mach einfach weiter wie bisher. Dein Spiel ist gut genug, um vorne mitmischen zu können."

GP: Du bist ein ausgesprochener BVB-Fan, deshalb muss ich dich natürlich fragen, was du vom unrühmlichen Abgang von Thomas Tuchel hältst.
AK: Oje, dazu sollte ich eigentlich nichts sagen. [lacht] Ich mag Nuri Sahin und Marcel Schmelzer gerne und es sieht so aus, als hätten sich diese beiden einen Trainerwechsel gewünscht. Tuchel ist einer der besten Trainer überhaupt, wenn es um taktische Belange geht, sein Fachwissen ist unbestritten. Ich weiß nicht, was menschlich vorgefallen ist, es muss jedoch gravierend gewesen sein, schließlich war die letzte Saison sehr erfolgreich. Es ist schade, denn ich denke, in der kommenden Saison hätten wir unter Tuchel die Chance gehabt, Meister zu werden, weil das Team sein System verinnerlicht hatte. Ich habe alle Testspiele gesehen, aber kann noch nicht einschätzen, wie es unter einem neuen Trainer laufen wird.




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