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Lofoten

Er läuft, läuft und läuft...

07.09.2016 | Von Jan Langenbein, Fotos: Mike Meyer

Wenn es niemanden gibt, der das Licht ausknipst, dann könnte ein Golftag theoretisch ewig dauern. Wie lange tragen die Füße, wenn die Sonne niemals untergeht? Der Lofoten Links in Norwegen ist der spektakuläre Schauplatz, um diese Frage zu beantworten.

Das Motto des Lofoten Golf Links steht nicht nur auf den Merchandising-Artikeln wie Kappen oder Shirts, sondern ist zur Motivation aller, die hierher in den hohen Norden anreisen, auch in fetten Lettern an die Clubhauswand gepinselt: "Challenge accepted." Als ich diesen Schriftzug zum ersten Mal sehe, bäumt sich eine innere Faust in mir auf und eine "Packen wir es an!"-Attitüde durchströmt mich mit wohltuender Wärme. Doch es genügt, den Blick 90° nach links weg von der Aufschrift hinaus aus dem Fenster in Richtung 18. Fairway zu drehen, und das "Herausforderung angenommen" erscheint wie das Pfeifen im Walde. Was dort zwischen Clubhaus und aufgepeitschtem Nordmeer auf übermotivierte Opfer wartet, ist ein Fairway, das kaum breiter als ein Feldweg und von hüfthohem Rough gesäumt ist. Mehr ist vom Golfplatz, der mich morgen für ganze 24 Stunden in seinem Bann halten soll, noch nicht zu sehen und mir schießt Dantes "Göttliche Komödie" in den Sinn: "Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren."

Lofoten: Loch 14: sieht aus wie Hulle (l.) Ruhe da hinten: Sind wir bald da?Lofoten: Loch 14: sieht aus wie Hulle (l.) Ruhe da hinten: Sind wir bald da?
Loch 14: sieht aus wie Hulle (l.) Ruhe da hinten: Sind wir bald da?

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SO LIEGE ICH, BEREITS EINE STUNDE BEVOR DER WECKER KLINGELT, HELLWACH IM BETT UND STARRE AN DIE DECKE WIE MARTIN SHEEN IN DER ANFANGSSEQUENZ VON 'APOCALYPSE NOW'.
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Auf den Lofoten nördlich des Polarkreises geht zwischen Mitte Mai und Anfang August die Sonne niemals unter und so gilt es nun zunächst einmal, das Schlafzimmer lichtdicht zu verbarrikadieren, schließlich sollte man ausgeschlafen sein, wenn morgen Vormittag der längste Golftag des bisherigen Golferlebens beginnt. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn das Licht dringt durch jede noch so kleine Ritze und so liege ich, bereits eine Stunde bevor der Wecker klingelt, hellwach im Bett und starre an die Decke wie Martin Sheen in der Anfangssequenz zu "Apocalypse Now". Glücklicherweise liegt neben meinem Bett keine Knarre, sondern nur ein Golfbag. Neun Uhr, es kann losgehen!

BALLGRÄBER


Ich habe bereits mehrmals das 63-Löcher-Turnier über alle Spielbahnen des Arosa-Resorts vor den Toren Berlins am Scharmützelsee gespielt und auch dem "HuLoPo" im Hamburger Golfclub, einem Golfmarathon über 100 Löcher, habe ich mich schon gestellt. Dort ging es um kurz nach vier Uhr morgens los und wir spielten beinahe ohne Unterbrechung bis kurz nach 21 Uhr, um nach fünf Runden und zehn Löchern die hundert voll zu machen. 17 Stunden brauchten wir damals also, und auch wenn das Treppensteigen nach der Heimfahrt damals sehr schwerfiel - wie schlimm können sieben Stunden mehr schon sein?

Lofoten: Weißes Gold: Nie waren Lakeballs so wertvoll (l.) Verdammte Fußgänger: Stau am Ende der WeltLofoten: Weißes Gold: Nie waren Lakeballs so wertvoll (l.) Verdammte Fußgänger: Stau am Ende der Welt
Weißes Gold: Nie waren Lakeballs so wertvoll (l.) Verdammte Fußgänger: Stau am Ende der Welt
Auf dem ersten Tee, das nur durch eine Kletterpartie zu erreichen ist, wird schnell klar, dass die Länge der heutigen Challenge noch lange nicht das vorrangige Problem ist. 180 Meter weit ist nichts zu sehen außer schroffe Felsen und Brandung, bevor dann ein Fairway parallel zum Strand verläuft, das von hier oben nicht größer aussieht als ein Badetuch, das von einem Sommerurlauber vergessen wurde. Das ist der unter Garantie härteste erste Abschlag, dem ich mich jemals stellen musste, und Ball Nummer drei findet dann endlich den Bunker hinter der Drive-Landezone. Happy Times!

Zeit zum Verschnaufen gibt es allerdings nicht, denn Loch Nummer zwei ist das Signature Hole des Lofoten Golf Links. Das Grün des 148 Meter langen Par 3 ist wie eine umgedrehte Suppenschüssel geformt und liegt auf einer kleinen Felsinsel vor dem Golfplatz inmitten des Nordmeers. Die bizarren Felsformationen rund ums Grün muten an wie ein verlassenes Set aus "Game of Thrones" und fressen jeden unpräzise gespielten Ball sofort auf. Zwei Löcher gespielt und schon drei Bälle weniger im Bag. Es sind noch 23 Stunden und 45 Minuten zu spielen und es wird Zeit, von den fabrikneuen Pro V1 auf Lakeballs umzusteigen.

Lofoten:
Mit dem letzten Ball im Bag komme ich nach der ersten Runde des Tages wieder ins Clubhaus, wo ich meinen neuen besten Freund kennenlerne. Es ist ein altes Holzfass voller gebrauchter Bälle, an dem ein Bündel Plastiktüten hängt, wie man sie vom türkischen Gemüsehändler um die Ecke kennt. Mein Norwegisch ist dürftig, doch das Schild ist leicht zu entschlüsseln: "Das Dutzend 10 Euro". Meine Rettung! Nachdem das erste Dutzend dieser Munition nach Runde zwei ebenfalls auf der Anlage verteilt liegt, ist klar, dass der Gang zum Fass bei jeder Stippvisite im Clubhaus notwendig sein wird.

 

REISEFÜHRER

Übernachtung
Nur einen Kilometer vom Golfclub entfernt wurden im August 2016 Luxury Lodges eröffnet, die bis zu sechs Personen Platz bieten. Diese frei stehenden Häuser lassen dank offenem Kamin und Terrassen mit unverbaubarem Blick auf das Nordmer keine Wünsche offen und sind die optimale Unterkunft für einen ganzen Flight. Eine Lodge kostet circa 380 Euro die Nacht. Wer es gerne preiswerter hat, der kommt für etwa 50 Euro pro Person auch in einem der Apartments im Clubhaus unter. Den Charme einer Kaserne in der ehemaligen DDR muss man allerdings mögen.

Anreise
SAS und Norwegian fliegen über Oslo täglich in den hohen Norden nach Bodø. Von dort aus sind es mit dem Auto dann noch 320 Kilometer, für die man, der extremen Topografie Norwegens sei Dank, jedoch mehr als sechs Stunden benötigt. Schneller geht es mit Widerøe, einer SAS-Tochtergesellschaft, nach Leknes oder Svolvær auf den Lofoten. Von diesen beiden kleinen Flugplätzen sind es noch 30 Minuten mit dem Auto zum Golfplatz.

Nordlichter
Das sagenhafte Naturschauspiel kann von August bis Oktober vom Golfplatz oder den Lodges beobachtet werden. Zwischen 17. August und 17. Oktober bietet Frode Hov Pakete bestehend aus zwei oder drei Übernachtungen, Greenfees und Mietwagen an, damit man kein Nordlicht verpasst.

Meine Mitstreiter an diesem Tag heißen Thilo und Philippe. Die beiden kommen aus der Schweiz und tun sich diesen Marathon nicht nur freiwillig an, sie haben sogar aktiv darum gebettelt. Im Rahmen seiner "Realize Your Adventure"-Kampagne wollte die Schweizer Golf- und Skiwear-Marke Kjus die grössten Golfwünsche seiner Kunden wissen, um dann zwei davon wahr werden zu lassen. Eine Onlinebewerbung reichte also und schon finden sich die beiden am norwegischen Ende der Welt wieder und müssen einen GolfPunk-Redakteur, der mittlerweile an der Machbarkeit dieser Unternehmung zweifelt, mit über den Platz schleppen. Herzlichen Glückwunsch!

Golfplätze in der Region

LOFOTENGOLF LINKS

LOFOTENGOLF LINKS

18 Löcher, Par 71, 6.092 Meter

Adresse
Tore Hjortsvei
3898314 Gimsøysand, Norwegen
Tel. +47 76.07.20.02
www.lofotenlinks.no

Greenfee
ca. 91 Euro (18 Löcher)
ca. 150 Euro (24 Stunden)

Killerloch
Kein Wunder, dass ein Platz in einer solch spektakulären Landschaft gleich über eine Handvoll Signature Holes verfügt. Die meisten Fotos werden unter Garantie von Loch 2 gemacht, aber auch die wie eine Piratenplanke aufs Meer hinaus verlaufende 16. Spielbahn ist extrem spektakulär. Unser Favorit ist Loch 14, ein Par 4 inmitten einer Felswüste, das keinerlei Gnade für denjenigen kennt, der das Fairway verfehlt.
www.lofotenlinks.no




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