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Baden

Baden gehen

18.06.2015 | Von Jan Langenbein, Fotos: Patrick Runte

Das absolute Highlight der Golfsaison hierzulande findet dieses Jahr in Baden statt. Damit dein Besuch beim Solheim Cup 2015 keine Profigolf-Monokultur wird, haben wir uns auf den Weg gemacht und herausgefunden, was du zwischen Heidelberg und Schwarzwald auf keinen Fall verpassen solltest.

Als Montgomery Collins, ein in Berlin stationierter Wing Commander der Royal Air Force 1951 den Militärdienst an den Nagel hängte, beschloss er, sich ganz seiner Leidenschaft zu widmen und Uhrmacher zu werden. Ein Umzug in den nördlichen Schwarzwald sollte ihn diesem Ziel näher bringen, doch leider stellte sich schnell heraus, dass Monty über zwei linke Hände verfügte. "Wer nichts wird, wird Wirt", dachte sich der Brite im Exil und heiratete praktischerweise ein Schwarzwald-Mädel, deren Eltern in der Nähe von Freudenstadt einen Landgasthof betrieben. Erstaunt stellte Collins fest, dass in der Nachbarschaft jeder Dritte eigenen Schnaps brannte, und weil der Engländer nur ungern auf sein Gläschen Gin verzichtet, tat er sich mit einem lokalen Schnapsbrenner zusammen und destillierte einen Gin, den er "Max the Monkey" nannte und im Gasthof der Schwiegereltern den Gästen anbot. Der Badener an sich und der Schwarzwälder im Besonderen steht Neuheiten jedoch nicht unbedingt offen gegenüber, weshalb Collins selbst sein bester Kunde war und der Gin aus dem Schwarzwald zum Ende der 50er-Jahre wieder in Vergessenheit geriet.

Lange Zeit später, Anfang des neuen Jahrtausends, um genau zu sein, kam diese Geschichte Alexander Stein zu Ohren und der suchte umgehend Destillateur Christoph Keller auf, der seinen Namen bereits mit edlen Schnäpsen in die Szene der Liebhaber von Hochprozentigem eingebrannt hatte. "Lass uns einen Gin machen!", schlug Alexander vor und nach einer Überzeugungs- und fast zwei Jahren Entwicklungsarbeit war der "Monkey 47 Schwarzwald Dry Gin", der auf das Rezept von Wing Commander Monty Collins zurückgeht, dann fertig. Wie es der Zufall wollte, schwappte seit 2011 ganz unerwartet eine Ginwelle durch die Bars der Welt und spülte diesen Drink wieder ins Bewusstsein der internationalen Spirituosenfans. Mit "Monkey 47" stehen Alexander und Christoph an der Speerspitze dieser Bewegung und haben nicht nur einen der besten Gins im Gepäck und feiern internationale Erfolge, sondern versuchen auch gleichzeitig - beide sind begeisterte Golfer -, den Gin auch in deutschen Clubhäusern wieder salonfähig zu machen. "An den Golfern verzweifle ich noch ein bisschen. Da höre ich immer nur: ,Whiskey, Whiskey, Whiskey!' Aber vor zwei Jahren haben wir entdeckt, dass wir es mit ,Monkey 47' sogar nach Gleneagles an die Bar und auf deren Webseite geschafft haben", erzählt Christoph nicht ohne Stolz. Wenn eine der britischen Bastionen des Golfsports bereits gefallen ist, dann kann es nicht mehr lange dauern, bis auch weitere Golflandstriche dem Gin erliegen, und allen Zweiflern an der Entstehungsgeschichte kann der Destillateur nur sagen: "Unser Problem ist, dass die Geschichte besser ist, als sie jede Werbeagentur erfinden könnte. Wahr ist sie trotzdem." Im Fahrwasser des weltweiten Erfolgs gründeten die golfverrückten Ginproduzenten aus dem Schwarzwald ihre eigenen Turnierserie, den MadEx Cup, und man kann sich vorstellen, welcher Drink dort abends auf den Tisch kommt. "Die Idee ist simpel: Wir spielen Zählspiel beim MadEx Cup, und wer will, kann danach auch noch in verschwitzter Kleidung einen Wurstsalat essen und einen Drink nehmen. Das war's!"

Baden: Udo Walz: vorbildliche Zahnppfege (l.) Mehr Power: Wenn Tim Taylor die Blumen gießt, bleibt kein Auge trockenBaden: Udo Walz: vorbildliche Zahnppfege (l.) Mehr Power: Wenn Tim Taylor die Blumen gießt, bleibt kein Auge trocken
Udo Walz: vorbildliche Zahnppfege (l.) Mehr Power: Wenn Tim Taylor die Blumen gießt, bleibt kein Auge trocken
Diese Geschichte allein sollte bereits Grund genug sein, Baden einmal mit Golfgepäck im Kofferraum einen Besuch abzustatten. Doch dann gibt es da ja noch ein nicht ganz unwichtiges Golfturnier, das im Golf Club St. Leon-Rot stattfindet.

4 G BESCHLEUNIGUNG


Dass die Missionsarbeit der beiden Monkey-Jungs noch längst nicht abgeschlossen ist, erfahren wir wenig später im Golf-Club Freudenstadt, wo niemand im Clubhaus bisher etwas von "Monkey 47", ganz geschweige von Monty Collins, der wenige Kilometer weiter seinen Gasthof betrieb, gehört hat. Zugegebenermaßen wäre Gin aber auch das falsche Getränk für die Runde an diesem 37 C heißen Junitag, der die Fairways des über 50 Jahre alten Platzes knochentrocken und damit extrem schwer zu treffen werden lässt. Es waren Landsleute von Collins, die hier 1929 einen Golf-Club gründeten und den Sport hierher in die Tiefen des Schwarzwaldes brachten.

Am nächsten Morgen sind die Temperaturen kein bisschen gnädiger, doch Fotograf Patrick und ich haben ganz andere Probleme, als wir mit zitternden Knien nach drei Minuten Fahrtzeit aus dem Hyper-Coaster "Silver Star" steigen und gen Ausgang wanken. Diese bereits 13 Jahre alte Achterbahn mit ihrem 73 Meter hohen Lift-Hill, von dem die Wagen mit 69 Gefälle in die Tiefe stürzen, ist immer noch eine der spektakulärsten Highlights des Europa-Park in Rust am Rande des Schwarzwalds. "Wenn ich jetzt einen Golfball schlagen müsste, würde der wahrscheinlich nach hinten fliegen", murmele ich halb in Patricks Richtung und halb zu mir selbst, als wir uns auf einer Bank niederlassen, denn auch meine Hände zittern nach 20 Sekunden negativer Schwerkraft noch bedenklich.

Baden:
60 Minuten später hat sich der Kreislauf allerdings wieder eingekriegt, als wir am ersten Abschlag des Golfclubs Breisgau stehen, und mein Ball findet tatsächlich mehr schlecht als recht das Fairway. Obwohl er noch seine Anzugschuhe trägt, juckt es auch Björn in den Fingern und der Verantwortliche für das neue Golfangebot von Deutschlands grösstem Freizeitpark greift kurzerhand zu meinem Driver um uns, glatte Sohlen hin oder her, zu zeigen, wer hier der Herr im Hause ist. "Unser Geschäftsführer Michael Mack ist leidenschaftlicher Golfer und deshalb mit dem Golfplatz eine Partnerschaft eingegangen", erzählt er während der Runde. "Wir haben ein neues Clubhaus gebaut und auch mit dem Pflegezustand bin ich schon viel zufriedener als noch vor einem halben Jahr." Was in jedem großen Freizeitpark in Amerika zum Standard gehört, hat man nun auch hier für sich entdeckt. Ein eigener Golfplatz komplettiert das Angebot aus Park und Hotels. Handfeste Ehestreitigkeiten, weil Vater es sich einen Tag lang auf dem Golfplatz nett gemacht hat, während Mutter vom völlig reizüberfluteten und von Zuckerwatte aufgestachelten Nachwuchs von Fahrgeschäft zu Fahrgeschäft geschleift wurde, werden dabei billigend in Kauf genommen. Richtig so, denn wir glaubten, bereits seit einer ganzen Dekade dem Freizeitpark-Alter entwachsen zu sein. Falsch gedacht! Ein morgendlicher Adrenalin-Kick bei vierfacher Erdanziehung gibt einem Golftag erst die richtige Würze, und ist das Greenfee Teil des gebuchten Gesamtpakets aus Hotel und Parkeintritt, liegen plausible Argumente bereit, während des Wochenendausflugs die Liebsten für ein paar Stunden allein Spaß haben zu lassen.

Baden: Zuflucht: Bis aufs Fairway sind es 7,9 Kilometer
Zuflucht: Bis aufs Fairway sind es 7,9 Kilometer
Wir begehen nach der Runde im Europa-Park Golfclub den schändlichen Anfängerfehler, unseren eigenen Vorurteilen, was Freizeitpark-Essen angeht, Glauben zu schenken, und suchen uns im kleinen Örtchen Rust eine Pizzeria, die sich schnell als absolute Touristenfalle herausstellt, und uns wird der wohl schlechteste Flammkuchen unseres Lebens vorgesetzt. Am nächsten Morgen klärt uns Björn auf. "Das sind wirklich antiquierte Vorstellungen, die ihr da habt. Unser Park hat sogar ein Restaurant mit zwei Michelin-Sternen zu bieten - das sollte selbst für euch genug sein, oder?" Beim nächsten Besuch hier in Südbaden wissen wir Bescheid.

SHOWDOWN IN HEIDELBERG


Natürlich könnte man so langweilig sein und die 145 Kilometer, die den Europa-Park und den Golf Club St. Leon-Rot trennen, auf der Autobahn zurücklegen, schließlich liegen beide Anlagen direkt an der A5. Doch wer würde so etwas tun, wenn rechts der Autobahn Traumstraßen durch den Schwarzwald verlaufen? Bei einer Gluthitze lassen wir unseren luftgefederten Mercedes GL über die Schwarzwaldhochstraße gleiten, was mindestens so viel Spaß macht wie der "Silver Star" 24 Stunden zuvor, und lassen uns dabei höchstens von Motorradfahrern überholen, die allesamt fahren, als wären sie die in die Jahre gekommenen und mittlerweile deutlich beleibteren Trainer von Valentino Rossi. Im Golfclub Freudenstadt wurde uns hinter vorgehaltener Hand noch erzählt, welche Kehren der Strasse unter Locals auch "Organspenderkurven" genannt werden, und ein Tag bei Bilderbuchwetter auf dieser Strasse lässt keinen Interpretationsspielraum mehr, wo diese Namensgebung ihren Ursprung hat.

Golfplätze in der Region

EUROPA-PARK GOLFCLUB RUST

EUROPA-PARK GOLFCLUB RUST

18 Löcher, Par 72, 6.254 m

Adresse
Am Golfpark 1
79336 Herbolzheim-Tutschfelden
Tel. 07643.936.90
www.gc-breisgau.de

Greenfee
60 Euro (werktags)
70 Euro (Wochenende)

Die Kooperation des benachbarten Europa-Park mit dem Golfclub Breisgau gibt Parkgästen neben Achterbahnen, Shows und Gastronomie auch die Möglichkeit, Golf zu spielen. Ein neues Clubhaus bekam der Golfclub ebenfalls spendiert. Auch der 18-Loch-Championship-Course profitiert von diesem Joint-Venture. Die unter der gnadenlosen Sommersonne von Südbaden auf PGA-Tour-Härte ausgetrockneten Fairways und Grüns sind seit dieser Saison erste Sahne.

Killerloch
Das einzig Positive an Loch 12 ist, dass diese Bahn ihre Schwierigkeiten nicht versteckt. 398 Meter von den Back Tees gilt es, stramm bergauf zu bewältigen, links und rechts des Fairways lauert dichter Wald. Auch das Grün ist kaum besser: Eine Welle, die selbst Kelly Slater erfreuen würde, macht den Drei-Putt hier zum Dauergast.
www.gc-breisgau.de

GOLF-CLUB FREUDENSTADT

GOLF-CLUB FREUDENSTADT

18 Löcher, Par 71, 6.631 m

Adresse
Ziegelwäldle 3
72250 Freudenstadt
Tel. 07441.30.60
www.golfclub-freudenstadt.de

Greenfee
55 Euro (werktags)
65 Euro (Wochenende)

Bereits seit 1929 wird hier im tiefsten Schwarzwald Golf gespielt. Der ursprüngliche Siebenlochplatz wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Übungsgelände der Besatzungstruppen genutzt und somit zerstört. Seit 1954 wird hier oben nun wieder Golf gespielt und seit 1992 sogar auf einem 18-Loch-Platz, der, obwohl neun Löcher erst 23 Jahre alt sind, den Charme eines beinahe 90 Jahre alten Clubs versprüht.

Killerloch
Das Signature Hole der Anlage ist ganz klar die 11, ein von einer Schlucht zerklüftetes Par 4. Ein echter Scorekarten-Killer ist allerdings Loch 9, ein 495 Meter langes Par 5 in Halbmondform mit Ausgrenzen auf beiden Seiten.
www.golfclub-freudenstadt.de

GOLF CLUB St. Leon-Rot

GOLF CLUB St. Leon-Rot

18 Löcher, Par 72, 6.541 m

Adresse
Opelstrasse 30
68789 St. Leon-Rot
Tel. 06227.860.83.00
www.gc-slr.de

Greenfee
95 Euro (werktags)
135 Euro (Wochenende)

Die Spielwiese des Solheim Cup 2015 ist Championship Golf in Reinkultur und sollte auf der "Noch zu spielen"-Liste jedes reisefreudigen Golfers ganz weit oben stehen. Auch wenn die Drive-Landezonen auf den meisten Spielbahnen äußerst großzügig sind, musst du ein Taktikfuchs sein, um diesen Platz halbwegs erfolgreich spielen zu können. Ein guter Matchplan allein reicht jedoch noch lange nicht. Lang solltest du schon auch sein.

Killerloch
Loch 5 ist ein derartig Ball fressendes Par 4, dass die Mitglieder des Clubs vor Jahren noch ihren Abschlag in eine völlig andere Richtung, nämlich über Bahn 6 gespielt haben, um dem Wasserhindernis aus dem Weg zu gehen. Eine Ausgrenze hat dieser äußerst gefährlichen Praktik den Garaus gemacht und nun gibt es vor diesem Monster kein Entkommen mehr.
www.gc-slr.de

GOLF CLUB St. Leon-Rot

BADEN GOLF & COUNTRY CLUB Östringen-Tiefenbach

18 Löcher, Par 72, 6.095 m

Adresse
76684 Östringen-Tiefenbach
Tel. 07259.86.83
www.badengolf.com

Greenfee
60 Euro (werktags)
70 Euro (Wochenende)

Sollte es dir beim Solheim Cup spontan in den Fingern jucken, so ist der Baden Golf & Country Club die erste Wahl. Nur wenige Autominuten von St. Leon-Rot entfernt schlängeln sich 18 feine Spielbahnen durch die Weinberge Nordbadens, die an einem sonnigen Spätsommerabend ein bisschen an die Toskana erinnern. Als Teemarker dienen Weinflaschen, sodass niemals die Frage aufkommt, womit der Doppelbogey-Frust nach der Runde heruntergespült werden soll.

Killerloch
Große Richtungspfähle weisen Ortsunkundigen auf Loch 12 den Weg in Richtung Grün und das ist auch nötig, denn diese Bahn ist nicht nur ein hartes Dogleg, sondern verfügt auch über fast so viele Höhenmeter wie eine Bergtappe der Tour de France.
www.badengolf.com

GOLF CLUB St. Leon-Rot

GOLF CLUB St. Leon-Rot

18 Löcher, Par 72, 6.587 m

Adresse
siehe Platz St. Leon

Greenfee
siehe Platz St. Leon

Mit diesem von Hannes Schreiner entworfenen Platz begann 1997 die Geschichte des Golf Club St. Leon-Rot. Schon zwei Jahre später wurde auf Platz Rot die Deutsche Bank/SAP Open ausgetragen, die Tiger Woods zum ersten Mal nach Good Old Germany lockte, und der Superstar gewann seine Premiere standesgemäß. Obwohl der Profizirkus wenige Jahre später auf den Platz St. Leon umzog, ist Rot auch heute noch ein knackiger Test und zählt zu den besten Plätzen der Republik.

Killerloch
Was soll man zu einem 421 Meter langen Par-4-Dogleg sagen? Auf Loch Nummer 15 ärgert sich auch kaum ein Single-Handicapper über ein Bogey - Mund abwischen und weiterspielen. Auf der 16 folgt umgehend eine Birdie-Chance.
www.gc-slr.de




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