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Scotty Cameron

Legendäre Putterstudios

Die fantastischen 4

04.08.2016 | Von Jan Langenbein

Was du schon immer über Putter wissen wolltest, können Scotty Cameron, Bob Bettinardi, Austie Rollinson und Robbie Sowden unter Garantie beantworten.

Für Uneingeweihte ist Scotty Camerons legendäres Putter Studio in Südkalifornien mindestens so schwer zu finden wie die Bar "Tausend" in Berlin. Kein Schild weist von der Straße zur Eingangstür und selbst vor der Pforte ins Allerheiligste gibt kein Schriftzug einen Hinweis, was sich hinter diesem unscheinbaren Eingang verbirgt. Nur geladene Gäste haben Zugang zu Meister Scottys Studio, wo er mit Schleif- und Fräsmaschinen einige der begehrtesten Puttermodelle aller Zeiten geschaffen hat. Zwischen alten Schwinn-Cruisern und Surfboards pflegt der Meister der Putter den kalifornischen Lifestyle par excellence und es ist leicht zu verstehen, warum sich die Superstars der PGA Tour hier die Klinke in die Hand geben. Dies ist die Sixtinische Kapelle des Putter-Baus und der Strand ist direkt um die Ecke.

GP: Warum sollte man bei der Wahl des Putters mindestens genauso sorgfältig sein wie beim Kauf eines Drivers?
SC: Ich bin der Meinung, dass das Putten der wichtigste Teil des Golfspiels ist. Mehr Spieler können ihr gesamtes Golfspiel durch Putten als durch Abschlagen verbessern, indem sie einen Putter finden, den sie lieben. Als Putter-Bauer muss ich das natürlich sagen, aber es ist Fakt, dass man einen Driver maximal 14-mal pro Runde benutzt, den Putter dagegen 30- bis 32-mal.

GP: Wie bist du zum Schlägerbau gekommen?
SC: Mein Vater spielte Handicap 2 und bastelte nach Feierabend in der Garage gerne an Persimmon-Hölzern herum. Zusammen mit meinem Vater habe ich bereits mit neun Jahren Heel-Toe-Putterköpfe mit einfachstem Werkzeug aus Aluminiumblöcken gefräst. Diese Prototypen habe ich dann mit auf den Platz genommen und später meinem Vater berichtet, was ich daran gut und was ich weniger gut fand. Er starb, als ich 13 Jahre alt war, aber ich blieb dabei und baute Putter für mich und meine Freunde. Als ich am College war, kamen dann zum ersten Mal Firmen auf mich zu und wollten bestimmte Designs von mir kaufen oder fragten an, ob ich Putterköpfe für sie fräsen könnte.

GP: Die Berufswahl fiel also leicht?
SC: Ja. Ich stattete wie gesagt einige meiner Freunde mit meinen Puttern aus und so schaffen es meine Entwicklungen auf die Touren, damals meist noch kleine Turnierserien in Kalifornien, bald aber auch bis auf die Nationwide Tour und die PGA Tour. So wurden dann schnell große Firmen der Golfindustrie auf mich aufmerksam und baten mich, Putter für sie zu entwickeln. 1991 entschloss ich mich, mein eigenes Unternehmen zu gründen. 1993 gewann Bernhard Langer mit einem meiner Putter das Masters. Von da an wurde es richtig verrückt

Legendäre Putterstudios: Bob Bettinardi (l.), Robbie SowdenLegendäre Putterstudios: Bob Bettinardi (l.), Robbie Sowden
Bob Bettinardi (l.), Robbie Sowden
GP: Gibt es Putter, die mehr auf Amateure, und Putter, die mehr auf Profis zugeschnitten sind?
SC: Die Putter für Titleist, die in die Shops gehen, werden auf denselben Maschinen wie die Putter für die Tour hergestellt. Es ist also nicht so, dass die besten an die Profis gehen. Jeder bekommt dasselbe. Der Puttstil hat sich in den letzten 20 Jahren allerdings dank Spielern wie Mark O'Meara oder Tiger Woods dramatisch verändert, was sich auch auf das Spiel der Amateure auswirkt. Heute beschreiben die Arme beim Putten eine großes V, während die Arme damals stark angewinkelt waren und die Handgelenke stark bewegt wurden. Wir reagieren auf solche Entwicklungen beispielsweise mit schwereren Schlägerköpfen und kürzeren Schäften.

GP: Kannst du uns eine Checkliste geben für den Wochenendspieler, der einen neuen Putter sucht?
SC: Vier Faktoren sind wichtig beim Putterkauf. Erstens: die Körperhaltung. Wir haben herausgefunden, dass die Länge des Schafts die Position der Augen bestimmt. Ist der Schaft zu lang, befinden sich die Augen meist hinter dem Putter und der Toe zeigt nach oben, was zu einer von innen nach außen verlaufenden Schwungbahn führt. Zweitens: das Gewicht. Kürzere Schäfte verlangen nach schwereren Schlägerköpfen. Jeder muss selbst entscheiden, ob das Gesamtgewicht des Putters angenehm ist. Drittens: der Loft. Loft spielt auch beim Putter eine wichtige Rolle. Unsere Putter verfügen über vier Grad Loft. Und viertens: das Aussehen. Es ist der wichtigste Faktor, um eine Beziehung zum Putter aufzubauen. Guter Klang und gute Spieleigenschaften lassen sich auf viele Arten erreichen. Die Optik muss einen Spieler ansprechen, dann kann der Putter nicht wirklich verkehrt sein.

Legendäre Putterstudios: Austie Rollinson
Austie Rollinson
Vier Flugstunden nordöstlich von Scottys Putterstudio liegt in Chicago die Entwicklungs- und Produktionsstätte von Bettinardi Golf. Dies ist das Reich von Bob Bettinardi, der einst für Scotty Cameron Putterköpfe fräste und seit 1991 seinen eigenen Weg geht. Am Lake Michigan sind die Sommer kürzer und die Winter kälter, doch Bobs Putter sind deshalb kein bisschen weniger bunt und machen Tourspieler, Amateure und Sammler weltweit glücklich.

GP: Wie so viele Schlägerbauer hast du deine Karriere nicht in der Golfindustrie begonnen, richtig?
BB: Das ist korrekt. 1982 habe ich meinen Abschluss am College gemacht, mit 22 Jahren als Maschinenbauer angefangen und für meinen Vater gearbeitet, der eine Maschinenwerkstatt hatte. 1988 habe ich meine erste CNC-Fräse gekauft und vier oder fünf Jahre lang habe ich ausschließlich für die Verteidigungs- und die Medizinindustrie gearbeitet. Irgendwann habe ich dann festgestellt, dass ich an den gleichen Maschinen auch Putter fräsen konnte. Von da an gab es kein Halten mehr.

GP: Wer spielte damals, als du angefangen hast, Putter zu entwickeln, mit diesen frühen Modellen?
BB: 1999 besuchte ich mein erstes Tour-Event überhaupt. Das waren die Greater Greensboro Open in North Carolina. Am Mittwochnachmittag kam Jesper Parnevik zu mir, schnappte sich einen Putter und fragte: "Kann ich den haben?" Ich antwortete: "Ja, kannst du." Er nahm den Putter mit, spielte ihn an den nächsten vier Tagen und gewann das Turnier. Sein Endergebnis war 27 unter Par und er benötigte insgesamt nur 99 Putts. Das ist immer noch Turnierrekord.

GP: Wie läuft die Zusammenarbeit mit Tourspielern ab?
BB: Man muss eine Beziehung aufbauen. Man sieht sich zum ersten Mal auf der Driving Range oder dem Putting-Grün und stellt sich vor: "Hi, mein Name ist Bob Bettinardi, ich baue Putter. Möchtest du dir einmal ein paar Modelle anschauen?" Es gibt Spieler, die einem die kalte Schulter zeigen, und man wird ignoriert. Andere dagegen sind aufgeschlossen und schauen sich gerne neue Sachen an. Eigentlich ist man ein Verkäufer, der versucht, sein Produkt an den Mann zu bringen.

GP: Wie läuft die Zusammenarbeit mit Tourspielern ab?
BB: Man muss eine Beziehung aufbauen. Man sieht sich zum ersten Mal auf der Driving Range oder dem Putting-Grün und stellt sich vor: "Hi, mein Name ist Bob Bettinardi, ich baue Putter. Möchtest du dir einmal ein paar Modelle anschauen?" Es gibt Spieler, die einem die kalte Schulter zeigen, und man wird ignoriert. Andere dagegen sind aufgeschlossen und schauen sich gerne neue Sachen an. Eigentlich ist man ein Verkäufer, der versucht, sein Produkt an den Mann zu bringen.

GP: Kannst du den Ball und die beabsichtigte Putt-Linie so besser fokussieren?
BB: Im Gegenteil! Ich möchte erreichen, dass ich mich auf nichts im Speziellen fokussiere. Ich bevorzuge einen soften Fokus, wenn ich auf den Ball schaue. Natürlich habe ich ihn im Blick, aber eben keinen definierten Punkt. Von hier an kann dann mein Muskelgedächtnis übernehmen. Ich vertraue darauf, dass ich das Break richtig gelesen habe, und spiele den Ball zum vorher festgelegten Punkt. Vertrauen in die eigene Vorarbeit ist beim Putten unglaublich wichtig.

GP: Gerade bei Puttern stelle ich mir das nicht einfach vor. Schließlich ist der Putter ohne Zweifel der persönlichste Schläger im Bag.
BB: Das sehe ich genau so. Auch die Hölzer und Eisen sollten selbstverständlich auf den jeweiligen Spieler gefittet sein, aber gerade beim Putter spielt die Anpassung der diversen Winkel eine große Rolle. Dazu kommt, dass bei keinem anderen Schläger das Aussehen und schlicht die Emotion, die ein Putter bei einem Spieler auslöst, eine ähnlich große Bedeutung haben.

GP: Wie muss man sich ein Putter-Fitting bei euch vorstellen?
BB: Wir haben vier Kameras und ein Laser-Board in unserem Studio und sind damit in der Lage, den Golfball so groß wie einen Softball wirken zu lassen. Wir sind so in der Lage, genau zu sehen, wie der Ball reagiert, wenn er von der Schlagfläche getroffen wird. Fängt er an zu hüpfen oder wird er in den Boden gedrückt? Mit diesen Aufnahmen können wir für jeden Kunden den optimalen Loft- und Lie-Winkel bestimmen. Und natürlich können wir auch Rückschlüsse ziehen, wie lang der Schaft sein muss, welcher Griff verbaut werden sollte und all diese wirklich wichtigen Kleinigkeiten.

 

Infobox

Scotty Cameron


Marke: trägt seinen Namen
Hauptquartier: Encinitas, Kalifornien
Baut Putter seit: 1991
Baute bereits Putter für: Tiger Woods, Bernhard Langer, Justin Leonard, David Duval, Mike Weir, Ben Curtis, Phil Mickelson, Darren Clarke, Rory McIlroy, Adam Scott, Jordan Spieth (Auszug)
Webseite: www.scottycameron.com

Bob Bettinardi


Marke: Bettinardi Golf
Hauptquartier: Chicago, Illinois
Baut Putter seit: 1990
Baute bereits Putter für: Jesper Parnevik, Matt Kuchar, Darren Clarke, Luke Donald, Jim Furyk, Brian Gay, Vijay Singh, Phil Mickelson (Auszug)
Webseite: www.bettinardi.com

Austie Rollinson


Marke: Odyssey Golf
Hauptquartier: Carlsbad, Kalifornien
Baut Putter seit: 1991
Baute bereits Putter für: Phil Mickelson, Ernie Els, Keegan Bradley, Henrik Stenson, Patrick Reed, Freddie Jacobson, Stuart Appleby, Branden Grace (Auszug)
Webseite: www.odysseygolf.com

Robbie Sowden


Marke: Caledonia Golf
Hauptquartier: Hirschberg, Deutschland
Baut Putter seit: 2012
Baute bereits Putter für: Paul Lawrie, David Frost, Bernd Ritthammer, Marcel Schneider, Philipp Mejow, Sebastian Heisele
Webseite: www.caledonia-golf.com




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