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Die angenehmsten Orte der Welt

Schloss Wilkendorf

18.06.2015 | Von Jan Langenbein, Fotos: Golf & Spa Resort Schloss Wilkendorf

Die Hauptstadt hat in puncto Golfplätzen beinahe so viel zu bieten wie in Sachen Nachtleben. Warum diese beiden 18-Loch-Plätze allerdings immer noch unter dem Radar vieler Golfer fliegen, ist ein Mysterium der Neuzeit.

Ganz offen zugegeben sah ich nie einen Grund, bis nach Wilkendorf hinauszufahren, als ich Anfang des Jahrzehnts einmal für zwei Jahre in der Hauptstadt wohnte. Zwar kamen mir immer wieder Gerüchte zu Ohren, dass eine englische Golflegende dort tief im Osten einen spektakulären Platz in die Landschaft geschnitzt hätte, doch irgendwie erschien mir das immer ein wenig weit und die Konkurrenz an hervorragenden Golfanlagen in Berlin ist nun auch nicht gerade klein.

Doch dann kam im vergangenen Jahr die GolfPunk Challenge, bei der wir versuchten, mit einem BMW i8 den längsten Golfplatz der Hauptstadt zu spielen. 18 Löcher auf 18 Plätzen an einem Tag lautete die Aufgabe, und wie es die Routenplanung wollte, fiel das Finale furioso dieses von Benzin, Schweiß und leider auch Blut getränkten Tages nach Wilkendorf, wo wir mit Loch 17 auf dem Westside-Platz und Loch 18 auf dem Sandy-Lyle-Platz unseren Fantasy Golf Course abzuschließen hatten. Die Erinnerungen an diesen ersten Besuch auf der Anlage sind aus meinem Hirn gefallen und wahrscheinlich bin ich damals auch wie ein Zombie über den Platz geschlichen; schließlich bestand die Möglichkeit, dass ich wenige Stunden zuvor einen Totschlag mit einem Driver als Tatwaffe begangen hatte. Doch als zwei Tage später Entwarnung vom Opfer meines verzogenen Abschlags kam - es spielte bereits wieder Golf -, kamen auch verschwommene Eindrücke dieser letzten beiden Spielbahnen am Ende eines Marathontags zurück. Und die waren so positiv, dass ich so schnell wie möglich an diesen Ort weit östlich der Stadtgrenze zurückkehren wollte.

Die angenehmsten Orte der Welt:
Schon zwei Wochen später fütterte ich also mein Navi mit den Daten der Anlage in Schloss Wilkendorf und nach einer Anfahrt, die tatsächlich durch eine Ortschaft mit Namen Jenseits des Sees, die hauptsächlich - wie könnte es anders sein - aus einer Seniorenresidenz zu bestehen scheint, stand ich zum ersten Mal mit klarem Kopf und bereit für eine gute Runde Golf auf dem ersten Abschlag des Sandy-Lyle-Platzes. "Wow", war mein erster Gedanke, "warum bin ich nicht schon früher hergekommen!?"

1991 begannen die Planungen und wenig später machte sich auch Sandy Lyle ans Werk und betrat Neuland. Nach 29 Profisiegen weltweit, darunter die Open Championship 1985 und das Masters 1988, wagte sich der Schotte hier im Nordosten von Berlin an sein erstes Design. Dass der Mann auf dem Golfplatz ein absoluter Könner war, ist kein Geheimnis. Seve Ballesteros ging sogar so weit, Lyle als das grösste Talent im Golfsport überhaupt zu bezeichnen: "Wenn jeder sein bestes Golf spielt, dann wird Sandy gewinnen und ich den zweiten Platz belegen." Mit den Massstäben des Maestros gemessen kann diese Aussage als Understatement in eigener Sache gewertet werden; was das Entwerfen von Golfplätzen angeht, musste sich der als Alexander Walter Barr Lyle Geborene seine Sporen erst verdienen und sein 1995 eröffnetes Debüt im Osten der Republik sollte ein furioser Einstand werden. Mit ein wenig Hilfe von European Golf Design baute der Schotte 18 Löcher in die nahezu unberührte Landschaft Brandenburgs, die auch guten Golfern vom ersten Abschlag bis zum letzten Putt alles abverlangen, dank breiter Drive-Landezonen den Stress-Level allerdings immer in erträglichen Höhen halten.

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Diese 18 Löcher Championship-Golf sind jedoch nicht der einzige Spaß. den die Anlage in Wilkendorf zu bieten hat. Ein Jahr nach dem Sandy-Lyle-Platz wurde direkt nebenan mit dem Westside-Platz der erste öffentliche 18-Loch-Platz der Republik eröffnet. Etwas kürzer und etwas weniger knifflig als der große Bruder braucht es unter der Woche immer noch keine Platzreife, um hier auf die Runde zu gehen. Wüsste man nicht, dass es sich um einen öffentlichen Platz handelt, am Pflegezustand oder am Design würde das garantiert nicht einmal der pingeligste Golfer bemerken. Der Westside-Platz in Wilkendorf muss sich vor der Großzahl der normalen Golfplätze in Deutschland nicht verstecken und man kann sich nur in den kühnsten Träumen vorstellen, wie viele aktive Golfer es hierzulande bereits geben könnte, wenn es mehr Plätze wie diesen gäbe, die einfach und kostengünstig die Möglichkeit bieten, richtiges Golf zu spielen. Aus dem Golfclub Schloss Wilkendorf ist bereits vor einigen Jahren der Golfpark Schloss Wilkendorf geworden und mit seinen 36 Löchern hier draußen in der brandenburgischen Diaspora jeden Kilometer Anreise wert.

Golfplätze in der Region

GOLFPARK Schloss Wilkendorf SANDY-LYLE-PLATZ

GOLFPARK Schloss Wilkendorf SANDY-LYLE-PLATZ

18 Löcher, Par 72, 6.517 m

Adresse
Am Weiher 1
15345 Altlandsberg-Wilkendorf
Tel. 03341.33.09.60
www.resort-schloss-wilkendorf.com

Greenfee
60 Euro (werktags)
75 Euro (Wochenende)

Alexander Walter Barr Lyle macht es den Spielern, die es mit seinem Platz vor den Toren Berlins aufnehmen, nicht leicht, wird aber lobenswerterweise nie unfair. Tiefe Bunker und im Spätsommer noch tieferes Rough lauern auf praktisch jeder Spielbahn überall, allerdings gilt "what you see is what you get". Nur ein einziger blinder Abschlag während der Runde bringt Erstbesucher hier ins Grübeln. Ein Spitzenplatz.

Killerloch
Die Signature-Löcher 16 und 17 ziehen zwar alle Blicke auf sich, doch der wahre Killer dieses Platzes ist Bahn 12: ein Par 4, das überhaupt kein Ende nehmen möchte.
www.resort-schloss-wilkendorf.com

GOLFPARK Schloss Wilkendorf WESTSIDE PLATZ

GOLFPARK Schloss Wilkendorf WESTSIDE PLATZ

18 Löcher, Par 72, 5.763 m

Adresse
siehe Sandy-Lyle-Platz

Greenfee
50 Euro (werktags)
60 Euro (Wochenende)

Umgerechnet zwei ordentliche Par-4-Löcher kürzer als der große Bruder nebenan ist der Westside-Platz zwar auch ein vollwertiger 18-Loch-Platz, aber eben etwas entspannter und gemütlicher als der von Sandy Lyle geschaffene Test. Die Crew in Wilkendorf pflegt beide Plätze mit der gleichen Hingabe; auch für den Westside-Platz lohnt sich also die Anreise ins tiefste Brandenburg. Die Grüns sind nämlich spitze.

Killerloch
Wahrscheinlich ist die kniffligste Aufgabe auf diesem Platz Loch 8. Dieses Par 5 hat außer einer Länge von 475 Metern allerdings keine weiteren ins Auge springenden Gefahren zu bieten. Wer sein A-Game mitbringt, kann hier jederzeit einen guten Score schießen.
www.resort-schloss-wilkendorf.com




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