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Die angenehmsten Orte der Welt

Tasmanien

01.06.2016 | Von Rüdiger Meyer

In der Zeit, die man nach Australien reist, könnte man den HuLoPo bewältigen oder für eine Runde Golf nach Katalonien und wieder zurück fliegen. Doch einmal angekommen, möchte man das Golf-Paradies in Tasmanien nie mehr verlassen.

Wer auf Barnbougle Dunes und Lost Farm eine Runde Golf spielen möchte, der braucht vor allen Dingen eins: Sitzfleisch. Schließlich sind nicht viele Golfplätze auf der Welt von Deutschland aus schwieriger zu erreichen. Unter 24 Stunden schafft man es kaum, mit dem Flieger Melbourne zu erreichen. Und selbst dann trennt einen immer noch die Bass-Strasse vom Ziel der Träume.

Um die 250 Kilometer breite Meerenge zu überwinden, gibt es drei Möglichkeiten. Wer auf dicke Hose machen will, nimmt sich für 300 Euro eine Chartermaschine, die direkt neben dem zweiten Fairway von Barnbougle Dunes landet. Wer es komfortabler haben will, setzt in einer Schlafkabine auf der "Spirit of Tasmania" über. Und wer wie ich ein Abenteuer sucht, nimmt einen verspäteten Linienflug nach Launceston und landet erst abends in Tasmanien.

Denn die 90 Kilometer Autofahrt vom Flughafen nach Bridport an der Nordküste Tasmaniens sind wie eine Live-Variante des beliebten Handyspiels "Crossy Road". Dass es dabei für viele Kängurus, Wallabys und Wombats schnell "Game over" heißt, sieht man unglücklicherweise an den Kadavern am Straßenrand. Jedes Jahr werden auf Tasmaniens Strassen rund 300.000 Tiere überfahren. Die meisten Unfälle passieren dabei in der Dämmerung, wenn besonders Wallabys vom warmen Asphalt angezogen werden.

Die angenehmsten Orte der Welt: Christian Ziege weiß Bescheid: Hautunreinheiten sind eine unschöne Sache (r.)Die angenehmsten Orte der Welt: Christian Ziege weiß Bescheid: Hautunreinheiten sind eine unschöne Sache (r.)
Christian Ziege weiß Bescheid: Hautunreinheiten sind eine unschöne Sache (r.)
Glücklicherweise blieben mir Slalomfahrten erspart, denn die rund 200 lebenden Wallabys, die mir auf dem Weg begegneten, beschränkten sich darauf, am Rand der Strasse Spalier zu stehen. Nur einmal wurde es brandgefährlich: Ausgerechnet auf der Schotterzufahrt zu Barnbougle Lost Farm entschloss sich ein schwarzer Wombat, direkt vor das Auto zu laufen. Doch eine beherzte Vollbremsung bescherte auch ihm zumindest einen weiteren Lebenstag.

Neun Stunden später wird klar, dass sich der Adrenalinschub gelohnt hat. Denn die nächtliche Anreise beschert mir einen unvergesslichen Überraschungseffekt, als ich bei Sonnenaufgang zum ersten Mal von meiner Veranda auf den Golfplatz, die Dünen und die Anderson Bay blicke. Bis 2003 hätte ich hier nur ein paar Schafe und Kühe sehen können, woraus sich auch die Namen des Resorts herleiten. "Barnbougle" heißt so viel wie "Schäferhügel". Und "Lost Farm" bezieht sich auf eine Ebene zwischen den Dünen, auf der Farmer oft ihre verschwundenen Weidetiere wiederfanden.

Dass sich heute nicht mehr Tiere, sondern Menschen auf dem Land tummeln, liegt am damals 23-jährigen Greg Ramsay. Der junge Golf-Fan sah die Dünen, hatte sofort einen Links-Platz vor seinem geistigen Auge und wollte den Eigentümer des Landes, Kartoffelfarmer Richard Sattler, von seinen Plänen überzeugen. Doch der zierte sich. "Meine Frau sagte mir, ein junger Mann wolle mit mir über einen Golfplatz reden. Ich dachte, der muss verrückt sein, also habe ich ihm nicht geantwortet."

Die angenehmsten Orte der Welt: Nicht Sachsen-Anhalt: Grün und Braun gehen Hand in Hand ...
Nicht Sachsen-Anhalt: Grün und Braun gehen Hand in Hand ...
Doch Ramsay ließ nicht locker, konnte den harten Knochen erweichen und den weltberühmten Golfplatzdesigner Tom Doak sowie den australischen Ex-Profi Michael Clayton als Architekten gewinnen. Das Duo schuf am anderen Ende der Welt den vielleicht besten Golfplatz, den man für Geld spielen kann. Und davon braucht es nicht einmal viel, denn für gut 70 Euro ist man selbst in der Hochsaison dabei. Und wer wie ich nicht genug bekommt, kann für 95 Euro von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang spielen: das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, das es auf der Welt gibt.

Dabei sind die ersten beiden Löcher noch vergleichsweise unspektakulär. Erbaut auf dem flachsten Terrain des Platzes haben sie zwar einen hohen strategischen Reiz, der Wow-Faktor hält sich allerdings in Grenzen, wenn man einmal von den niedlichen Wallabys absieht, die hier am frühen Morgen über die Fairways hüpfen. Ich mache meinen ersten Freudensprung hingegen auf dem leicht erhöhten dritten Abschlag, der durch einen visuellen Trick das Fairway recht schmal erscheinen lässt. Dabei ist die Landezone breit genug, um einige der nebenan stehenden Cessnas starten und landen zu lassen. Ein typisches Markenzeichen von Tom Doak, der Fairness für alle Handicap-Klassen großschreibt. Großartig Sorgen um verloren gegangene Bälle vom Tee muss man sich nicht machen - und wenn doch mal einer in die Büsche geht, hilft eine lokale Platzregel, nach der diese wie seitliche Wasserhindernisse zu behandeln sind. Die grösste Herausforderung auf Doaks Plätzen sind dagegen die Schläge ins und ums Grün, wo starke Ondulierungen und anspruchsvolle Bunker warten. Diese Erfahrung mache ich gleich am dritten Grün, als mein Ball in einer zum Bunker umfunktionierten Düne landet.

 
Wohnen

Wohnen

Lost Farm Lodge
Wer es rustikaler mag und eine günstige Unterkunft für einen Buddy-Trip sucht, mietet sich in einem der Cottages in Barnbougle Dunes ein. Allen anderen seien die Lodges in Barnbougle Lost Farm empfohlen. Nicht nur, weil die gerade mal 140 Euro teuren Zimmer edler sind, was man schon an den zwei Fernsehern und der edlen Ledergarnitur sieht, sondern weil es in Lost Farm ein famoses Club-Restaurant gibt, das seinesgleichen sucht. Auf der höchsten Düne gelegen, bietet es einen fantastischen Blick über den Platz und das Meer - und ein exquisites Menü, dessen Höhepunkt die Steaks von Sattlers eigenen Rindern darstellen.
www.barnbougle.co.au

Deren Dimensionen verblassen bereits ein Loch später, wo eines der cleversten konzipierten Par 4s wartet. Mit 270 Metern Länge von den Back Tees bringt es den Golfer vor allem bei Rückenwind in Versuchung, den heroischen Schlag aufs Grün zu versuchen, bei dem man jedoch den Verlust des Balls riskiert. Ich entscheide mich für die Weichei-Linie und lege mit einem kleinen Hybrid vor. Aber selbst das ist nicht ohne Risiko, denn ein Tick zu lang oder zu weit rechts und man landet in einem zehn Meter tiefen Bunker, aus dem es fast nur mit dem Hand-Wedge ein Entkommen gibt.

Golfplätze in der Region

Barnbougle Dunes

Barnbougle Dunes

18 Löcher, Par 71, 6.148 Meter

Adresse
425 Waterhouse Rd.
Bridport TAS 7262
Tel. +61 3.63.56.00.94
www.barnbougle.com.au

Greenfee
65 Euro (1. Mai bis 30. Sept.)
72 Euro (1. Okt. bis 30. April)

Golfplatzarchitekt Tom Doak gilt als Minimalist, weil er seine Plätze mit wenig Erdbewegungen baut. Doch wenn man Barnbougle Dunes sieht, muss man ihn als Maximalisten bezeichnen, denn mehr konnte man hier nicht herausholen. Ein spektakuläres Loch jagt das nächste, die Ausblicke sind sensationell und der Platz ist tough, aber dennoch für alle Handicap-Klassen spielbar. Und das Grün der 13 ist so endgenial onduliert, dass man einen halben Tag chippen und putten könnte, ohne sich zu langweilen.

Killerloch
Als ich auf der 8 meinen fünften Schlag lochte, war ich megastolz, vermeintlich Par gespielt zu haben. Erst später merkte ich, dass das 446 Meter lange Monster tatsächlich ein Par 4 ist. Um hier Par zu spielen, braucht man zwei Dinge: erstens Rückenwind und zweitens einen Drive, der die höher gelegene linke Hälfte das Fairways trifft.
www.barnbougle.com.au

Lost Farm Golf Links

Lost Farm Golf Links

20 Löcher, Par 78, 6.503 Meter

Adresse
429 Waterhouse Rd.
Bridport TAS 7262
Tel. +61 3.63.56.00.94
www.barnbougle.com.au

Greenfee
65 Euro (1. Mai bis 30. Sept.)
72 Euro (1. Okt. bis 30. April)

Das Erstaunlichste an Lost Farm ist, dass der erste Kurs nicht hier gebaut wurde, denn die Dünen sind noch einmal deutlich imposanter als nebenan. Dass Architekt Bill Coore hier überhaupt ein Routing durch die Dünen gefunden hat, ist ein kleines Wunder. Dass der Platz auch für schwächere Golfer spielbar bleibt, ist ein großes. Wie auf Barnbougle Dunes ist der Fun-Faktor auch hier extrem hoch, was nicht zuletzt an den kurzen Par 4 liegt, die allen eine Birdie-Chance bieten.

Killerloch
Die 433 Meter lange 5 hat eigentlich eine großzügige Landezone, doch davon sieht man auf dem Tee nichts: Eine imposante, 20 Meter hohe Düne versperrt den Blick auf zwei Drittel des Fairways. Wer das Par 4 mit dem zweiten Schlag erreichen will, muss den Drive mit einem Stoßgebet dort rüberzielen, sonst wird es zum Par 5.
www.barnbougle.com.au




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