VIELE WIRD ES ÜBERRASCHEN, DICH MIT EINEM GOLFSCHLÄGER IN DER HAND ZU SEHEN. WELCHE ROLLE SPIELT GOLF FÜR DICH?
Der Golfplatz ist für mich ein Ort, an dem ich dem Alltag entfliehen kann. Ich glaube, jeder Mensch braucht Ruhepole. Für mich sind das Golf und Island. Meine Heimat ist mein Rückzugsort - und Golf irgendwie auch. Ich führe ein ziemlich volles, ausgefülltes Leben, bin viel unterwegs und muss oft gesellig sein. Aber was viele nicht wissen: Ich bin eigentlich introvertiert. Deshalb ist Golf für mich etwas sehr Wertvolles. Es ist ein Refugium.
WARUM ZIEHT GOLF SO VIELE FUSSBALLER AN?
Wahrscheinlich, weil Fußballer im Vergleich zu vielen anderen Berufen ungewöhnliche Zeitfenster haben. Man arbeitet eben nicht klassisch von neun bis fünf Uhr. Außerdem ist Golf eine der wenigen Sportarten, die man neben dem Fußball überhaupt ausüben darf. Skifahren oder ähnliche Dinge sind oftmals tabu. Viele Fußballer nutzen ihre freie Zeit also für Golf. Ich war nie jemand, der stundenlang PlayStation gespielt hat, und ich glaube, viele andere auch nicht.
WAS WAR FÜR DICH PERSÖNLICH DER GRÖSSTE MOMENT IN DEINER FUSSBALLKARRIERE?
Es gab mehrere. Auf jeden Fall gehört mein erstes Länderspiel für Island dazu. Dann natürlich die Weltmeisterschaft 2018. Und einige Spiele in der Champions League mit dem FC Kopenhagen waren ebenfalls persönliche Highlights. Ich habe gegen Teams wie Galatasaray, Juventus und Real Madrid gespielt. Gerade das Spiel gegen Real ist mir im Kopf geblieben. Heute lebe ich in Madrid, fahre manchmal am Bernabéu vorbei und denke daran zurück. Ich habe nach dem Spiel gegen Real mit Ronaldo das Trikot getauscht. Mein neunjähriger Neffe ist fußballverrückt, und wenn er mich in Island besucht, zieht er immer dieses Trikot an. Es liegt bei mir zu Hause in einer Schublade und er liebt es.
GAB ES EINEN VEREIN, BEI DEM DU DACHTEST: "DA WÜRDE ICH UNBEDINGT GERNE SPIELEN"?
Als ich jünger war, definitiv. Ich war schon immer Tottenham-Fan. Ich habe in jungen Jahren in England bei Charlton Athletic gespielt - da war ich 17, noch sehr schmächtig und unerfahren. Natürlich träumst du davon, einmal für einen der Top-Clubs zu spielen. Ich habe aber irgendwann beschlossen, lieber stolz auf das zu sein, was ich erreicht habe, als ständig darüber nachzudenken, was hätte sein können.


»ICH MAG EHER DIE KLASSISCHE RICHTUNG ODER OVERSIZE-SHIRT UND HIGH-WAISTHOSEN WIE MICHAEL JORDAN. DAS HATTE PERSÖNLICHKEIT.«
Einer meiner besten Freunde hatte sich im Spiel verletzt und ich kam von der Ersatzbank ins Spiel. Ein Freund von mir beschreibt die Szene bis heute sehr lustig: Die Kamera zeigt mich, wie ich von der Bank aufstehe, mein Trikot richte, und dann kommt dieser Windstoß in die Haare. Das war offenbar ein filmreifer Moment. Nach dem Spiel hat eine argentinische Schauspielerin über mich gepostet, dass ich gut aussehe oder so ähnlich. Das sind nicht meine Worte, aber so fing es an. Als das Spiel begann, hatte ich 30.000 Follower auf Instagram. Nach dem Spiel waren es 800.000 oder 900.000. Später ging es bis auf 1,4 Millionen. Das war völlig absurd. Ich kam in die Kabine und dachte nur: "Was habe ich falsch gemacht?" Aber ich hatte ja nichts getan. Es ist einfach passiert.
DU GEHST HEUTE ZIEMLICH ENTSPANNT MIT SOCIAL MEDIA UM. WÜRDEST DU DICH ALS INFLUENCER BEZEICHNEN?
Nein, überhaupt nicht. Mit 38 Jahren würde ich mich niemals Influencer nennen. Ich poste einfach Dinge, die ich mag, und versuche, authentisch zu bleiben. Ein Teil davon ist natürlich auch bezahlt, aber das meiste nicht. Ich teile schöne Dinge, Empfehlungen oder Eindrücke aus meinem Alltag, weil ich Lust darauf habe. Aber ich mache das nach meinen eigenen Regeln. Das ist mir wichtig. Vieles in den sozialen Medien ist schön, aber gleichzeitig hat sich da auch einiges in eine seltsame Richtung entwickelt. Ich könnte nicht irgendwo in der Innenstadt mein Handy in ein Schaufenster halten und vor der Kamera tanzen. Das wäre einfach nicht ich.
LIEST DU KOMMENTARE UND NACHRICHTEN, DIE DIR LEUTE SCHREIBEN?
Manchmal schon. Ich habe da aber wirklich Glück. Ich bekomme in den sozialen Medien fast nur Liebe und gute Nachrichten und dafür bin ich sehr dankbar.
DU BIST NACH DER FUSSBALLKARRIERE DEN SCHRITT IN RICHTUNG SCHAUSPIEL, TV UND NEUE PROJEKTE GEGANGEN. WIE HAT DAS BEGONNEN?
Ganz ehrlich: Ich habe meine Fußballkarriere beendet, ohne einen Plan zu haben - gar keinen. Ich hatte keine konkrete Idee, keine festgelegten Träume. Ich wollte einfach frei sein. Meine Mutter war gestorben und ich hatte das Gefühl, dass ich mein Leben anders leben möchte. Ich wollte mehr Zeit mit meiner Familie verbringen und mir erlauben, Neues zu entdecken. Alles, was ich heute mache, hat sich irgendwie von selbst ergeben. Ich habe damals bewusst entschieden, dass ich zu neuen Dingen Ja sagen will. Viele Menschen bleiben gern in ihrer Komfortzone, aber genau dort entwickelt man sich oftmals nicht weiter. Für mich war der spannende Teil dieses Übergangs, dass ich ganz neue Menschen und Welten kennengelernt habe. Ich war bei vielen Entscheidungen total gestresst. Aber ich habe trotzdem Ja gesagt und akzeptiert, dass man sich manchmal eine Zeit lang unwohl fühlt. Danach wächst man daran.
WAS WAR DEIN ERSTES ANGEBOT NACH DEM LEBEN ALS FUSSBALLER?
Das war lustigerweise ein Filmangebot von unserem Nationaltorwart Hannes Þór Halldórsson - also dem Mann, der im WM-Spiel gegen Argentinien den Elfmeter von Messi gehalten hat. Er wurde später Regisseur und drehte direkt nach meinem Karriereende eine Komödie in Island. Er fragte mich, ob ich in "Cop Secret" mitspielen wolle. Ich sagte: "Klar!", obwohl ich gar nicht schauspielern konnte. Ich hatte am Ende gerade mal eine Dialogzeile, aber dafür eine große Kampfszene. Im Vertrag stand, dass ich lediglich zwei Kung-Fu-Trainingsstunden absolvieren solle, den Rest würde ein Stunt-Double übernehmen. Aber ich dachte: "Nein, ich lerne das jetzt richtig!" Also bin ich monatelang jeden Tag 40 Minuten zum Training gefahren und habe zwei Stunden Kung-Fu trainiert. Am Ende habe ich die Szene selbst gespielt. So bin ich einfach: Wenn ich zu etwas Ja sage, dann will ich es richtig machen.
IN DEUTSCHLAND BIST DU DANN BERÜHMT GEWORDEN, WEIL DU BEI "LET'S DANCE" GEWONNEN HAST.
Ja, und darauf bin ich auch stolz. Nicht nur weil ich gewonnen habe, sondern weil ich überhaupt den Mut hatte mitzumachen. Das war wieder so eine Situation, in der ich mich zuerst ziemlich unwohl gefühlt habe. Aber ich habe trotzdem Ja gesagt. Und am Ende hatte ich eine großartige Zeit.

Definitiv. Vor allem Disziplin und Vorbereitung. Wie im Fußball muss man auch am Set top vorbereitet sein. Es gibt für mich kaum etwas Nervigeres, als wenn Menschen unvorbereitet auftauchen und ihren Job nicht ernst nehmen. Eine vernünftige Vorbereitung ist extrem wichtig. Und Gelassenheit auch. Ich habe aus dem Sport gelernt, in stressigen Situationen ruhig zu bleiben, egal ob am Set oder vor großem Publikum.
WIE BIST DU SELBST SO RICHTIG INS GOLFEN REINGEKOMMEN?
Ich hatte zwar in jungen Jahren schon mal einen Golfschläger, aber nie wirklich Unterricht. Ich habe vielleicht ein- oder zweimal im Jahr gespielt und war wirklich schlecht. Erst nachdem mein Vater angefangen hatte, wollte ich es richtig lernen. Nicht einfach nur rausgehen und blind draufhauen, sondern die Technik verstehen, das Spiel wirklich begreifen. Genau das ist für mich heute der Reiz am Golf, die Verbesserung. Ich habe mir Videos angeschaut, Zeit investiert, trainiert und gemerkt, wie süchtig einen dieser Fortschritt machen kann. Letztes Jahr war ich auf Teneriffa mit meinem Vater und habe so schlecht gespielt, dass ich dauernd Bälle verloren habe. Danach nahm ich mir vor, es jetzt wirklich ernst zu nehmen. Und zum Glück habe ich mich innerhalb weniger Monate schon deutlich verbessert.
DU HAST MAL GESAGT, DASS DIR GOLF MIT DEINEM VATER BESONDERS WICHTIG IST. WARUM?
Weil mein Vater erst sehr spät mit Golf angefangen hat. Er ist heute 70. Nach dem Tod meiner Mutter lernte er eine neue Partnerin kennen und sie war total golfbegeistert. Dadurch begann er mit 68, selbst zu spielen. Die ersten Runden mit ihm waren chaotisch. Ich hätte eigentlich Wanderschuhe gebraucht, weil ich ständig irgendwo im Lavafeld oder im Wald stand und Bälle suchte. Aber darum ging es gar nicht. Wenn ich mit meinem Vater Golf spiele, dann gibt es in diesem Moment nur uns beide, sonst nichts. Es geht darum, Erinnerungen zu schaffen. Er wird älter und diese gemeinsame Zeit ist einfach unglaublich wertvoll.
GOLF KANN ABER AUCH BRUTAL FRUSTRIEREND SEIN. WIE GEHST DU MIT SCHLECHTEN TAGEN UM?
Ich versuche, den positiven Weg zu wählen, und konzentriere mich auf die guten Schläge. Gestern hatte ich, glaube ich, drei Par und auf die schaue ich lieber zurück als auf die schlechten Drives oder misslungenen Schläge. Wenn man zu viel von sich selbst erwartet, ist man automatisch ständig frustriert. Das bringt nichts.
WIE IST GOLF IN ISLAND?
Golf ist in Island extrem beliebt, wirklich extrem. Vor allem in Reykjavík und Umgebung muss man Startzeiten oft Tage im Voraus buchen. Es wird immer populärer und ich hoffe, dass darauf auch reagiert wird und mehr Plätze gebaut werden. Gleichzeitig ist Golf in Island natürlich speziell. Das Land ist wunderschön, aber das Wetter nicht immer ideal. Ich spiele ehrlich gesagt lieber in Spanien mit mehr Sonne, höheren Temperaturen und weniger Wind.


Am liebsten spiele ich mit meinem Vater oder mit Freunden. Idealerweise wache ich in Spanien auf - oder hier in Schweden auf diesem fantastischen Platz. Dann trinke ich einen guten Kaffee, esse ein schönes Frühstück und gehe bei Windstille auf den Platz. Es sind 30 Grad, die Sonne scheint und im Buggy stehen ein paar Bier. Ich brauche wirklich nicht viel.
HAST DU SPORTLICHE ZIELE IM GOLF?
Ich will einfach besser werden - und zwar möglichst schnell. Vor allem möchte ich an den Punkt kommen, an dem ich am ersten Abschlag nicht mehr so nervös bin - besonders wenn Leute zuschauen. Ich bin noch auf einem Level, auf dem der Ball theoretisch überall hinfliegen kann. Ich möchte so sicher werden, dass ich einfach an den Abschlag gehe und weiß: Das wird ein guter Schlag.
HAST DU EINEN LIEBLINGSGOLFER?
Ja, Bryson DeChambeau. Ich schaue seinen YouTube-Kanal oft. Ich finde ihn sehr sympathisch und interessant. Er tut aus meiner Sicht viel für den Golfsport, gerade auch für ein jüngeres Publikum. Ich glaube, er ist einer der Gründe, warum Golf für jüngere Menschen attraktiver geworden ist. Golf darf ruhig formell bleiben, aber es darf nicht steif und verkrampft sein. Man muss den Sport genießen können.
DU INTERESSIERST DICH AUCH FÜR STIL. WIE WICHTIG IST DIR DAS AUF DEM GOLFPLATZ?
Sehr wichtig. Dieses ganze Nylon- und Performance-Zeug ist nicht wirklich meins. Ich brauche keine superengen Hosen und diese komplett technisch durchgestylten Looks. Ich mag eher die klassische Richtung oder Oversize-Shirt und High-Waist-Hosen wie Michael Jordan. Das hatte Persönlichkeit. Und dann gehört für mich eine coole Uhr, wie meine Omega, einfach dazu. Ich liebe ihren zeitlosen Charakter. Modern ist gut, aber ich würde mich freuen, wenn es wieder etwas mehr in Richtung Retro ginge.
WO SIEHST DU DICH IN FÜNF JAHREN?
Ganz ehrlich: Ich muss manchmal schon in meinen Kalender schauen, um zu wissen, wo ich morgen bin. Ich habe gelernt, nicht zu weit im Voraus zu planen. Mein Leben hat sich in den letzten drei, vier Jahren in so viele Richtungen entwickelt, mit denen ich nie gerechnet hätte. Ich hätte niemals gedacht, dass ich einmal in Netflix-Filmen oder großen deutschen Kinoproduktionen mitspielen würde. Wenn ich einfach weiter hart arbeite und bei allem mein Bestes gebe, werde ich in fünf Jahren an einem guten Punkt sein. Und genau das ist mein Ziel.



