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Australien

Double Trouble Down Under

20.10.2015 | Von Timo Schlitz, Fotos: Australia Tourism, Timo Schlitz

Sydney oder Melbourne, lautet die Frage, bevor wir uns auf den Weg nach Australien machten. Nach einer Handvoll genialen Runden, noch mehr Fosters und ein bisschen Stress ist die Antwort klar: beides.

Als ich zum ersten Mal "Sideways" sah und die Szene, in der der melancholische Miles völlig ausflippt und den Ball auf den hinter ihm drängelnden Flight zurückschlägt, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass mir solch eine Situation mitsamt aller folgender Eskalationsstufen selbst einmal widerfahren würde. Bis ich ein Flugzeug ans andere Ende der Welt bestieg, um endlich einmal in Australien den Schläger zu schwingen. Aber der Reihe nach.

Sydney an einem Feiertag auf dem öffentlichen Platz in Moore Park, Loch zwölf: Nach rund drei Stunden kommen Justus und ich auf dem zehnten Abschlag an, nur um acht Spieler am Abschlag zu erblicken. Unser dritter Mann gibt genervt auf, er muss seine Tochter abholen und dann ab nach Hause. Das mit der schnellen Runde war wohl nichts, denn heute ist jeder, der einen Schläger halten kann, auf dem Platz. Hinter uns ist ein weiterer Zweier unterwegs - wir bieten den beiden Jungs an, mit uns zu spielen. Sam und Dan sind junge Australier in den 20ern und kommen mit. Zwei Löcher später, nachdem wir erneut lange auf dem überfüllten Platz warten, sind "Jay" und ich bereits auf dem Grün. Dan versucht sich im Bunker und Sam parkt das Cart links vom Grün, um dann seinen Ball von dort zu chippen.

Australien: Ein Mann, eine FahneAustralien: Ein Mann, eine Fahne
Ein Mann, eine Fahne

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DER KONTRAST ZWISCHEN OBERSCHICHT UND GOLFPROLETARIAT KÖNNTE IN AUSTRALIEN KAUM GRÖSSER SEIN.
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Plötzlich kommt ein Ball geflogen, schlägt krachend nur Zentimeter neben Sams Kopf in der Frontscheibe des Carts ein und springt im rechten Winkel in die Bäume. Unser Mitspieler blickt verdutzt nach hinten, steckt seine Nahtoderfahrung aber vergleichsweise locker weg. Keine 100 Meter von uns entfernt stehen zwei Spieler auf dem Fairway. Der Ball kam jedoch aus dem kleinen Wäldchen links von den beiden.

Sam ruft über das Fairway, dass ihn der Querschläger fast umgebracht habe. Die beiden Mitspieler schauen ihn etwas ratlos an, dann stürmt jedoch der dritte Spieler hinter den Bäumen hervor.

RUGBY AUF DER ZWÖLF? WIR SIND BEREIT!


"I said that I did apologize, you fu****", ist die Antwort, die der ältere Rentner mit einer kräftigen Stimme Richtung Grün schmettert. Unser Mitspieler ist nun auch wie ausgewechselt und erwidert ebenfalls so laut, dass man es über mindestens drei Löcher hören kann: "What the f*** are you thinking, you stupid idiot? It was your fault, not mine!" Zehn Sekunden später stehen beide auf Entfernung eines lockeren Pitches voneinander entfernt und schreien sich an. "Geht das Ganze jetzt gleich in den Nationalsport Aussie Rules Rugby über?", frage ich Justus, der als ehemaliger Bundesliga-Basketballer immer noch über eine einschüchternde Statur verfügt.

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Immerhin: Irgendwie entspannt sich die Situation. Beide fluchen zwar weiter in sich hinein, immerhin können wir die übrigen Löcher aber ohne Zwischenfälle spielen.

Diese kleine Episode beschreibt die Bandbreite des Golfsports in Australien sehr treffend: Der Kontrast zwischen Oberschicht und Golfproletariat könnte in Down Under nicht grösser sein. Einerseits gibt es die "Royals", superelitäre Plätze mit beeindruckender Geschichte und sündhaft teuren Greenfees, andererseits aber unglaublich viele Public Courses, auf denen jeder, wirklich jeder abschlagen kann (die Preise im Moore Park starten zum Beispiel ab 24 AUD). Golf ist in Down Under ein Breitensport. Mehr als eine Million Australier spielen Golf - eine beachtliche Anzahl, wenn man bedenkt, dass das riesengroße Land insgesamt nur 23 Millionen Einwohner zählt.

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Wer nicht im Moore Park angeschrien werden möchte, versucht sich in Sydney lieber auf einer Anlage wie dem New South Wales GC. Der 1928 von Alister MacKenzie entworfene Kurs zählt zu den ganz großen Plätzen Australiens und ist regelmäßig in den Top-100-Listen der besten Plätze der Welt zu finden. Die 18 Löcher in der Botany Bay gehören optisch dank des Blicks auf den Pazifik in die Champions League des riesigen Kontinents. Geschichte wird gleich mitgeliefert: 1770 kamen hier die ersten Briten unter James Cook an Land. Jetzt fliegen hier Golfbälle in die teilweise blinden Landezonen und auf die exzellent verteidigten Grüns. Die Australian Open waren 2009 zu Gast. Damals nahm Adam Scott die links-ähnlich angelegten Löcher mit 15 unter Par auseinander. Wer hier am spektakulären Cape Banks golfen möchte, muss allerdings nicht unbedingt das happige Greenfee im New South Wales GC berappen, denn wie uns Locals auf dem Platz verraten, liegt auf der anderen Seite des Zauns, also auf praktisch dem gleichen Stück Land, der etwas weniger renommierte, aber auf keinen Fall schlechtere Course St. Michael's Golf Club, der für ein Drittel des Preises dieselbe spektakuläre Aussicht auf den Pazifik bietet.

 
Australien Wegweiser

Australien Wegweiser

Reisezeit
Der Sommer geht von November bis April. In diesen Monaten kann es teilweise sehr heiß werden, die Temperaturen übersteigen an extrem heißen Sommertagen auch schon einmal die 40-Grad-Marke. Meist ist es aber zwischen 20 und 35 Grad. Zudem weht an der Küste oft ein angenehmer Wind.

Flugverbindungen
Direktflüge nach Australien bietet keine Airline von Deutschland aus an - dazu ist die Flugzeit einfach zu lang. Empfehlenswert ist ein Zwischenstopp in Singapur (Singapore Airlines) oder über das Drehkreuz Dubai (Emirates). Beide Fluggesellschaften bieten auch in der Economy Class einen vergleichsweise guten Service zu vernünftigen Preisen.

Die Kosten
Australien ist für Europäer leider extrem teuer. Das liegt einerseits am starken Australischen Dollar (AUD), andererseits am hohen Einkommensniveau. Speziell die großen Städte wie Sydney und Melbourne langen bei Hotelpreisen und Restaurants kräftig in die Tasche. Auch die "Great Golf Courses" verlangen von ausländischen Gästen Greenfees von 200 bis 400 AUD (ca. 130 bis 260 Euro). Allerdings fällt das Greenfee drastisch, wenn man mit einem Mitglied aufteet. So gibt es eine Runde in New South Wales statt für 330 AUD mit Member zum Schnäppchenpreis von 100 AUD. Wer sich nicht traut, in Clubhausbars nach Mitgliedern dieser Edelclubs zu suchen, kann über das Forum OZGolf.net fündig werden, Tinder für Golfer sozusagen.

Inlandflüge
Dank Jetstar und Virgin Airlines kommt man schnell von A nach B und zahlt meist weniger als mit einem Mietwagen.

Bester Strand
Bondi Beach in Sydney dürfte selbst hierzulande den meisten ein Begriff sein. Mit den besseren Wellen kann jedoch Tamarama aufwarten. Dort hängen auffallend viele Models rum, was auch den Spitznamen "Glamarama" erklärt. Insider-Tipp: Der Kaffee am schicken Kiosk mit Holzfassade ist eine Wucht.

Ein Erlebnis ist auch The Lakes. Der Kurs ist vom Zentrum Sydneys mit seinem unnachahmlichen Opera House in rund einer halben Stunde Autofahrt erreichbar. Nach dem Re-Design durch den einstigen US-Open-Champion Geoff Ogilvy und Architekt Michael Clayton macht der Platz richtig viel Spaß, auch wenn man von einem klassischen Design nicht mehr sprechen kann. Dazu sind die künstlich angelegten Seen in der Mitte des Platzes einfach zu wild. Davon kann auch John Daly ein Lied singen, der bei den Australian Open 2011 sechs Bälle hintereinander ins Wasser schlug und dann genervt aufgab.

Golfplätze in der Region

Moore Park Golfclub

Moore Park Golfclub

18 Löcher, Par 70, 5.791 Meter

Adresse
Anzac Parade & Cleveland Street,
Sydney, NSW 2021, Australien
Tel. +61 2.9663.1064
www.mooreparkgolf.com.au

Greenfee
ab 24 AUD je nach Uhrzeit und Wochentag

Moore Park ist ein öffentlicher Platz ohne großen Charme. Aber: Die Anlage ist praktisch. Die Range ist mit einer dreistöckigen Abschlag-Box und Flutlicht ausgestattet. Der Kurs ist gepflegt und hat recht schnelle Grüns. Allein das Layout ist nicht wirklich spannend. Dafür sind die Preise fair, vor allem die Twilight-Angebote am Nachmittag. Nachteil: Es ist immer viel los!

Killerloch
Die Vier ist mit 535 Metern das längste Loch des Stadtplatzes. Das Hochhaus im Hintergrund ist nicht wirklich schön, aber immerhin gibt es in Sachen Richtung ein gutes Ziel ab. Denn diese ist das Wichtigste, wenn man eine Chance auf das Birdie haben möchte.
www.mooreparkgolf.com.au

New South Wales Golfclub

New South Wales Golfclub

18 Löcher, Par 72, 6.245 m

Adresse
Henry Head, Botany Bay National Park,
La Perouse, Matraville 2036
Tel. +61 2.9661.4455
www.nswgolfclub.com.au

Greenfee
325 AUD für ausländische Gäste

Der in der Botany Bay liegende Platz im Südosten von Sydney mit seinen zahlreichen Links-Elementen ist nicht nur optisch ein Kracher. Im Verlauf der Runde werden alle Aspekte des Spiels getestet: Es gilt, blinde Abschläge zu meistern, den Ball auf den welligen Fairways (Graßorte: Couch) richtig zu platzieren und die Grüns zu meistern. Letztere haben es wirklich in sich. Jedes ist von der Form anders, zudem verteidigen tiefe Topf-Bunker die Bent-Grüns.

Killerloch
Auf der Sechs, dem Signature Hole, geht es 185 spektakuläre Meter Richtung Grün. Von einer wellenumtosten Tee-Box mitten auf einer verlängerten Klippe geht es über das Meer in Richtung Fahne.
www.nswgolfclub.com.au

The Lakes Golfclub

The Lakes Golfclub

18 Löcher, Par 72, 6.290 m

Adresse
King Street & Vernon Avenue
Eastlakes
Tel. +61 2.9669.3544
www.thelakesgolfclub.com.au

Greenfee
300 AUD für ausländische Gäste

Der Kurs ist so penibel gepflegt wie Omas Stube und von Sydneys Zentrum mit seinem unnachahmlichen Opera House in rund einer halben Stunde Autofahrt erreichbar. Nach dem umfangreichen Re-Design durch den einstigen US-Open-Champion Geoff Ogilvy und Architekt Michael Clayton macht der Platz nun richtig großen Spaß: Knietiefe Sandwastes, natürlich belassene Fairway-Bunker, Teiche, Höhen und Tiefen sowie einige Doglegs gilt es zu bezwingen.

Killerloch
Dieser Start hat es in sich: Vom ersten Tee ist mehr Wasser als Fairway zu sehen und jeder Ball links vom Fairway ist unwiederbringlich verloren.
www.thelakesgolfclub.com.au

The Lakes Golfclub

Royalmelbourne Golfclub

18 Löcher, Par 72, 6.077 m (West), Par 71, 6.007 m (East)

Adresse
Cheltenham Road, Black Rock Victoria 3193
Tel. +61 3.9599.0500
www.royalmelbourne.com.au

Greenfee
400 AUD für ausländische Gäste

Wer die Chance hat, hier aufzuteen, sollte den von Alister MacKenzie entworfenen West Course spielen. Das Design der einzelnen Löcher ist großartig und der Pflegezustand von einem anderen Stern. Der East Course ist nicht ganz so bekannt wie der berühmte West Course, zählt aber dennoch zu den besten Plätzen Australiens. Der ehemalige Australian-Open-Champion Alex Russell hat die 18 Löcher entworfen. Die Grüns und Fairways sind auch hier rasend schnell und bretthart.

Killerloch
Die Fünf (West) gilt als Signature Hole des Platzes. Warum? Weil alle Stilmittel bei diesem knapp 160 Meter langen Par 3, die Sandbelts ausmachen, vorhanden sind.
www.royalmelbourne.com.au




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