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Brüssel

Sehen und spielen

21.05.2015 | Von Rudi Schaarschmidt

Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen, denn das Glück ist immer da.' War Goethe Golfer? War er in Brüssel? Anscheinend.

Es ist richtig warm Anfang Mai auf der Clubterrasse im Golfclub Sept Fontaines. Der Ausblick auf diesen wunderschönen Parklandkurs ist grandios. Ich genieße neben dem erfreulichen Blick auf meine Scorekarte ein kühles Bier. Welch ein Abschluss für einen Golf-Trip! Meine Gedanken verselbstständigen sich zu einem Resümee der vergangenen fünf Tage: "Wer hätte das gedacht? Der Süden von Brüssel ist eine der besten Golf-Destinationen, die ich kennenlernen durfte. Und nur zwei Autostunden von meinem Zuhause entfernt."

Für die Beurteilung der Güte von Golfplätzen ist sicher das golfsportliche Design das wichtigste Kriterium. Die überwiegende Mehrheit aller Amateure vermag das jedoch kaum kompetent zu beurteilen, weshalb sie für Kritik ihr Hauptaugenmerk meist auf andere, offensichtlichere Faktoren legt. Wie zum Beispiel die Qualität der Grüns, die Tiefe und Feinheit des Bunkersands, kurz alles, was den Pflegezustand betrifft. Ein Golfplatz kann noch so gut gebaut sein, sind die Grüns in schlechtem Zustand, macht die Runde keinen Spaß. Und was hatte ich rund um Brüssel für einen Spaß! Nicht in Florida, nicht in der Karibik oder im europäischen Süden, sondern in der belgischen Metropole mit exakt demselben Klima wie hierzulande. Wenn ich es mir nicht mit ihnen verscherzen wollte, würde ich allen Greenkeepern Deutschlands zurufen: "Fahrt in die Golfclubs Sept Fontaines, d'Hulencourt, La Tournette, fahrt nach Ravenstein und Waterloo und schaut euch die Grüns an. Und lernt!"

Brüssel: Typisch Mann: maßlose Selbstüberschätzung (l.) Idyllisch: Mike Krüger ist zum Baumarkt gefahren (r.)Brüssel: Typisch Mann: maßlose Selbstüberschätzung (l.) Idyllisch: Mike Krüger ist zum Baumarkt gefahren (r.)
Typisch Mann: maßlose Selbstüberschätzung (l.) Idyllisch: Mike Krüger ist zum Baumarkt gefahren (r.)

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SEIT DER RENOVIERUNG 2004 ERSTRAHLEN DIE NEUN KUGELN DES ATOMIUMS MIT 18 METERN DURCHMESSER - SECHS DAVON SIND BEGEHBAR - WIEDER IN NEUEM GLANZ.
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Dabei hatte es gar nicht so doll angefangen. Als ich den Royal Waterloo Golf Club 20 Kilometer südlich der Hauptstadt ansteuere, schüttet es nicht nur aus Eimern, sondern es weht auch ein orkanartiger Wind, der meinen Schirm an seine Grenzen und darüber hinaus treibt. Es ist nicht daran zu denken, diesen Renommierclub der Region zu spielen, der mit La Marache und Le Lion über zwei Top-Plätze verfügt. Aber zumindest habe ich mal hallo gesagt und der Blick über die Anlage besiegelt gedanklich einen erneuten Besuch, irgendwann.

Die Fahrt zum nächsten Golfclub führt mich vorbei am Löwenhügel-Denkmal. In 40 Metern Höhe stützt sich ein riesiger, 28 Tonnen schwerer gegossener Löwe auf die Weltkugel. Wer die 226 Stufen erklommen hat, überblickt von dort das gesamte Schlachtfeld, auf dem Napoleon im Juni 1815 in der berühmten Schlacht von Waterloo endgültig auf die Mütze bekommen hat, woraufhin das französische Kaiserreich untergegangen ist.

Brüssel:
Nur einige Drive-Längen entfernt im Golf Club d'Hulencourt bläst der Wind zwar noch kräftig, aber es hat aufgehört zu regnen. Von den 550 Mitgliedern (aus 32 Nationen!) ist nicht viel zu sehen. Ich habe den Platz, Heimat der Belgian Amateur Championship, für mich allein: nicht flach, aber keine Bergziege, zumeist großzügig bemessene Fairways und in wunderbarem Zustand. Das Birdie-Book ist eine Klasse für sich. Was mich aber echt umhaut, sind die Grüns. Dicht, treu und pfeilschnell präsentieren sich diese Putt-Teppiche so perfekt wie in einem virtuellen Golfspiel. Manager James Beckman erklärt mir beim anschließenden Espresso, dass man eine völlig andere Pflegephilosophie verfolge als die Clubs von der Stange. Man verwende krankheitsresistente Grassorten, so wenig Düngemittel wie möglich, dafür viel Sand, um nur die wichtigsten Pflegegeheimnisse zu verraten. Verantwortlich für diese herausragende Qualität zeichnet die britische Firma STRI (Sports Turf Research Institute). Diese ist nicht nur für das Set-up der Open-Plätze zuständig, sondern wird auch von der UEFA und anderen großen Sportverbänden beauftragt, die mit Gras zu tun haben und solvent genug sind. Und Geld scheint hier allenfalls ein oktaviäres Problem zu sein, obwohl der gesamte Gebäudekomplex in einem ehemaligen Gehöft keineswegs protzig daherkommt.

Brüssel: Belgischer Altbau: drei Zimmer, Küche, Bad
Belgischer Altbau: drei Zimmer, Küche, Bad
Nach der körperlichen Ertüchtigung bleibt an den Abenden noch genügend Zeit, sich kulturell und touristisch zu vergnügen. Gut eine der elf Millionen Belgier wohnt in der Metropolregion. Die Stadt selbst hat gerade mal 170.000 Einwohner, ungefähr so viele wie Leverkusen oder Hamm. Verkehrstechnisch aber macht Brüssel auf ganz dicke Hose. Eine Runde um den Brüsseler Autobahnring ohne Stau zu erleben, egal zu welcher Tageszeit, ist so wahrscheinlich wie ein Hole-in-one. An einem Par 4. Sollte irgendwann die Welt erschüttert werden von einem Amoklauf auf dem Brüsseler Autobahnring, werde ich nur wenig überrascht vor dem Fernseher sitzen. Das liegt daran, dass sich die Mentalität des Brüsselers nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln vereinen lässt. My car is my castle.

 
Wohnen

Wohnen

Hotel Golf de Pierpont
20 Kilometer südlich von Brüssel beginnt das Golf-Eldorado. Neben den vorgestellten Clubs d'Hulencourt, Royal Waterloo, Château de la Tournette oder Golf Sept Fontaines sind hier noch weitere acht tolle Golfclubs in wenigen Autominuten erreichbar. Als ideales Domizil für einen Golftrip in diese Region erweist sich das "Hotel Golf de Pierpont", das günstige Golf-Arrangements bietet und nur 100 Meter vom ersten Tee entfernt ist. In idyllischer Landschaft schlängelt sich der Golfplatz (ein 18-Loch-Inland-Links und ein Neunloch-Kompaktkurs) um eine Hofanlage aus dem 17. Jahrhundert, die 2011 renoviert wurde.
www.pierpont.be

Hotel Café Pacific
Wer lieber in der City wohnt, um abends was losmachen zu können, ist in einem der zahlreichen Designhotels im Zentrum gut aufgehoben. Klein, aber unauffällig fein ist das "Hotel Café Pacific" in einer der angesagtesten Einkaufsstraßen (Antoine Densaert) und nur wenige Gehminuten vom Grand Place entfernt. Seit 1890 Gasthaus, verbirgt sich hinter dem im Original erhaltenen gläsernen Eingang ein modernes und frisches, dennoch gemütliches und komfortables Hotel mit einer netten Wein-und-Champagner-Bar. Die nur 13 Zimmer sind alle individuell gestaltet und verströmen den Flair feiner Kultiviertheit.
www.hotelcafepacific.com

Golfplätze in der Region

Golf Clubsept Fontaines

Golf Clubsept Fontaines

Le Chateau: 18 Löcher,Par 72, 6.003 m
Le Foret: 18 Löcher, Par 69, 4.874 m

Adresse
Chaussée d'Alsemberg 1021
B-1420 Braine L'Alleud
Tel. +32 2 353.02.46
www.golf7fontaines.be

Greenfee
60 Euro (werktags)
90 Euro (Wochenende)

Allein schon die Anfahrt zum Château ist ein Augenschmaus. Und nach der Runde auf der traumhaften Clubterrasse bei herrlichem Sonnenschein ein kühles Bier zu genießen gehört mit zu den schönsten denkbaren Erlebnissen. Wer dazwischen noch auf einem der beiden fantastisch gepflegten, mit teuflisch schnellen und tückisch ondulierten Grüns versehenen Parklandplätzen ordentlich Golf spielt, hat den perfekten Tag erlebt.

Killerloch
Die fünfte Bahn ist ein wunderschönes Par 5. Ein langer Fade vom Tee ist empfehlenswert, um die in einer Waldschneise startende und stark ansteigende Spielbahn zu öffnen. Das Grün hängt stark Richtung Fairway. Steht die Fahne kurz, sind bergab drei Putts vorprogrammiert.
www.golf7fontaines.be

Golf Club D'Houlencourt

Golf Club D'Houlencourt

Le Vallon
18 Löcher, Par 72, 6.211 m

Adresse
Bruyére d'Hulencourt
B-1472 Vieux-Genappe
Tel. +32 6 779.40.40
www.golfhulencourt.be

Greenfee
75 Euro (werktags)
95 Euro (Wochenende)

Einer von nur vier Plätzen aus der Feder von Jean-Manuel Rossi. Der Franzose hat in dem leicht hügeligen Gelände einen schönen, offenen Parklandkurs mit einer wunderbaren Mischung geschaffen. Manche Löcher sind knifflig und verlangen taktische Überlegungen, andere laden zum hemmungslosen Durchladen ein. Verzogene Schläge enden nur selten unspielbar, weshalb auch Anfänger nicht überfordert werden. Bessere Grüns findet man auch auf den berühmtesten Plätzen der Welt nicht vor.

Killerloch
Gleich zum Auftakt wartet der Meisterbrief. Selbst wer nicht von den weißen (411 Meter,) sondern von den gelben Tees (375 Meter) spielt, wird vor eine harte Prüfung gestellt. Es geht bergab und in Drive-Länge warten neben fiesem Rough in der abknickenden Spielbahn vor und hinter einem schmalen Fairwaystreifen strategisch gut platzierte Bunker, von denen der zweite Schlag ins Grün selbst für Single-Handicapper kaum machbar ist.
www.golfhulencourt.be

Brabantse Golf

Brabantse Golf

18 Löcher, Par 72, 5.935 m

Adresse
Steenwaagenstraat 11
B-1820 Melsbroek
Tel. +32 2 751.82.05
www.brabantsegolf.be

Greenfee
55 Euro (werktags)
70 Euro (Wochenende)

Direkt neben dem Brüsseler Flughafen (kein Platz für Liebhaber völliger Stille) wartet ein flacher, unprätentiöser Parklandkurs mit zwei kleinen Schönheitsfehlern. Für die Erweiterung auf 18 Löcher wurde Gelände außerhalb des Parks zugekauft, in das die überwiegend kurzen, dafür kniffligen Bahnen 3 bis 7 teilweise direkt an eine Autobahn gequetscht wurden. Und zweimal gilt es, vom Grün über 300 Meter durch einen Wald zum nächsten Tee zu laufen. Mit den anderen hier vorgestellten Edelwiesen kann es Brabantse nicht aufnehmen, trotzdem durchaus lohnenswert.

Killerloch
Die vierte Bahn ist der Hammer. Beinahe schon unfair. 297 Meter hören sich nach nicht viel an, aber für ein Par müssen die ersten beiden Schüsse so perfekt sitzen wie der Eingriff eines Herzchirurgen. Eine schmale Gasse mit Wald zur Linken und einem See zur Rechten endet nach 180 Metern vor einem Flüsschen in einem 90-Grad-Dogleg. Dummerweise versperren drei große Bäume nach etwa 150 Metern in der Mitte des Fairways den Großteil der perfekten Landezone.
www.brabantsegolf.be

Brabantse Golf

Royal Golf Club De Belgique

Ravenstein

Old Course
18 Löcher, Par 72, 6.045 m

Adresse
Château de Ravenstein
B-3080 Tervuren
Tel. +32 2 767.58.01
www.rgcb.be

Greenfee
110 Euro

Schließt eure Augen und stellt euch einen königlichen Schlosspark in seiner schönsten Pracht vor. Lasst euch ans erste Tee in diesem Nobelclub führen und öffnet dann wieder die Augen - et voilá! Eine perfekt manikürte Golfwiese in einem Park, dessen Flora einen mit seiner Vielfalt und Farbenpracht beinahe erschlägt. Seymour Dunn, der auch für Royal County Down verantwortlich zeichnet, hat hier 1905 einen Platz erschaffen, der nicht durch Länge, sondern Schönheit besticht. Der Zustand in diesem etwas hochgestochenen und wenig frequentierten Club ist über jeden Zweifel erhaben. Die Spielbahnen sind nicht übermäßig eng. Wer also auf den pfeilschnellen Grüns zurechtkommt, dürfte gut scoren.

Killerloch
Da es nur wenige Bahnen gibt, die einen vor echte Prüfungen stellen, ist das längste Par 4 die härteste Nuss: Auf der 15. Bahn gilt es, 402 Meter in einem sanften Dogleg zu überwinden, die darüber hinaus auf der zweiten Hälfte noch deutlich ansteigen.
www.rgcb.be

Golf Chateu De La Tournette

Golf Chateu De La Tournette

American Course: 18 Löcher, Par 72, 6.176 m
English Course: 18 Löcher, Par 72, 6.120 m

Adresse
Chemin de Beaudermont 21
B-1400 Nivelles
Tel. +32 6 789.42.66
www.tournette.com

Greenfee
70 Euro (werktags), 100 Euro (Wochenende)

Für diese Anlage wurde das Wort "perfekt" erfunden. Hier stimmt alles: vom guten Service über die traumhafte Clubterrasse bis hin zu zwei unterschiedlichen Championship-Kursen vom Feinsten. Perfekt gepflegt, anspruchsvoll und abwechslungsreich designt und mit Grüns ausgestattet, wie man sie in Deutschland selten vorfindet.

Killerloch
Die 15 ist die schönste Bahn des American Course. Das abschüssige Fairway endet vor einem großen See. Wer zu lang ist, läuft Gefahr, nass zu werden. Wer zu kurz ist, bekommt sowohl in puncto Winkel als auch wegen der Länge Probleme, den zweiten Schlag aufs Grün carry über den großen See zu jagen.
www.tournette.com




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