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Quick-Interview

Tyrrell Hatton

07.09.2016 | Von Jan Langenbein, Fotos: Getty Images

Seit fünf Jahren verdient Tyrrell Hatton als Profigolfer sein Geld und geschenkt wurde dem Engländer seither wirklich nichts. Doch die Tagelöhnerei auf den Mini-Touren ist längst vorbei, denn die Top 50 der Weltrangliste sind in Sichtweite und der erste Sieg auf der European Tour wird sicher auch nicht mehr lange auf sich warten lassen.

GP: Wie ist dein Golfspiel zurzeit? Bist du nach deinem Höhenflug in Schottland immer noch gut in Form?
TH: Das letzte Turnier, das ich gespielt habe, war die Wyndham Championship auf der PGA Tour. Dort habe ich den Cut verpasst, das war also nicht wirklich optimal. Abgesehen davon bin ich natürlich sehr zufrieden mit der Saison bisher.

GP: Das will ich doch meinen. Zweiter Platz bei der Scottish Open, fünfter bei der Open Championship - das ist ein toller Sommer. Was sagen dir solche Ergebnisse über dein Spiel und deine Möglichkeiten auf der Tour?
TH: Insbesondere der zweite Platz bei der Scottish Open hat mir eine Menge Selbstvertrauen gegeben und einen Platz im Feld der Open Championship gesichert. Das gewonnene Selbstvertrauen konnte ich dann zum Glück mit nach Troon nehmen. Viermal bin ich vorher schon bei der Open angetreten und leider habe ich jedes Mal den Cut verpasst. Mein fünfter Platz in diesem Jahr zeigt mir, wie wichtig das Vertrauen ins eigene Spiel ist.

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AUF EINER MINITOUR HAT MAN STÄNDIG DAS ZIEL, SO VIEL GELD WIE MÖGLICH ZU ERSPIELEN.
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GP: Was braucht es deiner Meinung nach, um auf der European Tour einen Sieg einzufahren?
TH: Um zu gewinnen, darf das Glück nicht fehlen. Der Unterschied zwischen einem Top-Five-Ergebnis und einem Sieg sind oft nur zwei oder drei gelochte Putts. Während einer Woche müssen also eine gute Form, das Vertrauen in den eigenen Schwung und das Glück zusammenkommen.

GP: Stimmt es, dass dein Vater auch dein Coach ist?
TH: Ja, das stimmt.

GP: Ein Familienbetrieb sozusagen. Kann das nicht zu Problemen und zu gelegentlichen Verstimmungen führen?
TH: Natürlich gibt es auch mal Meinungsverschiedenheiten, aber meistens ist unser gemeinsames Training sehr erfolgreich. Er hat mich zum ersten Mal mit auf den Golfplatz genommen, als ich drei Jahre alt war. Seit ich elf gewesen bin, trainiert er mich schon und der Erfolg gibt uns Recht. Er kennt meinen Schwung wie kein Zweiter.

GP: Ruft er dich an, wenn er dich bei einer Fernsehübertragung sieht, und teilt dir mit, falls er Fehler im Schwung sieht?
TH: Nein, normalerweise bin ich es, der sich meldet. Oft erzähle ich ihm nach einer Runde am Telefon oder über WhatsApp, wie sich der Schwung anfühlt und wo meine Fehlschläge landeten. Diese Informationen reichen ihm oft schon aus, um mir zu sagen, worauf ich am nächsten Tag auf der Driving Range besonders achten soll.

GP: Du hast dich von Mini-Touren wie der Hooters Tour über die Challenge Tour bis auf die European Tour hochgearbeitet. Das ist sozusagen eine Golfkarriere auf die harte Tour. Spiegelt sich dieser Karriereweg in deinem Golfspiel wider?
TH: Nicht wirklich, denn ich habe seit meiner Zeit als Amateur nichts Grundlegendes an der Art und Weise, wie ich Golf spiele, verändert. Meine Trainingsroutinen sind immer noch dieselben.

GP: Ich habe gelesen, dass du die Mini-Touren einmal als die "Hunger Games des Profigolfs" bezeichnet hast...
TH: Das habe ich so nie gesagt. Das wurde zu einem Interview dazugedichtet.

GP: Dann stelle das doch hier mal klar: Wie ist das Leben auf der Hooters Tour?
TH: Auf einer Mini-Tour hat man ständig das Ziel, so viel Geld wie möglich zu erspielen. Man versucht schließlich, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Preisgelder dort sind nicht hoch verglichen mit den Kosten, die man für Anreise und Hotels aufbringen muss. Es kann hart sein, keine Frage.

 

Steckbrief

Alter: 24 Jahre
Wohnort: Marlow, England
Profi seit: 2011
Lieblingsverein: Liverpool FC
Erfolge:
2012 Your Golf Travel Classic (PGA EuroPro Tour)
2012 Caversham Heath (Jamega Pro Tour)
2014 T2 Joburg Open (European Tour)
2016 2. Scottish Open
2016 5. Open Championship

GP: Ist der Druck höher, wenn man während einer Schlussrunde tatsächlich um den Lebensunterhalt spielt im Vergleich zum recht einträglichen Leben auf der European Tour?
TH: Das kann man so nicht sagen. Als Profi will man immer gut abschneiden, egal bei welchem Turnier. Der Sieg ist das Wichtigste, übers Geld denkt man während eines Turniers nicht nach.

GP: Du bist nun ein fester Teil der European Tour. Hast du ein Lieblingsturnier?
TH: Mein Lieblingsturnier ist Wentworth. Dieses Turnier habe ich bereits als Kind besucht. Daher ist es immer etwas Besonderes, bei der BMW Championship anzutreten. Ich wohne nur 30 Minuten entfernt, kann im eigenen Bett schlafen und die Familie und viele Freunde kommen auf die Anlage, um mich spielen zu sehen.




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