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Die angenehmsten Orte der Welt

Gleneagles, Schottland

21.05.2015 | Von Jan Langenbein

Drei Weltklasse-Golfplätze und eine Bar, die nur ein Getränk kennt - Gleneagles ist viel mehr als der Schauplatz einer denkwürdigen Pressekonferenz.

Als im Jahr 2001 beschlossen wurde, dass der Ryder Cup 2014 auf dem PGA Centenary Course in Gleneagles stattfinden würde, war das Urteil vieler "Experten" einhellig: "Gute Wahl, aber warum findet der Cup auf dem drittbesten Platz von Gleneagles statt?" Bedenkt man, dass das Resort am Rande der schottischen Highlands über drei Golfplätze verfügt, wird schnell klar, dass dieser Spruch nicht als Kompliment gedacht war. Die Tatsache, dass der von Jack Nicklaus designte PGA Centenary Course in der persönlichen Gleneagles-Top-drei-Rangliste für die meisten Besucher den letzten Platz belegt, liegt nicht daran, dass der "Goldene Bär" hier schlechte Arbeit abgeliefert hätte. Ganz im Gegenteil, denn Nicklaus beschrieb die weiße Leinwand, die ihm hier Anfang der 90er-Jahre zur Veredelung überlassen wurde, als "das beste Stück Land, auf dem ich je einen Golfplatz bauen durfte". Und mal im Ernst: Der Ryder Cup wird längst nicht mehr auf mittelmäßigen Plätzen wie The Belfry ausgetragen. Nein, der PGA Centenary Course ist ein guter Resort-Platz, der nun auch noch den Bonus eines europäischen Kantersiegs für sich geltend machen kann und somit eine Pflichtrunde für jeden Golfreisenden darstellt, der hier Rast macht. Kings Course und Queens Course in Gleneagles sind jedoch Klassiker von einer Güteklasse, die es einem amerikanisch designten Newcomer unmöglich machen, dagegen anzustinken. Mit anderen Worten: Das Golfplatz-Trio, das sich in Gleneagles ein Stück Land teilt, sucht in Europa seinesgleichen.

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Doch nicht nur die Golfplätze sind Klassiker. Auch das Hotel selbst genießt im Vereinigten Königreich einen Status wie hierzulande wahrscheinlich nur das "Adlon". 1908 hatte Donald Matheson die Idee, ein Luxushotel mit eigenem Bahnanschluss ins schottische Niemandsland zu bauen, um zahlungskräftige Kundschaft aus dem Süden anzulocken. Die Idee mit dem Bahnanschluss lag nahe, weil Matheson Generaldirektor der Caledonian Railway Company war und streikende Lokomotivführer damals noch pure Science Fiction waren. Mit dem Bau des ersten Golfplatzes wurde James Braid beauftragt und sein Kings Course 1919 eröffnet, sechs Jahre bevor das Hotel fertiggestellt wurde. Bereits 1921 sah der Kings Course sein erstes großes Turnier: den ersten, damals noch inoffiziellen Ryder Cup zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Geteilte Matches kannten diese Pioniere nicht und die Briten, in deren Team auch der Platzdesigner antrat, watschten die Gäste mit 9:3 ab.

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Seit seiner Eröffnung in den Wilden 20ern ist das "Gleneagles Hotel" nun schon ein Sommertreffpunkt für ein paar der Schönen und sehr viele der Reichen und es waren nicht nur die Golfplätze, sondern auch die zahlreichen anderen Sportmöglichkeiten wie die Jagd nach Moorhühnern in den umliegenden Feuchtgebieten. Wer heute nach Gleneagles reist, kann in der von Formel-1-Ikone Sir Jackie Stewart gegründeten Tontauben-Schießanlage Schrot über die Highlands ballern, sich in der British School of Falconry mit Vögeln vergnügen oder sich mit nagelneuen Range Rovern durch erschreckend tiefe Wasserhindernisse wühlen. Kleinbürgerliche Betätigungen wie Tennis oder Schwimmen sind selbstverständlich auch möglich, doch wer will das schon in einer Zeit, in der sich jeder kleine Mann weiße Schuhe und einen Schläger leisten kann? Gleneagles ist auch heute noch ein exklusiver Tummelplatz für mächtig Reiche. Die wissen den exzellenten Service, den zum Beispiel die Regierungschefs des G8-Gipfels von 2005 genießen durften, durchaus zu schätzen. Damals erhöhte man den Boden des großen Ballsaals kurzerhand um einige Zentimeter, nachdem penible Personenschützer festgestellt hatten, dass es bei der ursprünglichen Bodenhöhe für Scharfschützen möglich gewesen wäre, durch Fenster einen Mordanschlag auf den mächtigsten Mann der Welt zu verüben. Wie viel die Hebebühne für den grössten Raum des Hotels gekostet hat, will heute niemand mehr verraten, Anekdoten wie diese zeigen jedoch, dass in einem Luxushotel wie "Gleneagles" nichts unmöglich ist, solange die Kreditkarte mitspielt.

Golfplätze in der Region

GLENEAGLES KINGS COURSE

GLENEAGLES KINGS COURSE

18 Löcher, Par 71, 6.208 m

Adresse
Auchterarder
Perthshire PH3 1NF
Tel. +44 800.398.3737
www.gleneagles.com

Greenfee
ab 120 Euro (Hotelgäste)
ab 160 Euro (externe Gäste)

1919 schuf der fünfmalige Open Champion James Braid diese magischen 18 Löcher. Beinahe hundert Jahre später ist der Kings Course immer noch eines der besten Inland-Designs im Vereinigten Königreich, die jeder Golfer einmal genossen haben sollte. Allein schon der herrlich weiche Moorboden ist das Greenfee wert. Nirgendwo machen Divots mehr Spaß.

Killerloch
Loch Nummer 5 ist mit 163 Metern von den Back Tees zwar kein wirklich langes Par 3, ein faktisches Inselgrün ohne einen Tropfen Wasser zu designen ist jedoch ein echtes Kunststück. Wer das Grün verfehlt, egal auf welcher Seite, der kann einpacken.
www.gleneagles.com

GLENEAGLES QUEENS COURSE

GLENEAGLES QUEENS COURSE

18 Löcher, Par 68, 5.454 m

Adresse
Auchterarder
Perthshire PH3 1NF
Tel. +44 800.398.3737
www.gleneagles.com

Greenfee
ab 120 Euro (Hotelgäste)
ab 160 Euro (externe Gäste)

Wer den kürzesten der drei Plätze in Gleneagles aufgrund seiner Länge nicht ernst nimmt, der ist selber schuld. Sean Connery ist der Meinung, dass der Queens der schönste Platz des Resorts ist - und wer möchte schon James Bond widersprechen? Longhitter sind auf dem Queens Course selbstverständlich nicht gefragt. Das Sand-Wedge sollte während einer Runde auf dieser Schönheit allerdings messerscharf sein, denn Bunker sind scheinbar allgegenwärtig.

Killerloch
Der Tee-Shot des Schlusslochs ist der spektakulärste aller 54 Löcher von Gleneagles. In der Ferne lockt das Clubhaus, doch zuvor gilt es, erst noch einen See, pardon, ein Loch zu überwinden.
www.gleneagles.com

GLENEAGLES PGA CENTENARYCOURSE

GLENEAGLES PGA CENTENARYCOURSE

18 Löcher, Par 72, 6.671 m

Adresse
Auchterarder
Perthshire PH3 1NF
Tel. +44 800.398.3737
www.gleneagles.com

Greenfee
ab 120 Euro (Hotelgäste)
ab 160 Euro (externe Gäste)

Natürlich könnte man nun darüber schwadronieren, was sich Jack Nicklaus bei der Platzierung der Bunker gedacht hat oder wie unglaublich der Ausblick vom Fairway der zweiten Spielbahn ist. Doch wichtig ist beim PGA Centenary Course nur eines: Hier wurde den Amerikanern mächtig der Hintern versohlt. Und darum fühlt sich eine Runde hier so gut an.

Killerloch
Solltest du es schaffen, den zweiten Schlag auf Loch 15 wie Jamie Donaldson zum Tap-in Birdie an die Fahne zu legen, dann Hut ab! Dieses Par 4 ist ein echtes Monster.
www.gleneagles.com




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