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Götterdämmerung: James Bond tat in der Provence keinen Stich

Cote d'Azur

Cannes einiges

12.04.2016 | Von Jan Langenbein, Fotos: Tino Dertz/ZWEI:D

In Südfrankreich gehen wir auf die Jagd nach dem ersten Sonnenbrand der Saison 2016 und treffen unverhofft auf Tony Sopranos Kollegen.

Wenn du diese Zeilen liest, ist das Masters 2016 bereits Geschichte und der Frühling hat begonnen. Im Golfkalender zumindest. Als diese Zeilen geschrieben wurden, waren die Temperaturen vor dem Fenster unserer Redaktion in Hamburg aber noch im unteren einstelligen Bereich angesiedelt und einige Clubs im Umland taten ihren Gästen sogar noch "das Wintergrün" an. Im GolfPunk-Hauptquartier war weder die Geduld noch die Lust vorhanden, auf den Frühling zu warten, also ab ins Flugzeug für ein verlängertes Wochenende! Côte d'Azur? Klingt nach Sonne und Golf im Poloshirt.

PAY THE FERRYMAN!


Es ist keine Wolke am Himmel, als wir über die Alpen in Richtung Nizza fliegen, und in den immer noch vollkommen verschneiten Skigebieten der Schweiz sind Skifahrer als kleine schwarze Punkte zu erkennen, die sich genauso über die Sonne freuen wie wir, nur mit dem kleinen Unterschied, dass wir unsere dicken Daunenjacken zu Hause gelassen haben.

Cote d'Azur: Wenig subtil: Pablo Escobars Lagerbestände (r.)Cote d'Azur: Wenig subtil: Pablo Escobars Lagerbestände (r.)
Wenig subtil: Pablo Escobars Lagerbestände (r.)

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EINEN AMERIKANISCHEN GOLFPLATZ-ARCHITEKTEN ÜBERS KNIE ZU LEGEN IST EINE SACHE, ABER JAMES BOND?
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Eine gute Entscheidung, denn an dem 125 Jahre alten Old Course in Cannes-Mandelieu angekommen sind dank der schon mächtig wärmenden Märzsonne tatsächlich kurze Ärmel angesagt. Nur einem machen die 18 °C zu schaffen: Albon, dem Fährmann. Das mag seiner südeuropäischen Prägung geschuldet sein oder auch der Tatsache, dass der Gute mit seiner kleinen Fähre Golfer den ganzen Tag vom zweiten Grün zum dritten Abschlag und vom zwölften Grün wieder zurück zum 13. Tee über die Siagne schippert. "Keine Ahnung, wie oft ich den Fluss jeden Tag überquere, 250-mal mit Sicherheit", sagt er uns auf Französisch. Aber bedenkt man, wie eingerostet unser Französisch mittlerweile ist, war es vielleicht auch das Rezept seiner Mutter für eine Bouillabaisse. Auf der Sitzbank seiner kleinen Fähre steht eine kleine Kasse für Trinkgeld, falls sich jemand für die natürlich kostenfreie Überfahrt erkenntlich zeigen will. Schon vormittags ist dieses Kästchen ansehnlich gut gefüllt, was nicht weiter verwundert, wenn man beobachtet, mit wie viel Charme und selbstverständlich Küsschen links, Küsschen rechts der Fährmann die Mitglieder vor jeder Überfahrt begrüsst. Nach einer kurzen Hochrechnung des geschätzten Kasseninhalts bis zum Abend spielen wir mit dem Gedanken, unsere Jobs hinzuschmeissen, denn Albon scheint tatsächlich mehr zu verdienen als wir. In Bristol hat schließlich auch bereits ein gewitzter Typ auf dem öffentlichen und kostenlosen Parkplatz des Zoos von jedem Autofahrer ein Pfund Parkgebühr verlangt, um damit nicht nur mehrere Millionen einzunehmen, sondern nach 25 Jahren auch einfach spurlos zu verschwinden.

Cote d'Azur: Am Schnürchen: Das schafft selbst Francesco Schettino
Am Schnürchen: Das schafft selbst Francesco Schettino
Albons Job auf der Fähre des Old Course ist dagegen völlig legitim und sein dickstes Trinkgeld kommt übrigens regelmäßig von einem gewissen Victor Dubuisson, der unweit von hier am Cap d'Antibes seine schwierige Kindheit verbrachte und sich auf diesem Golfplatz zum Weltklassespieler entwickelte. Noch heute geht Victor auf der PGA Tour offiziell für den Golf Club Cannes-Mandelieu an den Start und es verwundert daher nicht, dass im schicken Clubhaus an nahezu jeder Wand ein Stück Memorabilia des Turkish-Airlines-Open-Siegers und Ryder-Cup-Helden hängt. Folglich dürfte es auch nicht schwer zu erraten sein, wer hier den Platzrekord hält.

Ein ähnliches Bild bietet sich uns auch am darauf folgenden Tag im Golf de la Grande Bastide, einem öffentlichen Golfplatz östlich der Parfumhochburg Grasse, wo über dem Tresen im Clubhaus eine eingerahmte Scorekarte hängt, auf der 68 Schläge notiert sind. Unterzeichner der Rekordrunde: Victor Dubuisson. Allzu oft kann Victor hier allerdings nicht ans erste Tee getreten sein, denn Grande Bastide ist von allen Wiesen, die wir auf diesem Trip in Augenschein nehmen durften, mit Abstand die einfachste. Ein Scharfschütze von der Güte eines zweifachen European-Tour-Siegers sollte hier nach ein paar Anläufen eigentlich eine Runde in den tiefen 60ern gebacken bekommen.

Cote d'Azur: Understatement: als Drittboot ganz okay (l.) Wohnungsnot: Das weiße Haus bekommt drei zusätzliche Stockwerke (r.)Cote d'Azur: Understatement: als Drittboot ganz okay (l.) Wohnungsnot: Das weiße Haus bekommt drei zusätzliche Stockwerke (r.)
Understatement: als Drittboot ganz okay (l.) Wohnungsnot: Das weiße Haus bekommt drei zusätzliche Stockwerke (r.)

LÄUFT WIE GESCHMIERT


Den ungefähren Neupreis von Mega-Jachten zu schätzen ist nicht allzu schwer. Hier gilt die alte Faustregel, dass ein Meter Länge einer Million US-Dollar entspricht, und legt man diese Messlatte an die Pötte, die selbst im Frühjahr, also in der absoluten Nebensaison, bereits fest vertäut im Hafen von Cannes liegen, dann wirken die Bentleys, Porsches und Ferraris, die in regelmäßigen Abständen auf der Croisette einem teils genervten, teils interessierten Publikum demonstrieren, wie hoch ihr Drehzahlbereich ausgereizt werden kann, beinahe läppisch. Seit 1946 finden hier im wenig schmucken Palais des Festivals et des Congrès die Internationalen Filmfestspiele statt, weshalb es beinahe unmöglich ist, ein Restaurant in erster Reihe zu finden, dessen Wände nicht mit A-Listern aus Hollywood behängt sind. Auf uns blicken George Clooney und Brad Pitt perfekt frisiert und in 1a sitzenden Smokings herab, als wir uns im "Le Caveau 30" ein ausgiebiges französisches Mittagessen schmecken lassen und ich Tino die sagenumwogene Geschichte des Prince de Provence erzähle.

 
Wohnen

Wohnen

MIMOZAS RESORT
Das "Mimozas Resort" in Cannes grenzt direkt an Loch Nr. 7 des Old Course von Mandelieu an und ist nicht nur deshalb eine perfekte Adresse für Golfer, die einen Trip an die Côte d'Azur planen. Die Appartements (hier gibt es keine klassischen Doppelzimmer) mit Küche bieten bis zu vier Personen komfortabel Platz. Mit dem gesamten Flight in einem Appartement lässt sich den teilweise horrenden Hotelkosten an der französischen Riviera ein Schnippchen schlagen. Das Spa, ein großer Outdoor-Pool und die gut sortierte Bar runden das Wohlfühlpaket für Golfer ab. Und man sollte auch noch die kostenlosen Parkplätze erwähnen, denn die kosten anderswo in Cannes gerne mal 30 Euro die Nacht. All die gesparte Kohle lässt sich dann nämlich bestens in Greenfees investieren.

Adresse:
4 avenue Gaston de Fontmiche
l06210 Mandelieu-la-Napoule
Tel. +33 4.93.48.54.00
www.mimozascannes.com

In den 70er-Jahren kaufte der legendäre Golfplatzdesigner Robert Trent Jones ein mehr als 1.000 Hektar großes Stück Land bei Vidauban etwa eine Autostunde westlich von Cannes. Inmitten der Provence wollte er seinen Traum von einem europäischen Pinehurst verwirklichen und drei Golfplätze bauen. Die gesamten 80er arbeitete Trent Jones an den Plänen, die dann jedoch von Lokalbehörden und Interessengruppen torpediert und auf ein Drittel der ursprünglichen Größe gestutzt wurden. In den frühen 90ern machte sich Robert Trent Jones dann zusammen mit seinem Sohn Robert Trent Jones jr. an den Bau des Prince de Provence, und als die 18 Löcher fertiggestellt waren, bestand für Vater und Sohn kein Zweifel, dass es sich hierbei um eines ihrer besten Werke handelte. Hohes Lob, bedenkt man, dass Trent Jones für zeitlose Klassiker wie den Südkurs des Firestone Country Club und Valderrama verantwortlich zeichnet.

Golfplätze in der Region

Old Course Cannes Mandelieu

Old Course Cannes Mandelieu

18 Löcher, Par 71, 5.520 Meter

Adresse
265 Route du Golf
06210 Mandelieu-la-Napoule
Tel. +33 4.92.97.32.00
www.golfoldcourse.com

Greenfee
90 Euro

Seit 1891 wird hier Golf gespielt, was den Old Course in Cannes zu einem der ältesten Plätze Frankreichs macht. In den vergangenen 125 Jahren hat dieses schöne Fleckchen Land eine Menge unterschiedliche Layouts gesehen, das berühmteste davon stammt von Harry Colt. Dessen charakteristische Bunker verteidigen immer noch einige der Grüns effektiv und sorgen zusammen mit dem britisch anmutenden Clubhaus und den majestätischen Pinien für eine unvergleichliche Old-School-Atmosphäre auf dem Platz. Das "Plock", wenn wieder ein Golfball eine Pinie getroffen hat, gehört hier genauso zum Alltag wie das Röhren eines Ferrari V12 auf der nahe gelegenen Croisette in Cannes.

Killerloch
Schnurgerade und lediglich zwei Grünbunker, das klingt eigentlich nicht nach viel Trouble. Doch trotz dieser simplen Bauweise ist Loch Nummer 4 (389 Meter, Par 4) ein echtes Monster, denn jeder Schlag, der nicht gerade wie ein Laser-Strahl fliegt, wird unweigerlich von den extrem eng am Fairway stehenden Pinien aus der Luft gepflückt.
www.golfoldcourse.com

Riviera Golf - De Barbossi

Riviera Golf - De Barbossi

18 Löcher, Par 71, 5.369 Meter

Adresse
802 Avenue des Amazones
06210 Mandelieu-la-Napoule
Tel. +33 4.92.97.49.49
www.domainedebarbossi.fr

Greenfee
98 Euro (1. April bis 31. Okt.)
82 Euro (1. Nov. bis 31 März)

Auch wenn der Starter am ersten Tee nur Französisch spricht, wird selbst Golfern, die dieser Sprache nicht mächtig sind, schnell klar, was der Mann meint: "Macht euch auf etwas gefasst! Es wird bald sehr hügelig." Der Blick vom ersten Abschlag lässt davon noch nichts erahnen, aber der Mann weiß natürlich, wovon er redet, denn auf den zweiten neun wird dieser Platz zur echten Bergziege. Vorher geht es allerdings erst noch an jeder Menge Kunst vorbei und auch durch einen echten Canyon. Spektakulär das Ganze!

Killerloch
Auch Golf de Barbossi ist aufgrund seiner außergewöhnlichen Topografie alles andere als lang. Auch Mid-Handicapper können hier auf die Back Tees, ohne gleich in Tränen auszubrechen. Loch Nummer 6 wird dann jedoch zum echten Monster, obwohl man das bei 346 Metern Länge gar nicht erwarten würde.
www.domainedebarbossi.fr

GOLF DE LA GRANDE BASTIDE

GOLF DE LA GRANDE BASTIDE

18 Löcher, Par 71, 5.369 Meter

Adresse
761 Chemin des Picholines
06740 Châreaneuf de Grasse
Tel. +33 4.93.77.70.08
www.opengolfclub.com

Greenfee
75 Euro

Der erste Eindruck täuscht. Zwar sieht es am ersten Tee noch so aus, als müsse man sich nun 18 Löcher lang mit jeder Menge Wasserhindernisse herumschlagen, doch kaum ist der erste Ball in Richtung Fairway geflogen, sieht die Welt schon ganz anders aus. Golf de la Grande Bastide ist eine äußerst fair angelegte Wiese, die vom Tee viel Platz bietet und auch auf den Grüns keine allzu kniffligen Anforderungen stellt. Selbst Mid-Handicapper können sich hier die Back Tees zutrauen. Dieser öffentliche Golfplatz ist voll auf Genuss ausgelegt.

Killerloch
Wie aus dem Nichts taucht nach einer entspannten Runde plötzlich Loch 15 auf. Das Par 4 ist lediglich 333 Meter lang, die Drive-Landezone liegt jedoch zwischen zwei großen Wasserhindernissen und das Grün ist eine Miniaturreplik des 18. Grüns in Bay Hill. Hier ist absolute Präzision gefragt - Target Golf!
www.opengolfclub.com

GOLF DE LA GRANDE BASTIDE

Terre Blanche

Adresse
3100 Route de Bagnols en Forêt
83440 Tourettes
Tel. +33 4.94.39.36.93
www.terre-blanche.com

Greenfee
180 Euro (23. März bis 22. Okt.)
120 Euro (26. Feb. bis 22. März & 23. Okt. bis 26. Nov.)
96 Euro (27. Nov. bis 25. Feb.)

Le Riou: 18 Löcher, Par 72, 6.005 Meter
Le Château: 18 Löcher, Par 72, 6.616 Meter

Le Riou: Dieser Platz ist den Mitgliedern und den Hotelgästen vorbehalten und schlängelt sich durch das hügelige Land der Provence. Die teilweise drastischen Höhenunterschiede geben immer wieder großartige Blicke auf die umliegenden Dörfer aus dem Mittelalter frei und die Grüns gehören zum Besten, was der Kontinent zu bieten hat.

Le Château: Der zweite Platz in Terre Blanche ist nicht nur der eigentliche Championship Course - hier findet jedes Jahr das French Riviera Masters der Senior European Tour statt -, sondern steht auch externen Gästen das ganze Jahr über offen. Wer sich auf den vorangegangen Runden an der Riviera bereits an die Back Tees gewöhnt hat, sollte hier wieder etwas Demut walten lassen, denn von hinten ist der Château Course nur für Scratchgolfer zu empfehlen.

Killerloch Le Riou
Es fällt schwer, sich zwischen der 9 und der 18 zu entscheiden. Auf beiden Löchern empfängt über die ganze Länge Wasser rechts die Slicer. Und auch die Gärtner in Terre Blanche tun ihr Bestes, um jeden Spieler vom Wesentlichen abzulenken, denn grüner und blumig bunter als hier im Spätsommer geht es nun wirklich nicht.

Killerloch Le Château
Die 10 ist ein echt knackiger Einstieg in die zweite Hälfte der Runde. Die Länge des Abschlags entscheidet hier darüber, ob der Schlag ins Grün über einen großen See gespielt werden muss, von einem Baumgeblockt wird oder alles in Butter ist. Diesen Luxus hat man hier allerdings nur nach einer Bombe vom Tee.
www.terre-blanche.com




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