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Die angenehmsten Orte der Welt

Barcelona

21.06.2016 | Von Rudi Schaarschmidt, Fotos: Jacob Sjöman, Getty Images

Es gibt viele tolle Golfplätze in Spanien. Wer aus diesem quantitativ und qualitativ großartigen Angebot herausragt, gehört zur Beletage europäischer Edelwiesen. Der königliche Golfclub El Prat musste zwar schon mehrfach umziehen, aber trotz seiner bewegten Geschichte blieb die Qualität stets über jeden Zweifel erhaben.

E in Bezahlfernsehsender in Deutschland penetriert seine Zuschauer angesichts seines großen Live-Sportangebots mit Werbung für die sogenannte Zweitkarte. Während der Herr des Hauses also weiterhin grölend Fußball glotzt, kann die in der Regel wesentlich bessere Hälfte des Hauses gleichzeitig einen Liebesfilm schauen. Abgesehen von den längst überholten Klischees, die damit bedient werden, soll diese Zweitkarte also die Familienharmonie bewahren. Dieses Prinzip findet man für GolfPunks auch im Real Golf Club El Prat, wobei die Pendants zur TV-Zweitkarte hier Kinderbetreuung, Kleinfeldtennis, Swimmingpool, Fahrradverleih und Fitnessstudio heißen. Darüber hinaus gibt es eine Golfschule für Kids und ein erstklassiges Restaurant in einem modernen Clubhaus mit schöner Terrasse. Diese perfekte Infrastruktur braucht es aber auch, sollte der Golfer seinen nicht golfenden Partner ruhig stellen müssen, denn in diesem edlen Golfclub warten 45 wunderbare Löcher auf ihre Bezwinger.

Eigentlich kaum zu glauben, dass das Spitzen-Resort 22 Kilometer nördlich des Stadtzentrums von Barcelona (zwischen Terrassa und Sabadell) erst vor zwölf Jahren mit einem Match zwischen Greg Norman, Sergio Garcia und dem spanischen Golflehrermeister eröffnet wurde. Seither sieht man Sergio Garcia des Öfteren auf dieser Anlage trainieren. Die Historie des Clubs reicht aber zurück bis ins Jahr 1912, als einige Aristokraten und weitere Herren der feineren Gesellschaft in Pedralbes den ersten Golfclub in Barcelona gründeten, der seit einem Besuch von König Alfonso XIII. den Namenszusatz Real trägt. Als die Stadt im Laufe der Jahrzehnte wuchs und sich ausdehnte und die Anlage zudem für die rasant wachsende Mitgliederzahl zu klein wurde, zog der Club 1954 erstmals um. Eine neue Heimat wurde direkt am Meer in El Prat de Llobregat unweit des Flughafens gefunden. Javier Arana, der bis zu diesem Zeitpunkt die meisten Golfplätze des Landes erbaut hatte, erhielt auch für dieses Projekt den Zuschlag. Für den Bau des Platzes und eines neuen imposanten Clubhauses musste jedes Mitglied 10.000 Peseten (damals knapp 1.000 Mark) berappen. Schon ein Jahr nach der Platzeröffnung war der neue Club Austragungsort der Open de Espaņa, bei der Größen wie Jimmy Demaret, Bob Toski oder Sieger Peter Alliss am Start waren. Arana erweiterte den Platz 1968 um neun weitere Löcher und 1988 folgte der Ausbau auf 36 Löcher von David Thomas.

Die angenehmsten Orte der Welt: Vatertag: blöd, wenn der Bollerwagen keine Räder hat (l.)Die angenehmsten Orte der Welt: Vatertag: blöd, wenn der Bollerwagen keine Räder hat (l.)
Vatertag: blöd, wenn der Bollerwagen keine Räder hat (l.)
Die ganze Mühe - alles für die Katz. Denn unglücklicherweise wurde 1997 eine Erweiterung des Flughafens beschlossen, der der Golfplatz zum Opfer fallen sollte. So begann am 01. Januar 2002 mit dem ersten Spatenstich im Hinterland nahe des Naturparks Sant Llorenį del Munt i l'Obac die jüngste Ära. Als Designer wurde kein Geringerer als Greg Norman gewonnen. Für den Australier, in den 80er- und 90er-Jahren für 331 Wochen die Nummer eins der Weltrangliste, sein Erstlingswerk als Architekt in Kontinentaleuropa, das zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat und auch schon zweimal (2011 und 2015) Austragungsort der Open de Espaņa war.

Heute erstrecken sich über 210 leicht hügelige Hektar 45 Spielbahnen aus des Meisters Hand, wobei neun davon als Par-3-Kurs nur Übungscharakter haben. Bleiben vier Neunloch-Schleifen, die topografisch und architektonisch kaum nennenswerte Unterschiede aufweisen und theoretisch beliebig kombiniert werden können. Praktisch aber sind die 36 Bahnen zumeist in den Open Course, auf dem die großen Turniere ausgetragen werden, und den Blue Course aufgeteilt. Und es ist zumeist viel los in El Prat: ein echter Mitgliederclub im Gegensatz zu vielen anderen Plätzen auf der Iberischen Halbinsel, die rein auf Golftouristen ausgerichtet sind. Das zeigt sich auch an der interessanten Greenfee-Gestaltung. Am Wochenende kommt man erst für happige 228 Euro ins Geschäft, montags dagegen für schlappe 65! Aber selbst wenn man mittwochs bis freitags 114 Euro berappen muss, sprechen wir von einem Tages-Greenfee. Wenn man so will, also 57 Euro pro Platz, was bei dieser Qualität als Schnäppchen durchgehen muss. Das Gastsein ist allerdings auf fünf Tage im Jahr limitiert.

Die angenehmsten Orte der Welt: Landschaftsgärtner: wenn Riesen Weihnachtsplätzchen ausstechen
Landschaftsgärtner: wenn Riesen Weihnachtsplätzchen ausstechen
Wir sind im November da. Frühmorgens. Der Himmel ist blau, die Sonne strahlt, aber nicht kräftig genug, um unsere frühe Startzeit gegen den Bodenfrost zu verteidigen. Bleibt noch Zeit, einen Cortado (Espresso macchiato) zu genießen, was man in Spanien als Kaffeeliebhaber bei jeder sich bietenden Gelegenheit unbedingt tun sollte. Als wir unsere Runde schließlich beginnen, werden wir mit einer ungewohnten Farbenpracht konfrontiert. Gleich sieben Teeboxen lassen auch wirklich allen Spielstärken ihre Möglichkeiten. Schmerzvolle Erfahrungen haben den Vorteil, dass man sie weitergeben und somit andere davor bewahren kann. Also: unbedingt vor der Runde aufs Putting-Grün gehen, um sich mit den Geschwindigkeiten auf diesen pfeilschnellen und perfekten Teppichen vertraut zu machen! Weil man hinterher immer schlauer ist, stehen bei uns nach den ersten vier der allesamt riesengroßen Grüns nicht nur ungläubiges Staunen, sondern auch schon drei Drei-Putts zu Buche. Es wird eine abwechslungsreiche Runde. Einige der allesamt perfekt gepflegten Spielbahnen verlaufen offen und weitläufig, andere werden von Baumreihen flankiert. Fehlschläge bleiben hier wie dort nicht folgenlos. Einige wenige Wasserhindernisse und mächtig viele großzügige Bunker-Landschaften rund um die Grüns verlangen deutlich mehr Präzision als anderswo. Für die Premiere ist ein Birdiebook zwar nicht unerlässlich, aber absolut empfehlenswert.

Die angenehmsten Orte der Welt:
Spanienkundige Golfreisende diskutieren gerne darüber, ob nun der 80 Kilometer nördlich gelegene Ryder-Cup-Bewerber PGA Golf de Catalunya oder El Prat die Reise mehr wert sei. Ist ein Bentley schicker als ein Rolls-Royce? In der Premiumklasse entscheidet der persönliche Geschmack. Der unvergessene Al Bundy musste sich einst zwischen dem Verzehr eines köstlichen Schokoladenkuchens und dem Besuch eines Striplokals mit seinen Kumpels entscheiden. Diesen für ihn furchtbaren Gewissenskonflikt (Schoko oder Titten?) wusste er mit dem Verzehr des Schokokuchens im Striplokal so perfekt zu lösen wie der Golfer, der beiden Resorts seine Aufwartung macht.

Golfplätze in der Region

EL PRAT OPEN COURSE

EL PRAT OPEN COURSE

18 Löcher, Par 72, 6.672 Meter

Adresse
Plans de Bonvilar 17
E-08227 Terrassa, Barcelona
Tel. +34 937.28.10.00
www.rcgep.com

Greenfee
15. Juli bis 31. August: 60 Euro (Mo.) bis 65 Euro (Di.-So.)
01. September bis 14. Juli: Mo.: 65 Euro, Di.: 95 Euro , Mi.-Fr.: 114 Euro, Sa./So.: 228 Euro (ab 14 Uhr: 114 Euro)

Sehr abwechslungsreicher und anspruchsvoller Kurs (Slope 138). Sowohl von Bäumen gesäumte als auch offene Spielbahnen sind wunderbar natürlich in das relativ flache Terrain integriert. Der Stadium-Course-Charakter ist wie gemacht für große Turniere. Die Grüns sind oftmals leicht erhöht, fast immer von Bunkern bestens bewacht, zumeist riesengroß und stark onduliert, was unzählige Möglichkeiten für unglaublich knifflige Fahnenpositionen bietet.

Killerloch
Die 9 ist richtig hart und voller Tücken. Ein Par ist ein gefühltes Birdie. Von den gelben Tees 386 ansteigende Meter lang - für die meisten mit zwei Schlägen kaum machbar. Links drohen Fairway-Bunker, rechts der Ballverlust. Und wer mit dem dritten Schlag den engen Zugang ins diagonal angelegte, hängende und von Bunkern bestens verteidigte Grün anvisiert, der darf sich mit einem Bogey glücklich schätzen.
www.rcgep.com

EL PRAT BLUE COURSE

EL PRAT BLUE COURSE

18 Löcher, Par 72, 6.466 Meter

Adresse
Plans de Bonvilar 17
E-08227 Terrassa, Barcelona
Tel. +34 937.28.10.00
www.rcgep.com

Greenfee
15. Juli bis 31. August: 60 Euro (Mo.) bis 65 Euro (Di.-So.)
01. September bis 14. Juli: Mo.: 65 Euro, Di.: 95 Euro , Mi.-Fr.: 114 Euro, Sa./So.: 228 Euro (ab 14 Uhr: 114 Euro)

Der Blue Course ist von den gelben Tees gute 150 Meter kürzer als das Open-Aushängeschild. Bei vielen Bahnen verursacht der Blick von den Teeboxen Richtung Fairways eher das gegenteilige Gefühl von Entspannung und Beruhigung. Scheinen die Drive-Landezonen enger, sind die Grüns dafür etwas leichter anzuspielen. Insgesamt nicht ganz so ausgefeilt und detailversessen wie der große Bruder und mit Slope 129 zudem etwas unproblematischer.

Killerloch
Ein richtiges Killerloch gibt es eigentlich nicht. Die 8 (Par 4, 363 Meter bergauf), die 10 (ein 524 Meter langes Par 5) und die 17 (Par 4, 373 Meter) sind die drei schwierigsten Bahnen, bei denen ein Par als großer Erfolg angesehen werden darf.
www.rcgep.com




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